Stand: 28.12.2015 12:21 Uhr

Tayler: Zeitpunkt der Tat ist weiter unklar

Nach dem gewaltsamen Tod des kleinen Tayler aus Hamburg gibt es noch keine Erkenntnisse zum genauen Zeitpunkt der Tat. Bis erste konkrete Ermittlungsergebnisse vorliegen, könnten noch Wochen und Monate vergehen. Das sagte eine Sprecherin der Hamburger Staatsanwaltschaft am Montag. Der Zeitpunkt der Verletzungen ist für die weiteren Ermittlungen sehr wichtig, um daraus ableiten zu können, wer mit dem Jungen zusammen war. Derzeit beschuldigen sich die Mutter und ihr Freund offenbar gegenseitig, Tayler misshandelt zu haben.

Gedenken an Taylor.

Obduktion: Tayler starb an schweren Hirnschäden

Hamburg Journal -

Der kleine Tayler aus Hamburg ist infolge schwerer Hirnschäden gestorben, das geht aus dem Obduktionsbericht hervor. Gegen die Mutter und ihren Lebensgefährten wird ermittelt.

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Tayler wurde wohl zu Tode geschüttelt

Der zwölf Monate alte Tayler war zu Tode geschüttelt worden. Diesen Verdacht hatten die Rechtsmediziner nach der Obduktion seiner Leiche bestätigt, wie NDR 90,3 berichtet hatte. "Es besteht der hochgradige Verdacht auf ein sogenanntes Schütteltrauma", sagte Oberstaatsanwalt Carsten Rinio. Tayler war am 12. Dezember ins Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) gebracht worden und dort sieben Tage später infolge schwerster Hirnschäden gestorben. Gegen die 22-jährige Mutter und ihren 26 Jahre alten Freund, der nicht der Vater des Jungen ist, wird wegen eines Tötungsdelikts ermittelt.

Beide wurden nach der Einlieferung des Jungen ins Krankenhaus vorläufig festgenommen und verhört. Sie sind aber wieder auf freiem Fuß und der 26-Jährige ist derzeit auf einer Urlaubsreise in Spanien. "Die Voraussetzungen für einen Haftbefehl liegen weiterhin nicht vor", erklärte Rinio. Erforderlich sind sowohl ein dringender Tatverdacht als auch Haftgründe wie Flucht- oder Verdunkelungsgefahr.

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Sozialsenatorin Leonhard kündigte eine umfangreiche Prüfung des Falles an.
Jugendhilfeinspektion eingeschaltet

Neben der Staatsanwaltschaft ermittelt auch die Jugendhilfeinspektion. Sie soll klären, ob bei der Betreuung des Kindes durch Jugendamt und eine Familienhilfe Fehler gemacht wurden. Tayler war im August mit einem Schlüsselbeinbruch ins Krankenhaus gebracht und danach in einer Pflegefamilie untergebracht worden. Im Oktober wurde er wieder an seine Mutter zurückgegeben und von einer Sozialpädagogin des Rauhen Hauses betreut. Die Betreuerin war noch einen Tag bevor Tayler ins Krankenhaus gebracht wurde bei der Familie und hatte einige blaue Flecken bei dem Jungen bemerkt. Sie schrieb das aber seiner "wachsenden Mobilität" zu. Das Kind habe Stehen und Laufen geübt und sei dabei immer wieder umgefallen. Hinweise auf Misshandlung in der Familie habe es keine gegeben.

Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) sagte, es gebe klare Anweisungen für die Mitarbeiter der Kinder- und Jugendhilfe. Werden Verletzungen festgestellt, müsse das Kind beim Kinderkompetenzzentrum des UKE vorgestellt werden. Das sei jederzeit erreichbar. "Restriktiver geht es eigentlich nicht mehr", sagte Leonhard.

Mehr Unterstützung gefordert

Auch der Präsident des Kinderschutzbundes Deutschlands (KSB), Heinz Hilgers, wandte sich gegen schärfere Gesetze und forderte stattdessen mehr Unterstützung für Krisenfamilien. Der Staat müsse bereits schützend tätig werden, lange bevor es zu solchen Tragödien komme. Da die Städte jedoch viel Geld für die Intervention im Krisenfall ausgeben müssten, bleibe kein Raum für Präventionsarbeit. "Daher fordere ich einen Rechtsanspruch auf frühe Hilfen, sowohl im Gesundheitswesen als auch in der Jugendhilfe", sagte Hilgers.

Ende Oktober war die Jugendhilfeinspektion in einem Prüfbericht zu dem Ergebnis gekommen, dass die Hamburger Jugendämter eine Mitverantwortung am gewaltsamen Tod der dreijährigen Yagmur tragen. Die CDU sieht im aktuellen Fall Parallelen zu Yagmur und zweifelt daran, dass man aus den Fehlern etwas gelernt habe. Auf Antrag der CDU will der Familienausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft am 6. Januar über den Fall Tayler debattieren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 23.12.2015 | 13:00 Uhr