Stand: 11.09.2015 17:25 Uhr

Goldener Pavillon für Hamburgs Mauerblümchen

Der Hamburger Stadtteil Rothenburgsort nahe den Elbbrücken führt bislang ein Mauerblümchen-Dasein. Viele Ecken gelten als trist und leblos. Die meisten Straßenzüge wurden im Zweiten Weltkrieg zerbombt. Besucher-Attraktionen gibt es keine. Bis jetzt. Nun ist zumindest ein Ort auf dem besten Wege, Neugierige aus anderen Stadtteilen anzulocken: Am Entenwerder Park ist am Freitag ein Ponton mit Café, Segelschule und Goldenem Pavillon offiziell eröffnet worden. "Künftig wird niemand sagen können, er kenne Hamburg, wenn er nicht hier war", sagte der Leiter des Bezirksamts Hamburg-Mitte, Andy Grote (SPD). Es sei ein einzigartiger Ort entstanden, der eine hohe Anziehungskraft habe und "Freiheit atmet". Das Projekt sei ein erster Schritt, um die Lebensqualität im Hamburger Osten zu steigern, meint Grote.

Ein spektakulärer Ort am Entenwerder Park

Acht Jahre lang warten

Initiator des Projektes ist Thomas Friese, Gründer des Hamburger Mode-Unternehmens Thomas i-Punkt. Er verliebte sich vor etwa zehn Jahren in den rauen Charme dieses Ortes. Damals gab es auf dem Wasser einen 200 Meter langen, ehemaligen Zollanleger, wo er ein kleines Gebäude anmietete. Bald schmiedete er große Pläne für das Areal am Entenwerder Park. "Es kannte niemand die Ecke, auch wir nicht, obwohl wir ja seit Langem in diesem Stadtteil verwurzelt sind", sagt der heute 72-Jährige. Die Firmenzentrale befindet sich seit Jahrzehnten in Rothenburgsort. Vom Entenwerder Park aus habe man damals nicht einmal einen Blick auf die Norderelbe werfen können, da alles zugewachsen gewesen sei, erzählt Friese.

2007 befasste sich schließlich die Bezirksversammlung mit dem Vorhaben - aber es vergingen noch acht nervenaufreibende Jahre bis zur Verwirklichung. Erst 2014 hatte die Stadt das letzte Geld bewilligt, das nötig war. Der neue Ponton ist privatfinanziert; die Stadt sorgte für die Sanierung der historischen "Wassertreppe 51", über die Besucher zu dem Café gelangen.

Goldener Pavillon mit neuer Bestimmung

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Thomas Friese und seine Tochter Alexandra mussten sich lange gedulden, bis sich ihr Traum erfüllte.

Blickfang ist schon von Weitem der begehbare Goldene Pavillon, der aus kupfernem Lochblech besteht. Einst war der Pavillon Teil des Kunst-Events "Skulptur.Projekte" 2007 in Münster. Thomas Friese rettete den Bau - nach dem Ende der Ausstellung - vor dem Einschmelzen - und holte ihn in die Hansestadt. Der Ponton soll das ganze Jahr ein Treffpunkt sein - mit gutem Essen, Konzerten und "dies und jenem": "Es soll ein Ort sein, wo andauernd Dampf ist", meint Thomas Friese, der bei dem Projekt vor allem von seiner Tochter Alexandra unterstützt wird.

"Eine gehörige Portion positive Verrücktheit"

Der Entenwerder Park galt lange als abgeschiedener Ort fernab der Großstadt. Durch den neuen, knapp drei Kilometer langen Elbe-Radwanderweg von den Deichtorhallen zu den Elbbrücken ist Entenwerder nun besser angebunden. Und voraussichtlich 2018 kommt die neue U- und S-Bahn-Haltestelle "Elbbrücken" hinzu. "Das Projekt im Entenwerder Park zeigt, dass es nicht nur Leuchtturmprojekte an zentralen Orten in Hamburg gibt", meinte Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) am Freitag vor Ort. Es sei ein einzigartiger Ort entstanden, der den Stadtteil und ganz Hamburg schmücke. Dem Initiator Thomas Friese bescheinigte er "eine gehörige Portion positive Verrücktheit".

Segeln mit dem Weltmeister

Friese will nach eigenen Angaben mit dem Projekt kein Geld verdienen - sondern dem Stadtteil etwas Gutes tun, "etwas zurückgeben", wie er es nennt. So gibt es für die Kinder, die in Rothenburgsort wohnen, nun die Segelschule "Entenwerder Elbpiraten": Dort können sie kostenlos segeln lernen. Auch dieses Projekt kommt nicht von ungefähr. Thomas Friese war einer der erfolgreichsten deutschen Segler in den 80er- und 90er-Jahren - und mehrfacher Segel-Weltmeister.

Karte: Der Entenwerder Park an der Elbe

 

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