Stand: 16.01.2016 16:17 Uhr

Hamburger Polizei registriert gewalttätige Fans

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Fans zünden Bengalos bei einem Bundesligaspiel: 1.070 gewaltbereite Anhänger des HSV und 426 des FC St. Pauli stehen in der Datei der Polizei.

Die Hamburger Polizei führt seit mehr als neun Jahren eine Datei über gewaltbereite Fußball-Fans. Das geht aus einer Antwort des rot-grünen Senats auf eine Kleine Anfrage der Linken-Politikerin Christiane Schneider hervor. In der Datei sind demnach 2.170 Menschen aus dem Bereich Fußball registriert, darunter 1.070 Fans des HSV und 426 Anhänger des FC St. Pauli.

Gespeichert werden neben Namen und Adressen der Beschuldigten und Verdächtigen auch Fotos sowie Informationen zu Kontakt- und Begleitpersonen. "Das verletzt die informationelle Selbstbestimmung und darf in einem Rechtsstaat keinen Platz haben", kritisierte die Linken-Politikerin Schneider.

Polizei: Datei kein Geheimnis

Die Polizei weist gegenüber NDR 90,3 zurück, dass es sich um eine geheime Datei handele. Einen entsprechenden Vorwurf hatte Schneider gegenüber dem "Hamburger Abendblatt" (Sonnabendausgabe) geäußert. Timo Zill, Leiter der Polizeipressestelle, erklärte am Sonnabend, die Datei "Gruppen und Szenegewalt" beim Landeskriminalamt sei ein ganz normales Instrumentarium der Polizei.

Ziel sei es, Gewalt in Fußballstadien schon im Vorfeld zu verhindern, sagte der Polizeisprecher. Er gibt zu, dass die Polizei einen Kommunikationsfehler gemacht habe: Im Sommer 2014 habe ein Mitarbeiter des Landeskriminalamts auf eine entsprechende Anfrage der Piratenpartei verneint, dass es eine solche Datei gebe. "Das war eine falsche Angabe, die wir sehr bedauern", so Zill. Der Vorfall werde weiter geklärt.

Auch Handball- und Eishockey-Fans in der Datei

Angelegt wurde die Datei am 1. Juni 2006 - wenige Tage vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland. Der damalige Polizeipräsident habe die Einrichtung verfügt, teilte der Senat mit. Der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit sei darüber informiert worden.

Auch die Daten von 30 Handball- und Eishockey-Fans sind in der Datei gelistet. Mit anderen Bundesländern oder der Bundespolizei werden die Informationen nach Angaben des Senats nicht ausgetauscht. Wer in der Datei geführt wird, erfährt davon in der Regel nichts. Es bestehe keine Pflicht, Betroffene zu informieren, heißt es in der Senatsantwort.

Kritik aus der Fanszene

Die Nachricht von der Existenz einer solchen Datei löste in der Fanszene Irritationen aus. Der "Fanladen St. Pauli" schrieb am Sonnabend auf seiner Facebook-Seite von einem "herben Rückschlag": "Das ohnehin angespannte Verhältnis der aktiven Fanszene zu den sogenannten szenekundigen Beamten wird weiter beschädigt."

Andre Fischer, Leiter des HSV-Fanprojekts, bezeichnete die Datensammlung im "Hamburger Abendblatt" als "Skandal". Menschen, die strafrechtlich noch nicht in Erscheinung getreten seien, würden unter Generalverdacht gestellt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 16.01.2016 | 14:00 Uhr