Stand: 19.05.2017 16:55 Uhr

Haftstrafe nach Überfall mit Plastiktüte

Nach einem brutalen Überfall in der Nähe des U-Bahnhofs Farmsen ist ein 34-jähriger Mann zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Urteil gab am Freitag das Landgericht Hamburg bekannt. Mit deutlichen Worten begründete die Richterin die Entscheidung der Kammer: "Sie wollten die Frau quälen." Mit der Strafe ging die Kammer um einen Monat über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus.

Das Landgericht Hamburg. © NDR Fotograf: Wolf-Hendrik Müllenberg

Überfall mit Plastiktüte: Gericht spricht Urteil

NDR 90,3 - NDR 90,3 Aktuell -

Zu dreieinhalb Jahren Haft hat das Hamburger Landgericht einen 34-jährigen Mann verurteilt. Er hatte eine Frau in Farmsen niedergeschlagen und versucht, sie zu ersticken.

0 bei 0 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Bizarres Katz-und-Maus-Spiel

Nach Überzeugung des Gerichts hatte der Angeklagte im November 2016 nach einem Streit mit seiner Verlobten beschlossen, eine andere Frau zu überfallen und zu quälen. Er nahm sich von zu Hause Latexhandschuhe und eine Plastiktüte mit. Als er die damals 37-jährige Frau gegen 22 Uhr am U-Bahnhof sah, verfolgte er sie zunächst für einige Minuten. Dann versuchte der Rettungsassistent, ihr die Plastiktüte über den Kopf zu ziehen. Als sie sich wehrte und ihn beschimpfte, schlug er ihr mehrmals ins Gesicht. Anschließend flüsterte er in ihr Ohr, sie solle fliehen. Sie lief weg, doch nach wenigen Schritten hatte er sie erneut eingeholt. Dabei verlor sie ihre Handtasche, in der sich ein großer Kerzenständer befand. Mit der Tasche schlug der Täter sie nochmals ins Gesicht.

Erst als der Mann erneut von ihr abließ, schaffte es das Opfer, auf einen Parkplatz zu flüchten. Dort kam ihr ein Zeuge zu Hilfe und bemerkte den Täter, der offenbar ein weiteres Mal angreifen wollte. Die alarmierte Polizei konnte den Angreifer schließlich in einem Gebüsch festnehmen.

Gericht: "Wir halten Sie für sehr gefährlich"

Im Prozess hatte der Angeklagte behauptet, er habe sein Opfer ausrauben wollen. Das sei aber eine Schutzbehauptung, so die Richterin: "Sie wollten der Frau Schmerzen zufügen, sie quälen und in Todesangst versetzen." Sie riet dem Täter, im Gefängnis eine Therapie zu machen und fügte hinzu: "Wir halten Sie für sehr gefährlich." Mit dem Urteil sei er noch glimplich davon gekommen. Sollte er weitere Straftaten begehen, drohe ihm Sicherheitsverwahrung.

Der Mann ist bereits vorbestraft, unter anderem wegen sexueller Nötigung eines zehnjährigen Mädchens. Nach der neuen Tat fanden die Ermittler auf seinem Computer ein kinderpornografisches Bild. Deswegen verurteilte ihn das Landgericht zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen, die aber mit einem Monat Haft in die Gesamtstrafe einbezogen wurden.

Weitere Informationen

Brutaler Überfall mit Plastiktüte: Prozess

Vor dem Hamburger Landgericht ist ein 33-Jähriger angeklagt, der eine Frau niedergeschlagen und fast erstickt haben soll. Ein Raubversuch? Das Gericht bezweifelt die Angaben des Mannes. (27.04.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 19.05.2017 | 17:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

02:37 min

Diabetes-Kongress: Der Kampf beginnt im Kopf

27.05.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal
02:55 min

Aus Syrien geflohen, im Kleingarten gelandet

27.05.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal
00:28 min

Aktivisten sammeln Vorschläge für City-Hochhäuser

27.05.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal