Stand: 05.07.2015 17:35 Uhr

Hamburg freut sich über Weltkulturerbe-Titel

Lange hatte Hamburg sich um den Weltkulturerbe-Titel bemüht. Am Sonntag fiel in Bonn die Entscheidung zugunsten der Hansestadt. Hamburg hatte sich mit der Speicherstadt und dem nahe gelegenen Kontorhausviertel samt Chilehaus beim Welterbekomitee der UNESCO beworben. Es ist das erste Weltkulturerbe für die Hansestadt und die 40. Stätte in Deutschland. Zuvor hatte Hamburg nur ein UNESCO-Weltnaturerbe zu bieten. Der Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer trägt diesen Titel seit 2011.

Blick auf die Hamburger Speicherstadt am Abend.

Welterbe-Titel für Speicherstadt und Kontorhäuser

Hamburg Journal -

Auszeichnung für Hamburg: Die Speicherstadt, das Kontorhausviertel samt Chilehaus haben es auf die UNESCO-Liste des kulturellen Welterbes der Menschheit geschafft.

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"Bedeutsam für die Menschheits-Geschichte"

Das Komitee befand, dass es sich bei Speicherstadt und Kontorhausviertel um "ein hervorragendes Beispiel" von Gebäuden und Ensembles handele, "die einen oder mehrere bedeutsame Abschnitte der Menschheits-Geschichte versinnbildlichen". Es betonte den außergewöhnlichen universellen Wert der beiden monofunktionalen, aber sich ergänzenden Gebiete.

Große Freude bei Bürgermeister Scholz

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) bezeichnete die Ernennung als große Ehre. "Ich freue mich außerordentlich über diesen Erfolg. Wir Hamburger dürfen stolz sein auf unsere neue Welterbestätte", sagte Scholz. Es sei gelungen, das weltweit höchste Fachgremium von der nationalen wie auch internationalen Sonderstellung von Speicherstadt und Kontorhausviertel zu überzeugen. "Wir nehmen nun gern die Verantwortung für den Schutz und die Vermittlung dieses Erbes wahr", erklärte der Bürgermeister.

"Der Titel bietet große Chancen, Hamburg auch kulturell international noch bekannter zu machen", sagte Kultursenatorin Barbara Kisseler (parteilos). "Das UNESCO-Siegel als einzige international anerkannte Kulturmarke bietet Orientierung bei der Auswahl eines Städtereiseziels", sagt Dietrich von Albedyll, Leiter der Hamburg Tourismus GmbH. Insbesondere auf Menschen aus dem skandinavischen Raum, den USA, England oder China übten historische Altstätten und architektonische Raritäten eine hohe Anziehungskraft aus.

Weltweit einmaliges Ensemble

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Backsteingotik der Gründerzeit mit schönen Giebeln, Erkern und Türmen prägt die Speicherstadt.

Die Hamburger Speicherstadt ist das größte zusammenhängende und einheitlich geprägte Lagerhausensemble der Welt. Sie wurde von 1885 bis 1927 unter der Leitung von Franz Andreas Meyer in drei Bauabschnitten errichtet. Backsteinfassaden im neogotischen Stil mit Erkern und Schmuckgiebeln prägen die Bauten, die jeweils mit der Rückseite zum Wasser liegen. Im Zweiten Weltkrieg erheblich beschädigt, wurde der Komplex in der Nachkriegszeit nach historischem Vorbild wieder aufgebaut und bildet so noch heute eine Einheit. Während früher ausschließlich Waren wie Kaffee, Gewürze oder Tabak in den Speichern lagerten, befinden sich dort nun viele Büros, Restaurants und Museen.

Impressionen aus der Speicherstadt

Büroviertel in Backstein-Expressionismus

Das Kontorhausviertel, das sich rund um den Burchardplatz erstreckt, entstand in den 1920er- und 1930er-Jahren und gilt als erstes reines Büroviertel auf dem europäischen Kontinent. Es besteht aus mehreren großen Gebäudekomplexen mit Klinkerfassaden im expressionistischen und sachlichen Stil. Den Kern des Viertels bilden der Meßberg-, Mohlen- und Sprinkenhof sowie das markante Chilehaus. Das von Fritz Höger geschaffene Gebäude ist eines der wichtigsten Bauwerke des Backstein-Expressionismus. Das bis zu zehn Stockwerke aufragende Kontorhaus wurde zwischen 1922 und 1924 im Auftrag des Hamburger Kaufmanns Henry Brarens Sloman errichtet. Er war durch den Salpeterhandel in Chile reich geworden - daher kommt auch der Name des Gebäudes.

Große Aufwertung

Der Welterbe-Titel für Speicherstadt und Kontorhausviertel ist eine große städtebauliche Aufwertung. Die Auszeichnung wird dem bereits boomenden Tourismus in der Hansestadt voraussichtlich weiteren Auftrieb geben und die Stadt international bekannter machen.

Bemühungen schon seit 1999

Schon 1999 war das Chilehaus auf die Vorschlagsliste für Nominierungen Deutschlands zur Aufnahme auf die UNESCO-Liste des Kultur- und Naturerbes der Welt gesetzt worden. 2007 wurde die Bewerbung um Speicherstadt und Kontorhausviertel erweitert, Anfang 2014 wurden die Antragsunterlagen schließlich in Paris eingereicht.

Wikingerstätten mit Haithabu und Danewerk gescheitert

Aus Deutschland war auch der Naumburger Dom nominiert. Er schaffte es nicht in die Welterbeliste, bekommt aber eine zweite Chance. Die Naumburger können ihren Antrag überarbeiten und neu einreichen, wie die UNESCO beschloss.

Außerdem waren die Wikingerstadt Haithabu und die Verteidigungsanlage Danewerk in Schleswig-Holstein Teil der länderübergreifenden Bewerbung "Wikingerstätten in Nordeuropa". Die Sammelbewerbung schaffte es ebenfalls nicht im ersten Anlauf auf die Welterbeliste. Das Komitee forderte am Sonnabend wesentliche Nachbesserungen. Das Konzept sei zu vage für ein so ehrgeiziges Projekt.

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