Stand: 04.02.2016 08:11 Uhr

Gravierende Missstände in Hamburger Psychiatrien

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Gravierende Missstände: Ein offizieller Bericht hat Probleme in Hamburger Psychiatrien offengelegt. (Symbolbild)

Ein offizieller Bericht der Aufsichtskommission über die Zustände in psychiatrischen Abteilungen in Hamburger Kliniken und Pflegeheimen hat teilweise gravierende Missstände in den Einrichtungen aufgedeckt. Wie NDR 90,3 berichtete, zählt der Bericht zahlreiche Beispiele auf, in denen Menschen in geschlossenen Stationen falsch behandelt werden.

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Offizieller Bericht der Aufsichtskommission

Bericht der Aufsichtskommission über Hilfen und Schutzmaßnahmen bei psychischen Krankheiten in Hamburg. extern

Einige alte, demente Menschen werden demnach isoliert und abgeschirmt, weil sie multiresistente Keime haben. Alkoholiker kämen teilweise zum sogenannten "Trockenlegen" auf die geschlossene Station eines Pflegeheimes und erhielten keine richtige Therapie, so der Bericht. Auch beklagen die Autoren Berichte über psychisch kranke Obdachlose, die im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) behandelt werden, obwohl dort kein Platz für sie sei. Das sei möglicherweise eine neue Strategie, um Kosten zu senken, so die Kommission in ihrem Bericht.

Bericht war bereits 2014 fertig

Pikant am Zeitpunkt des Bekanntwerdens: Der Bericht war bereits im Herbst 2014 fertig. Wie NDR 90,3 berichtete, brauchte der Senat 15 Monate, um den benannten Fällen nachzugehen. Veröffentlicht wurde der Bericht im Internet schließlich erst zwei Tage vor Weihnachten 2015.

"Völlig inakzeptabel"

Der Bericht über die Zustände in der Psychiatrie sorgt für Unruhe in der Politik. FDP-Gesundheitspolitiker Wieland Schinnenburg sagte: "Wenn die Aufsichtskommission im September 2014 einen Bericht erstellt mit sehr schwerwiegenden Mängeln, kann es nicht sein, dass der Senat die Bürgerschaft erst 15 Monate später informiert. Das ist völig inakzeptabel." Als Konsequenz aus dem Bericht fordert die CDU zusätzliche Kapazitäten in der Psychiatrie. Die Linke kritisierte, dass offenbar auf Kosten von psychisch Kranken gespart wird. Die Gesundheitsbehörde lobte ausdrücklich die Arbeit der Aufsichtskommission. Ihre Anregungen seien sachlich und konstruktiv und würden von der Behörde geprüft.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 04.02.2016 | 08:00 Uhr