Stand: 22.09.2017 13:32 Uhr

Hamburg bekommt eine Stimme weniger in Berlin

Die Sache klingt absurd: Hamburg wächst und hat bei der Bundestagswahl am Sonntag über 10.000 Wahlberechtigte mehr als vor vier Jahren. Dennoch stehen der Hansestadt nach Informationen von NDR 90,3 nur noch zwölf statt bisher 13 Abgeordnete im Bundestag zu.

Der umstrittene Zensus als Grundlage

Der Grund ist die Bezugsgröße: Der Bundeswahlleiter geht von einer Hamburger Bevölkerung von nur 1,5 Millionen Menschen aus und legt dabei den Zensus 2011 zugrunde - gegen den Hamburg vor dem Bundesverfassungsgericht klagt, weil darin die Hamburger Bevölkerungszahl erheblich nach unten korrigiert worden war. Der Senat hält die darin errechnete Einwohnerzahl schlicht für falsch. Der Zensus hat die Stadt bereits Millionen Euro beim Länderfinanzausgleich gekostet. Und jetzt bekommt Hamburg deshalb einen Sitz weniger im Bundestag.

Kandidaten auf den Landeslisten müssen noch mehr bangen

Nach der Rechnung des Bundeswahlleiters verpasst Hamburg den 13. Sitz ganz knapp. Die Hamburger Bundestagskandidaten hatten fest damit gerechnet, dass neben den sechs direkt gewählten Kandidaten aus den Wahlkreisen wieder sieben Politiker über die Landeslisten nach Berlin kommen würden.

Der nun fehlende Sitz ist aber nicht der einzige Grund, warum vor allem SPD- und CDU-Kandidaten um ihren Einzug in den Bundestag zittern dürften. Im Unterschied zu 2013, als nur Grüne und Linke ins Parlament einzogen, haben diesmal mit FDP und AfD gleich vier kleinere Parteien eine Chance auf mindestens einen Abgeordneten. Rechnerisch hieße das: Für SPD und CDU blieben acht von zwölf Sitzen.

Es kommt noch mehr auf die Direktmandate an

Es kommt also mehr denn je darauf an, wer die Direktmandate in den sechs Wahlkreisen holt. Für die Listenkandidaten wird es jedoch knapp: Unter Umständen könnte die Liste gar nicht ziehen, zum Beispiel wenn eine Partei alle ihre nach dem Zweitstimmenergebnis zustehenden Plätze über die Direktkandidaten holt. Denkbar ist also, dass selbst Spitzenkandidaten wie Aydan Özoguz von der SPD nicht im Bundestag landen, wenn sie ihre Wahlkreise nicht direkt gewinnen.

Zittern muss aber vor allem, wer nicht ganz vorn auf der Liste steht. Darunter sind viele derzeitige Bundestagsabgeordnete. 13 Politiker sitzen bisher für Hamburg in Berlin - für die SPD fünf direkt gewählte Abgeordnete, die CDU holte ein Direktmandat, die anderen vier Politiker schafften über die Landesliste den Sprung nach Berlin. Die Grünen stellen zwei Abgeordnete, die Linken einen.

Bisher: 13 Hamburger Abgeordnete im Bundestag

SPD:

  • Johannes Kahrs (Hamburg-Mitte)
  • Matthias Bartke (Altona)
  • Niels Annen (Eimsbüttel)
  • Aydan Özoguz (Wandsbek)
  • Metin Hakverdi (Bergedorf-Harburg)
CDU:
  • Dirk Fischer (über Direktmandat im Wahlkreis Hamburg-Nord)
  • Marcus Weinberg
  • Rüdiger Kruse
  • Herlind Gundelach
  • Jürgen Klimke
Die Grünen:
Linke:
  • Jan van Aken

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 22.09.2017 | 13:00 Uhr

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