Stand: 11.08.2015 21:07 Uhr

Hamburgs Bunker auf dem Prüfstand

Nach den schweren Bränden in zwei Hamburger Hochbunkern planen die Behörden eine Bestandsaufnahme aller Gebäude dieser Art in der Hansestadt. Bei gewerblich genutzten Bunkern sollen die Sicherheitsstandards überprüft werden - vor allem wenn dort Gefahrstoffe gelagert werden. Das vereinbarten am Dienstag Vertreter der Innebehörde, der Bezirke und der Feuerwehr bei einer Besprechung. Wann eine Liste aller Bunker in Hamburg vorliegen wird, konnte ein Sprecher der Innenbehörde nicht sagen. Die Bestandsaufnahme sei kompliziert, weil ein Teil der Bunker in Privatbesitz sei, die übrigen dem Bund gehörten oder dem Zivilschutz unterstünden.

Bei der Bestandsaufnahme geht es unter anderem um die Frage, ob die zum Teil 30 Jahre alten Bunker-Nutzungsgenehmigungen verschärft werden müssen. Mindestens 60 Hochbunker aus dem Zweiten Weltkrieg stehen noch im Stadtgebiet. "Eigentlich sind sie extrem sicher", sagte ein Feuerwehrsprecher. "Aber wenn es drinnen brennt, stellt es uns vor extreme Probleme."

Brandschutzregeln noch angemessen?

Viele Brandschutzregeln stammten noch aus den 1970er-Jahren und seien möglicherweise nicht mehr angemessen, teilte die Innenbehörde mit. Man werde sich genau ansehen, ob man bestimmte Nutzungen nicht ganz untersagen oder die Gebäude nicht zumindest brandschutztechnisch nachrüsten müsse.

Rothenburgsort: Brandermittler besichtigen Bunker

Im Stadtteil Rothenburgsort waren am Dienstag vergangener Woche 45 Menschen verletzt worden, als in einem Hochbunker ein Feuer ausbrach. Mehr als 70 Tonnen ätherische Öle waren in Brand geraten und noch während der Löscharbeiten überraschend explodiert. Die Brandursache ist noch unklar. Brandermittler des Landeskriminalamtes konnten am Dienstag erstmals den Bunker in Schutzkleidung betreten.

Bewohner der evakuierten Häuser können noch nicht zurück

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Wann die Bewohner der evakuierten Häuser in Rothenburgsort wieder in ihre Wohnungen können, ist noch unklar.

Die von der Druckwelle der Explosion in Mitleidenschaft gezogenen Wohngebäude konnten laut Bezirksamt Mitte als statisch sicher eingestuft werden. Hunderte Anwohner können dennoch vorerst noch nicht in ihre Wohnungen zurück, weil dort die Schadstoffkonzentration laut Gutachter noch zu hoch ist, wie NDR 90,3 berichtete. Die Wohnungen müssen nun gelüftet und zum Teil professionell gereinigt werden. Außerdem müssten etliche Türen und Fenster repariert werden, die durch die Explosion und bei der Räumung der Gebäude zerstört wurden, sagte ein Sprecher der Frank-Unternehmensgruppe, die die Häuser verwaltet. Wenn alles optimal liefe, könnten die ersten Mieter in vier bis fünf Tagen in ihre Wohnungen zurück. Die Mieter leben seit dem Brand entweder bei Verwandten, Freunden oder in Hotels.

Bei einem Bunkerbrand in Bahrenfeld in der Nacht zum vergangenen Sonnabend ist niemand verletzt worden. Zwischenzeitlich wurden rund 150 Anwohner vorsorglich in Sicherheit gebracht. In dem Gebäude lagerten mit behördlicher Genehmigung 5,5 Tonnen Pyrotechnik verschiedener Firmen. "Das war alles Rechtens", sagte ein Sprecher der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz.

  • Bunker der Stadt Hamburg nach Bezirken

    Bezirk Altona

    Altona
    Max-Brauer-Allee, Carlebachstraße, Holstenstraße (14a und 75a), Missundestraße, Otzenstraße, Schomburgstraße, Louise-Schroeder-Straße
    Bahrenfeld
    Von-Sauer-Straße
    Ottensen
    Behringstraße, Friedensallee Bülowstraße
    Sternschanze
    Lippmannstraße, Feldstraße, Sternschanze


    Bezirk Bergedorf

    Kirchwerder
    Kuwerdamm

  • Bunker der Stadt Hamburg nach Bezirken

    Bezirk Eimsbüttel

    Eimsbüttel

    Alardusstraße, Eichenstraße, Eidelstedter Weg, Eimsbütteler Straße, Heußweg/Unnastraße, Müggenkampstraße/Satoriusstraße, Sillemstraße/Hellkamp, Weidenstieg
    Hoheluft
    Quickbornstraße
    Stellingen
    Langenfelder Damm
    Rotherbaum
    Binderstraße, Bahnhof Dammtor, Allende-Platz, Grindelhof, Harvestehuder Weg, Rothenbaumchaussee


    Bezirk Harburg

    Harburg
    Lasallestraße
    Heimfeld
    Moorburger Straße
    Wilstorf
    Rönneburger Straße

  • Bunker der Stadt Hamburg nach Bezirken

    Bezirk Mitte

    Borgfelde
    Borgfelder Allee
    Finkenwerder
    Rüschweg
    Hamm
    Bahnhof Hasselbrook, Carl-Petersen-Straße, Dobbelersweg, Döhnerstraße, Droopweg, Eiffestraße, Palmerstraße, Süderstraße, Wendenstraße, Wichernsweg, Wolfshagen
    Hammerbrook
    Hammer Deich (77-83 und 155), Kreuzbrook
    Neustadt
    Vorsetzen, Alfred-Wegener-Weg,
    Rothenburgsort
    Billhorner Brückenstraße, Marckmannstraße, Peutestraße, Stresowstraße
    Steinwerder
    Worthdamm
    St.Pauli
    Feldstraße
    St. Georg
    Hachmannplatz, Steintorwall
    Veddel
    Prielstraße, Peutestraße
    Wilhelmsburg
    Neuhöfer Straße

  • Bunker der Stadt Hamburg nach Bezirken

    Bezirk Nord

    Barmbek
    Bahnhof Barmbek, Bramfelder Straße, Habichtstraße (37 und 75), Humboldtstraße, Kuhnsweg, Wiesendamm
    Eppendorf
    Ernst-Thälmann-Platz, Tarpenbekstraße
    Hoheluft-Ost
    Löwenstraße
    Uhlenhorst
    Finkenau
    Winterhude
    Alte Wöhr, Barmbeker Straße, Geibelstraße, Dorotheenstraße, Poelchaukamp, Poßmoorweg, Forsmannstraße


    Bezirk Wandsbek

    Eilbek
    Hasselbrookstraße, Schellingstraße
    Wandsbek
    Von-Hein-Straße

    (Hinweis: Kein Anspruch auf Vollständigkeit. Viele Bunker stehen auf Privatgrundstücken und sind daher nicht erfasst.)

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 11.08.2015 | 18:00 Uhr