Stand: 31.03.2016 15:00 Uhr

Schicksalstag für den City-Hof

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Der denkmalgeschützte City-Hof in Hamburg könnte saniert werden, aber die SPD sieht in einem Neubau eine große städtebauliche Chance.

Die Hamburgische Bürgerschaft hat es in der Hand: Heute steht der umstrittene Verkauf des City-Hofs am Hauptbahnhof auf der Tagesordnung. Der rot-grüne Senat will das Gelände in attraktiver Innenstadt-Lage an das Hamburger Bauunternehmen Aug. Prien für 35,2 Millionen Euro verkaufen. Die Zustimmung der Bürgerschaft mit ihrer rot-grünen Mehrheit gilt als sicher. Denn auch die Grünen-Fraktion wird nach Informationen von NDR.de für den Verkauf der "vier traurigen 50er-Jahre Klötze" (Zitat der Grünen) stimmen - obwohl sie in der Vergangenheit das Vorgehen der zuständigen Behörden mehrfach kritisiert hat. Die gesamte Opposition aus CDU, Linken, FDP und AfD wird voraussichtlich mit Nein stimmen oder sich enthalten.

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SPD hält am Abriss-Plan fest

Die SPD lassen die anhaltenden Proteste, die Appelle von Denkmalschutz-Verbänden und offene Briefe an den Ersten Bürgermeister Olaf Scholz seit mehr als einem Jahr kalt. Die Sozialdemokraten halten an ihren Plänen fest. Sie machen keinen Hehl daraus, dass sie in einem Abriss des City-Hofs eine große städtebauliche Chance sehen. Die SPD will "dem Stadtgrundriss der Innenstadt an dieser wichtigen Stelle mehr Prägnanz und Identität verleihen". So wie Oberbaudirektor Jörn Walter, dem eine "Reparatur" des Stadtbildes vorschwebt. Den City-Hof hält er für missraten.

Bürgerschaft: Sachverständige forderten neues Verfahren

Dass der rot-grüne Senat bei dem geplanten Verkauf des Filetgrundstücks die Bürgerschaft mit ins Boot holt, war nicht notwendig. Aber aufgrund der massiven Kritik erschien es den Beteiligten ratsam - zumal es politisch ungefährlich ist. Denn die Mehrheit in der Bürgerschaft steht ja, so das Kalkül. Und so kümmerte es die SPD auch nicht, dass sich Anfang März im Stadtentwicklungsausschuss alle sechs eingeladenen Sachverständigen für ein neues Bieter-Verfahren aussprachen - auch wenn sie sich beim Denkmalwert des City-Hofs nicht einig waren. Bezeichnend ist auch, dass der Senat bei der abschließenden Sitzung in der vergangenen Woche zwar zwei Anwälte mitbrachte, die vor den Fraktionen bezeugen sollten, dass das Bieter-Verfahren juristisch korrekt abgelaufen sei. Aber ein Vertreter des Denkmalschutzamtes saß nicht mit am Tisch. Die Opposition bezeichnete dies als Skandal.

Grüne: Abriss rechtlich möglich

Die Grünen wollen offenbar keinen Koalitionsstreit wegen des City-Hofs riskieren. "Es ist rechtlich durchaus möglich, auch ein denkmalgeschütztes Gebäude abzureißen", sagte am Mittwoch der Pressesprecher der Grünen-Fraktion, Dennis Heinert, im Gespräch mit NDR.de. Das Argument, dass eine Sanierung wirtschaftlich nicht zumutbar sei, greife zwar beim City-Hof nicht. Aber man könne stattdessen auf ein übergeordnetes Interesse für die Öffentlichkeit abzielen, um den Abriss zu ermöglichen. Wichtig sei den Grünen, dass "eine Bebauung des City-Hof-Areals mit den Anforderungen des benachbarten Weltkulturerbes konform geht". Eine entsprechende Formulierung ergänze den Antrag des Senats, über den die Bürgerschaft abstimmt. Das Kontorhausviertel mit dem Chilehaus ist im Sommer 2015 in die Liste der UNESCO-Welterbestätten aufgenommen worden.

Sanierungsplan ausgeschlossen

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So könnte der City-Hof nach der Sanierung aussehen - nach den Plänen des Hamburger Architekten Volkwin Marg.

Das Bauunternehmen Aug. Prien ging Ende 2015 als Sieger aus dem Bieter-Verfahren für den City-Hof hervor - nachdem mit dem Baukonzern Hochtief der einzige verbliebende Investor, der auf einen Erhalt des City-Hofs setzt, in letzter Minute aus formalen Gründen ausgeschlossen worden war. Hochtief wollte die vier Hochhäuser sanieren und neben einem Hotel auch 310 Wohnungen schaffen - auf Grundlage eines Konzepts des renommierten Architekten Volkwin Marg. Das Gebot lag mit der höchsten Gesamtpunktzahl auf Platz eins in dem Verfahren - dann kam der Ausschluss. Als Kaufpreis für das Grundstück wollte Hochtief knapp 32 Millionen Euro zahlen.

