Stand: 30.04.2017 11:09 Uhr

Hamburger Ärzte verschreiben kaum Cannabis

Gegenüber Cannabis als Medizin sind unter anderem die Neurologen skeptisch.

Seit März gibt es in Deutschland Cannabis auf Rezept und die Krankenkassen übernehmen dafür die Kosten. Allerdings halten sich Ärzte in Hamburg mit der Verschreibung noch sehr zurück, wie eine Umfrage von NDR 90,3 ergab.

Nur 100 Rezepte in Hamburg und Schleswig-Holstein

Den besten Überblick hat der MDK Nord, der medizinische Dienst der Krankenversicherung. Er wird von den Kassen immer dann eingeschaltet, wenn ein Arzt das erste Mal ein Cannabis-Präparat verschreibt. Für Hamburg und Schleswig-Holstein waren das in den vergangenen Wochen nur gut 100 Prüfaufträge.

Hamburger Hausärzte berichten von zehn Verschreibungen

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So kann Cannabis als Medizin helfen

Tausende Schmerzpatienten in Deutschland nutzen Cannabis - nicht als Droge, sondern als Medizin. Allerdings übernehmen die Krankenkassen die Kosten fast nie. mehr

Diesen ersten Eindruck bestätigt der Hamburger Hausärzte-Verband. Er hatte für NDR 90,3 bei seinen Mitgliedern nachgefragt und von 60 Hausärzten eine Rückmeldung bekommen. Das Ergebnis: Sie haben bislang nur zehn Rezepte ausgestellt - in den meisten Fällen für schwerstkranke Patienten, die unter starken Schmerzen leiden.

Neurologen sind skeptisch

Auch die Neurologen sind noch eher zurückhaltend, bevor sie beispielsweise einem Patienten mit Multipler Sklerose oder Parkinson ein Cannabis-Produkt verschreiben. Der Grund dafür sei einfach, sagte Uwe Meier vom Berufsverband der Neurologen: Die klinischen Studien zum medizinischen Nutzen von Cannabis seien nicht so eindeutig wie es von den Befürwortern immer wieder propagiert werde.

Keine wissenschaftliche Entscheidung?

Nach einer Einschätzung des Neurologen war es in erster Linie eine politische Entscheidung, Cannabis als Medizin freizugeben - und nicht so sehr eine wissenschaftliche.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hatte den Weg für medizinisches Cannabis frei gemacht. Es soll vor allem bei schwerkranken Patienten zum Einsatz kommen, die unter chronischen Schmerzen leiden. Die appetitsteigernde Wirkung der Pflanze kann auch bei Krebs- und Aidspatienten genutzt werden und soll gleichzeitig gegen Übelkeit helfen, zum Beispiel bei einer Chemotherapie.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 30.04.2017 | 11:00 Uhr

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