Stand: 04.06.2015 15:33 Uhr

Hamburg Wasser warnt vor TTIP

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Wegen des warmen Sommers verbrauchetn die Hamburger im vergangenen Jahr wieder etwas mehr Wasser.

Das städtische Versorgungsunternehmen Hamburg Wasser bangt wegen des geplanten Freihandelsabkommens TTIP um die Trinkwasserqualität für seine rund zwei Millionen Kunden. "Die Wasserversorgung muss absoluten Vorrang haben", sagte Geschäftsführer Michael Beckereit am Donnerstag. Umweltstandards dürften nicht aufgeweicht werden. Beim geplanten Freihandelsabkommen mit den USA befürchtet der Versorger beim Einsatz von Pestiziden im Obstanbau eine Angleichung von Grenzwerten zum Nachteil Europas.

US-Grenzwerte weniger streng

Captan ist zum Beispiel ein häufig verwendetes Pflanzenschutzmittel, das Obst vor Pilzbefall schützt. In der EU darf jedes Kilogramm Äpfel oder Erdbeeren höchstens drei Milligramm dieser Chemikalie aufweisen. In den USA sind die Grenzwerte nicht so streng. Das sei nicht nur ein Risiko bei der Gewinnung von Trinkwasser, so Beckereit. "Wenn in den USA die fünffachen oder zehnfachen Werte an Pflanzenschutzmittel zugelassen sind, finden wir die in den Früchten wieder. Und ich möchte gerne bei den niedrigen Werten in Europa bleiben."

Bedenken auch wegen Fracking

Auch die Folgen des möglichen Frackings betrachtet Hamburg Wasser mit Sorgen. Dabei werden zur Gasgewinnung Chemikalien unter hohem Druck ins Erdreich gepresst. Auch dies könne die Trinkwasserqualität gefährden, so die Befürchtung.

Wasserverbrauch 2014 etwas gestiegen

Der warme Sommer führte im vergangenen Jahr dazu, dass die Hamburger 2014 etwas mehr Wasser verbraucht haben als im Jahr zuvor. Sollte sich das in diesem Jahr wiederholen, will Hamburg Wasser seine Preise vorerst stabil halten. Sollte sich der Umsatz jedoch verringern, schließt Beckereit nicht aus, dass die Wassergebühren steigen. Denkbar wäre dann ein Preisanstieg von durchschnittlich 1,50 Euro pro Haushalt und Jahr.

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Warum mehr Transatlantik-Handel?

Wem würde das geplanten Freihandelsabkommen von EU und USA Vorteile bringen? Welche Kritik gibt es? Fragen und Antworten bei tagesschau.de. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 04.06.2015 | 13:00 Uhr