Stand: 11.02.2016 19:31 Uhr

Hamburger Hafen: Nur noch Platz drei im Norden

Der Hamburger Hafen hat im vergangenen Jahr deutlich weniger Container umgeschlagen als 2014. Insgesamt sei ein Rückgang von 9,7 Millionen Standardcontainern im Vorjahr auf jetzt 8,82 Millionen Stück verzeichnet worden, sagte Marketing-Chef Axel Mattern am Mittwoch. Durch das Minus von 9,3 Prozent fiel Hamburg im Ranking unter Nordeuropas größten Häfen hinter Rotterdam (Niederlande) und Antwerpen (Belgien) auf Platz drei zurück.

Probleme im China- und Russland-Handel

Beim Containerumschlag liege Hamburg nun wieder auf dem Niveau von 2012 beziehungsweise 2006, sagte Mattern. Hauptgrund für den Rückgang waren den Angaben zufolge vor allem Chinas schwächelnder Außenhandel und Russlands Wirtschaftsprobleme. Mattern erklärte, dass Hamburg stärker von diesen Problemen betroffen sei als die Konkurrenz in Antwerpen oder Rotterdam. Der Rückgang im Containerverkehr mit China von 14,4 Prozent und mit Russland von 34,4 Prozent sei durch Wachstum im Containerverkehr mit anderen Ländern nicht auszugleichen. Während der Hamburger Hafen verlor, legte Antwerpen im vergangenen Jahr auf 9,7 Millionen Container deutlich zu, Rotterdam konnte seinen Umschlag mit 12,2 Millionen Containern weitgehend stabil halten. Laut Mattern sank Hamburgs Marktanteil im abgelaufenen Jahr um knapp zwei Prozent.

Horch warnt vor Krisengerede

Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) sagte, die Zahlen seien wenig erfreulich. Der Erfolg des Hamburger Hafens bemesse sich jedoch nicht ausschließlich in Containern. "Ich warne dringend davor, Krisen herbeizureden. Das schadet unserem Hafen und spielt unseren Konkurrenten in die Hände. Wirtschaftliche Schwankungen sind für uns nichts Neues - sie gehören zum Geschäft." Es sei jedoch unbestritten, dass der Hamburger Hafen vor großen Herausforderungen stehe.

Die größten Häfen Nordeuropas

Die meisten Container werden im Jahr 2015 im Hafen von Rotterdam umgeschlagen: rund 12 Millionen. Rotterdam hat damit im Vergleich zum letzten Jahr 0,5 Prozent verloren, bleibt aber die klare Nummer eins in Europa. Der größte europäische Hafen umfasst ein Gebiet von 12.500 Hektar – so viel wie rund 18.000 Fußballfelder. Die Gesamtlänge des Hafengebiets beträgt rund 40 km. Jährlich laufen ungefähr 30.000 Seeschiffe und 110.000 Binnenschiffe den Hafen an. 

Plus bei Massengut

Ein leichtes Plus von 5,8 Prozent verzeichnete der Hafen beim Massengutumschlag. Vor allem bei Kohle und Getreide gab es einen Zuwachs. Dieser Anstieg reichte jedoch nicht aus, um die Gesamtbilanz des Hafens auszugleichen. Insgesamt sank der Seegüterumschlag um 5,4 Prozent auf 137,8 Millionen Tonnen.

Trübe Aussichten

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Marketing-Chef Mattern rechnet für 2016 nicht mit mehr Containerumschlag im Hamburger Hafen.

Für das laufende Jahr rechnet der Hamburger Hafen bestenfalls mit einer Stagnation des Containerumschlags auf dem gegenwärtigen Niveau. Mattern: "Für 2016 als Ausblick kann man sagen: Die Gesamtzahl der zu bewegenden Container wird nicht steigen." Die Hafenmanager verweisen in diesem Zusammenhang auf die unsichere Entwicklung des Handels mit China. Vor einem Jahr hatte Hamburg noch gehofft, die Rekordmarke von zehn Millionen Containern knacken zu können.

Mehr Megafrachter

Mehr als verdoppelt hat sich in Hamburg die Zahl der besonders großen Containerschiffe. Jens Meier, Chef der Hafenverwaltung Hamburg Port Authority (HPA), sieht aber auch Grenzen des Wachstums. "Es gibt mittlerweile einige Indikatoren, dass sich diese ganz großen Schiffe irgendwann nicht mehr rechnen. An dem Punkt sind wir ganz dicht dran, wenn wir ihn nicht schon erreicht haben", sagte er NDR 90,3. Unabhängig vom gesunkenen Umschlag und der Havarie des Frachters "Indian Ocean" auf der Elbe rechnet die Hafenverwaltung damit, dass in diesem Jahr noch einmal deutlich mehr Megafrachter nach Hamburg kommen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 10.02.2016 | 13:00 Uhr

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