Stand: 28.08.2017 15:53 Uhr

Hamburg hinkt bei Krippenbetreuung hinterher

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In den Hamburger Krippen kümmert sich jeder Erzieher im Schnitt um 5,1 Kinder unter drei Jahren.

Die Betreuung der Kita-Kinder hat sich in Hamburg im Zeitraum von 2012 zu 2016 zwar verbessert, bei den Krippen schneidet der Stadtstaat von allen westdeutschen Bundesländern allerdings am schlechtesten ab. Das ist das Ergebnis des Ländermonitors frühkindliche Bildung der Bertelsmann Stiftung, der am Montag veröffentlicht wurde.

Fünf statt drei Krippenkinder pro Erzieher

In den Krippen der Hansestadt kümmert sich jeder Erzieher demnach im Schnitt um 5,1 Kinder unter drei Jahren, während die Stiftung einen Schlüssel von einer Fachkraft für drei Kleinkinder empfiehlt. Immerhin gibt es eine leichte Verbesserung: 2012 waren es noch 5,7 Kinder pro Erzieher gewesen. Der bundesweite Schnitt liegt bei 1 zu 4,3.

Für die empfohlene Betreuung fehlen 3.600 Erzieher

Bei den über Dreijährigen liegt die Stadt mit einem Erzieher für neun Kinder etwas besser als der Bundesschnitt (9,2). Die Bertelsmann Stiftung empfiehlt hier einen Personalschlüssel von einem Erzieher für 7,5 Kindergartenkinder. Um die empfohlenen Schlüssel zu erreichen, müssten in Hamburg insgesamt mehr als 3.600 Vollzeit-Fachkräfte eingestellt werden, rechnen die Autoren der Studie vor. Dadurch würden die jährlichen Personalkosten um jährlich rund 158 Millionen Euro steigen.

Große Unterschiede im Stadtgebiet

In rund 38 Prozent der Kitas in Hamburg werden die empfohlenen Schlüssel in den Kindergartengruppen bereits jetzt annähernd eingehalten, bei dem Rest kümmern sich die Erzieher um mehr als acht Kinder. Bei den Krippen fallen die Unterschiede innerhalb der Stadt geringer aus.

In den 1.051 Hamburger Kitas werden 21.803 Kinder unter drei und 48.567 Kinder über drei Jahren betreut. Der Zuwachs von 5.200 Kita-Fachkräften in den vergangenen zehn Jahren liegt mit 62 Prozent im Bundesdurchschnitt. Mit Krippen und Tagesmüttern werden demnach mehr als 83.000 Kinder täglich durch Fachpersonal betreut.

Daten stammen von 2016

Die Experten nutzen für ihre Berechnungen Daten aus der Kinder- und Jugendhilfestatistik sowie weitere amtliche Statistiken. Der Personalschlüssel in der Studie beschreibt nicht die reale Anzahl der Kinder pro Erzieher sondern die Relation zwischen den offiziellen Betreuungszeiten aller Kinder und der offiziellen Arbeitszeit der Fachkräfte. Stichtag für die Datenerhebung war der 1. März 2016.

Opposition hält Verbesserungen für unzureichend

Trotz der Verbesserungen sei Hamburg nach wie vor weit von "pädagogisch sinnvollen Werten" entfernt, kritisierte der Hamburger Landeselternausschuss Kindertagesbetreuung. CDU-Politiker kritisierten die Verbesserungen als unzureichend. Aus Sicht der FDP-Opposition ist die tatsächliche Lage an Hamburgs Kitas oft noch schlimmer als in den Betreuungsschlüsseln errechnet. "Reale Einflussfaktoren beim Personalmanagement wie etwa Urlaub, Krankheit, Fortbildung oder mittelbare Pädagogik werden dabei von Rot-Grün nicht beachtet", erklärte der kinder- und jugendpolitische Sprecher Daniel Oetzel. Die Linken wiederum forderten eine bessere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen für Erzieher. Dann "wären viele zusätzliche Arbeitskräfte zu gewinnen und im Beruf zu halten", sagte deren Kita-Experte Mehmet Yildiz. Ein Sprecher des Senats erklärte, man werde weiter an Verbesserungen arbeiten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR//Aktuell | 28.08.2017 | 16:00 Uhr

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