Stand: 24.09.2017 20:45 Uhr

Hamburgs Reaktionen: Alle grübeln, nur die AfD nicht

Die CDU hat trotz herber Verluste die Bundestagswahl gewonnen. Sogar im traditionell sozialdemokratischen Hamburg liegt sie vor der SPD von Bürgermeister Olaf Scholz. "Wir hätten uns natürlich einiges mehr erhofft, sage ich ganz ehrlich. Das ist schon kleine Enttäuschung", sagte Hamburgs CDU-Spitzenkandidat Marcus Weinberg im NDR Hamburg Journal. "Was das Hamburger Ergebnis angeht, muss ich sagen: Wir sind auf Augenhöhe mit der SPD und das ist eine wichtige Botschaft für uns als Union in Hamburg für die nächste Jahre."

SPD will liberale Alternative in der Opposition sein

Die SPD fährt ihr schlechtestes Ergebnis überhaupt ein und entsprechend lang waren die Gesichter der SPD-Anhänger am Sonntagabend im Hamburger Kurt-Schumacher-Haus. Aydan Özoguz, Hamburgs SPD-Spitzenkandidatin, sprach von einem "katastrophalen Ergebnis für die Sozialdemokraten". Ihre Partei müsse nun in die Opposition gehen und sich erneuern.

Scholz gab sich aber schon nach den ersten Hochrechungen kämpferisch: "Die SPD wird keine 20-Prozent-Partei bleiben", sagte er in Berlin. Scholz sagte aber auch, man müsse einen politischen Wettbewerb mit der AfD über die Zukunft des Landes eingehen. Die SPD müsse eine liberale Alternative in der Opposition formulieren, "die gleichzeitig sicherstellt, dass die Zukunft der Bürgerinnen und Bürger auch in veränderten Zeiten (...) gelöst werden kann". Andernfalls bestimme das Ressentiment die politische Debatte. "Das müssen wir und werden wir verhindern", sagte Scholz.

AfD will "richtige Opposition" sein

Die AfD wird im nächsten Bundestag drittstärkste Kraft sein. Das sehr gute Wahlergebnis der AfD nannte Hamburgs AfD-Spitzenkandidat Bernd Baumann erwartbar. "Wenn das Parlament nicht in der Lage ist, eine richtige Opposition zu formieren, (...) dann braucht es eine neue Opposition, eine richtige Opposition. Und das ist jetzt die AfD", sagte Baumann am Sonntag in Hamburg. Er könne sich nach seinem Wechsel vom Fraktionsvorsitz in der Hamburgischen Bürgerschaft nach Berlin vorstellen, in den Bereichen Wirtschaft beziehungsweise Arbeit, Soziales und Integration mitzuarbeiten. Er wies jegliche Vorwürfe des Rechtsextremismus in seiner Partei zurück. "Rechtsextreme haben wir bei uns nicht", sagte er.

Die Handelskammer Hamburg reagierte am Sonntagabend schnell auf die Wahlergebnisse und zeigte sich besorgt über den Einzug der AfD in den Bundestag. "Dass erstmals eine Partei drittstärkste Kraft im Bundestag werden dürfte, die explizit den Austritt Deutschlands aus dem Euroraum fordert, führt hoffentlich zu einem noch deutlicheren Bekenntnis der anderen Parteien zu Europa", sagte Präses Tobias Bergmann nach den ersten Hochrechnungen.

Linke und FDP sind in Hamburg zweistellig

Die Linke holte mit ihrem Spitzenkandidaten Fabio De Masi in Hamburg ein zweistelliges Ergebnis. "Das ist eine Bestätigung unser tollen Arbeit hier in der Stadt und gibt uns an der Elbe Rückenwind", sagte er im NDR Hamburg Journal. "Wir werden klarmachen, dass die Abgeordneten in der AfD die Hosen runterlassen müssen, weil sie eben nicht die Interessen von Beschäftigten, von Rentnern, von Arbeitslosen und für mehr Personal in der Pflege vertreten."

Große Freude auch bei der Hamburger FDP, die Partei zieht nach vier Jahren außerparlamentarischer Opposition wieder in den Bundestag ein. "Das ist ein sensationelles Ergebnis", sagte Michael Kruse von der Hamburger FDP. Allein das starke Abschneiden der AfD trübte die Stimmung an diesem Abend bei der FDP.

Grüne sind erleichtert

Erleichterung hingegen bei den Hamburger Grünen. Auf Bundesebene erreichten sie über neun Prozent, in Hamburg sogar fast 14 Prozent. Hamburgs grüne Spitzenkandidatin Anja Hajduk sprach nach den ersten Ergebnissen von einer inhaltlichen Verantwortung, der sich auch die Grünen nun stellen müssten. "Unser eigenes Ergebnis zeigt, dass wir da einen guten Nerv getroffen haben und wir fühlen dadurch schon bestätigt, was unsere Ziele angeht."

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 24.09.2017 | 19:30 Uhr

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