Stand: 27.08.2014 20:54 Uhr

Hamburger geben Seilbahn keine Chance

Die Bürger im Bezirk Hamburg-Mitte haben entschieden: Die umstrittene Seilbahn von Hamburg-St. Pauli über die Elbe zu den Musicaltheatern wird nicht gebaut. Nach Angaben des Bezirksamts stimmten knapp zwei Drittel gegen das Projekt.

Ein Viertel hatte abgestimmt

50.081 Bürger hatten ihre Stimme abgegeben. 31.769 (63,4 Prozent) votierten gegen das Projekt, nur 18.312 waren dafür. Insgesamt konnten 203.318 Einwohner bis Sonntag ihre Stimme abgeben, die Wahlbeteiligung lag bei rund 25 Prozent. Der Bürgerentscheid sei für den Senat rechtlich bindend, das habe dieser für die Seilbahn so festgelegt, sagte Bezirksamtsleiter Andy Grote (SPD).

So sollte die Seilbahn über die Elbe aussehen

35 Millionen Euro sollten investiert werden

Die Pläne sahen vor, dass die Seilbahn in 80 Metern Höhe vom Heiligengeistfeld in St. Pauli über die Elbe nach Steinwerder führt. Dort befinden sich gleich zwei Musical-Theater: "Der König der Löwen" läuft seit 2001, das neue Theater wird im Herbst 2014 mit "Das Wunder von Bern" eröffnet. Die Seilbahn sollte die Shuttle-Fähren der HADAG für die Musicalbesucher ergänzen. Das Unternehmen Stage Entertainment wollte mit dem österreichischen Seilbahnbauer Doppelmayr 35 Millionen Euro in die 1,5 Kilometer lange Strecke investieren.

Befürworter des Projektes äußerten sich nach dem Scheitern enttäuscht. "Wir haben immer an die Seilbahn über die Elbe geglaubt", sagte Herlind Gundelach, Initiatorin des Bürgerbegehrens. Thomas Magold von der Initiative "Ja zur Seilbahn" sprach von einer "verpassten Chance, ein innovatives Verkehrsmittel völlig ohne Kosten oder Risiko für die Stadt zu erproben." Die Firmen Doppelmayr und Stage Entertainment teilten gemeinsam mit: "Selbstverständlich akzeptieren und achten wir den Bürgerwillen." Auch die Handelskammer bedauerte das Votum: Von einer Seilbahn hätten neben den Gästen in der Stadt auch die Hamburger profitiert.

Feier auf dem Spielbudenplatz

Die Seilbahn-Gegner reagierten mit einer Feier unter dem Motto "Sieg David gegen Goliath" auf dem Spielbudenplatz. Sie seien überwältigt von der deutlichen Mehrheit, sagte Sabrina Hirche, eine der Vertreterinnen der Gegner-Initiativen. Die Initiative "Keine Seilbahn über unseren Köpfen" teilte mit: "Wir sind erleichtert, dass Hamburg ein Fahrgeschäft erspart geblieben ist, das den Menschen in der Stadt keinen echten Nutzen gebracht hätte." Initiatorin Theresa Kajob sprach von einem "Sieg der Demokratie".

Die Kritiker hatten in dem Projekt keine Bereicherung für die Hansestadt, sondern eher für die Konzerne gesehen. Eine Initiative befürchtete Nachteile für die Anwohner durch erhöhte Touristenströme und zusätzlichen Verkehr. Außerdem hätte die Bahn mit ihren 92 und 129 Meter hohen Stützen ihrer Meinung nach das Stadtbild zerstört.

"Entscheidung für die Einzigartigkeit"

In der Bezirksversammlung hatte sich im Juni ebenfalls eine Zwei-Drittel-Mehrheit gegen die Pläne ausgesprochen. Angesichts der hohen Beteiligung sei das Ergebnis repräsentativ für Hamburg und spiegele das Votum der Versammlung wider, sagte Bezirkschef Grote. "Das ist keine Entscheidung für den Tourismus, sondern für die Einzigartigkeit der Stadt" mit der "unverwechselbaren Silhouette" aus Michel, Elbphilharmonie und Landungsbrücken.

Auch Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) zeigte sich zufrieden: "Ich finde sehr gut, dass die Bürger entschieden haben, weil das immer für eine Legitimation der Entscheidung sorgt", sagte er in einem Gespräch mit NDR 90,3.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 27.08.2014 | 17:00 Uhr