Bauer-Verlag will in Neubau ziehen

Der am Ende siegreiche Investor plant etwas Anderes: Wo jetzt die Nachkriegsbauten stehen, soll ein Neubau hin. Vorgesehen sind ein Hotel, Wohnungen, eine Markthalle, eine Kita für 60 bis 80 Kinder und viele Büros. Als Hauptmieter ist offenbar der Bauer-Verlag vorgesehen. "Das Unternehmen beabsichtigt, seine auf mehrere Standorte in Hamburg verteilten Einheiten zusammenzuführen und am Klosterwall den Hauptstandort der gesamten Gruppe einzurichten", schreibt der Senat.

Architekten-Wettbewerb geplant

Unklar ist bislang, wie der Neubau aussehen soll. Der Investor ist verpflichtet, noch in diesem Jahr einen Hochbau-Wettbewerb mit fünfzehn Architekturbüros - jeweils fünf lokale, nationale und internationale Büros - zu starten. Eine Jury kürt ein halbes Jahr später den Sieger-Entwurf. Die Bürgerschaft und die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte sollen jeweils drei Mitglieder für das Preisgericht benennen. Besonderes Augenmerk werde der Wettbewerb auf "die sensible städtebauliche Einbindung des Weltkulturerbes 'Speicherstadt und Kontorhausviertel mit Chilehaus' legen", verspricht der Senat.

Der City-Hof

Der City-Hof ist einer der markantesten Nachkriegsbauten in Hamburg. Die vier Türme, auch City-Hochhäuser genannt, wurden von 1956 bis 1958 erbaut. Die Pläne stammen von dem Hamburger Architekten Rudolf Klophaus (1885-1957). Der City-Hof galt bei seiner Fertigstellung als moderner Bau: Es waren die ersten Hochhäuser in der Innenstadt nach 1945. Sie stehen seit 2013 unter Denkmalschutz. Der Stadt gehört das Grundstück seit 2006.

Abriss-Genehmigung liegt noch nicht vor

Mit der Entscheidung der Bürgerschaft für den Verkauf an das Bauunternehmen Aug. Prien ist noch kein Abriss-Genehmigung erteilt. Diese muss der Investor noch bei der zuständigen Behörde beantragen. Aber der Senat hatte schon bei der Ausschreibung signalisiert, dass mit der Abriss-Genehmigung zu rechnen ist.

"Es fließt noch viel Wasser die Elbe runter"

Noch sei der Abriss nicht besiegelt, meinen die Grünen. "Wenn am Ende des Verfahrens der Investor alle Bedingungen erfüllt, der Bebauungsplan im Bezirk Mitte beschlossen wurde, dann die Denkmalbehörde den Abriss genehmigt und der von einer Fachjury ausgewählte Siegerentwurf des Neubaus auf Wohlwollen der UNESCO stößt, erst dann kommt es zu einem Abriss", meint Olaf Duge, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion. "Bis dahin fließt noch viel Wasser die Elbe runter."

Zurzeit ist das Bezirksamt Hamburg-Mitte Hauptmieter in den Hochhäusern. Der Auszug ist nach aktuellen Planungen für Ende 2017 geplant. Dann erst könnte der Abriss erfolgen. Das Unternehmen Aug. Prien rechnet mit einer Bauzeit von rund drei Jahren.

Abriss-Gegner hoffen weiter

Die Abriss-Gegner von der Initiative City-Hof hoffen unterdessen weiter. "Auch wenn die Bürgerschaft jetzt im Sinne des Senats entscheidet, geben wir uns noch nicht geschlagen", sagt Initiativen-Gründer Marco Alexander Hosemann. Schließlich müsse der Investor ja noch die Abriss-Genehmigung beantragen. "Und dies zu begründen, dürfte schwierig werden", meint Hosemann. Er gehe auch nicht davon aus, dass der geplante Architekten-Wettbewerb ein befriedigendes Ergebnis bringen wird. Und dann werde es für den Oberbaudirektor und den Senat schwierig, der Öffentlichkeit den Abriss des Denkmal-Ensembles schmackhaft zu machen, so Hosemann. Zudem setzt die Initiative City-Hof darauf, dass die UNESCO weiter Druck auf die Stadt ausübt - und die Neubau-Pläne womöglich auf diesem Weg noch vereitelt werden.

Ein Rundgang durch die City-Hochhäuser

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03:37 min

Schlechtes Image: Hamburger Nachkriegsarchitektur

26.10.2014 19:30 Uhr
Hamburg Journal

Als die City-Hochhäuser 1958 eingeweiht wurden, galten sie als Vorboten der Moderne. Heute sehen viele Hamburger das Ensemble als Schandfleck- so wie andere Nachkriegsbauten. Video (03:37 min)