Stand: 15.01.2016 09:54 Uhr

Saft aus Fallobst: Im Kern eine gute Sache

von Lena-Maria Reers, NDR Info Wirtschaftsredaktion
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Obst, das andere nicht mehr brauchen, verarbeitet die GmbH zu verschiedenen Mischsäften.

Den meisten Unternehmern geht es darum, ihre Gewinne zu maximieren, um selber gut davon leben zu können. Ganz anders denken soziale Unternehmer - zum Beispiel die Hamburger Firma "Das Geld hängt an den Bäumen". Ihr Hauptziel ist es, Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung zu schaffen.

Naturtrüber Apfelsaft ist das Kernprodukt der kleinen GmbH, die vor gut fünf Jahren gegründet wurde. Sie produziert 100 Prozent natürlichen Saft aus Obst, das andere Menschen nicht mehr brauchen, sagt Geschäftsführerin Svenja Weber: "Die Äpfel werden von Privatleuten gespendet oder kommen von Ausgleichsflächen der Stadt Hamburg."

Neun festangestellte Mitarbeiter

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Simon Riedel (l.) und Samuel Wolter, zwei der insgesamt neun festangestellten Mitarbeiter, an der Etikettiermaschine.

Zum Abernten der Bäume schickt die Firma ihre eigenen Leute. Neun festangestellte Mitarbeiter hat sie mittlerweile. 80 Prozent von ihnen haben eine Einschränkung oder Behinderung. Einer der Beschäftigten ist Samuel Wolter, der immer gerne bei der Ernte dabei ist. Manchmal, so erklärt er, kooperiert die Firma dabei auch mit Behindertenwerkstätten und sozialen Trägern: "Das sind Leute, die im Leben Probleme haben, wie zum Beispiel mit Spielsucht oder Drogenabhängigkeit. Wenn es viel zu tun gibt, holen wir sie als Unterstützung dazu." Zusammen mit seinem Kollegen Simon Riedel klebt er an der halbautomatischen Etikettiermaschine Aufkleber mit dem Markennamen "Nachbars Garten" auf die Flaschen: "Bei den großen Flaschen schaffen wir schon mal zwei bis drei Paletten am Tag, bei den kleinen Flaschen etwa eine", sagt Simon.

GmbH hat "prominente" Kunden

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Die Äpfel, für die niemand Verwendung hat und die sonst ungenutzt verfaulen würden, werden von den Mitarbeitern geerntet.

Wolter und Riedel sind Vollzeitbeschäftigte der GmbH, erklärt Firmengründer Jan Schierhorn: "Da einige nicht ganz so schnell arbeiten können wie andere, gibt es von der Behörde Minderleistungszusätze. Also einen Teil des Gehalts zahlt die Behörde, den anderen zahlen wir." Das liegt dann bei etwa 2.500 Euro brutto. Schierhorn selbst arbeitet ehrenamtlich, die Geschäftsführerin Weber lässt sich eine halbe Stelle bezahlen. Zu den Kunden von "Das Geld hängt an den Bäumen" gehören neben dem Hamburger Rathaus auch Google, Tui Cruises, mehrere Restaurants und ein Delikatessenladen, sagt Weber: "Das oberste Ziel ist es zu wachsen und weitere Arbeitsplätze zu schaffen. Zwei sind auf jeden Fall schon geplant. Aber ich denke, wir schaffen bis zu fünf in diesem Jahr."

Erlös fließt komplett zurück ins Projekt

Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei etwa 200.000 Euro. Geld, das komplett zurück ins Projekt fließt. Im kommenden Jahr soll damit die Produktpalette um Marmelade, Chutneys und einen Apfel-Secco erweitert werden. Weber wünscht sich aber auch, eine Ausbildungsstelle zu schaffen: "Wir haben die Qualifizierung und würden die Ausbildung gerne in 2016 starten." Denkbar wäre eine kaufmännische Ausbildung im Büro- oder Veranstaltungsbereich für einen Menschen mit Behinderung.

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NDR Info | 15.01.2016 | 10:41 Uhr