Stand: 31.01.2016 08:30 Uhr

"Gesundheitskarte für Flüchtlinge spart Kosten"

Bild vergrößern
Hamburgs Sozialsenatorin Leonhard ist froh, dass es die Gesundheitskarte für Flüchtlinge gibt.

Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) hat die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte für Flüchtlinge in der Hansestadt verteidigt. "Die Gefahr einer Kostenexplosion sehe ich nicht", sagte Leonhard der Deutschen Presse-Agentur. Die Stadt habe im ersten Jahr nach Einführung einen Betrag von 1,6 Millionen Euro gespart. Die Übertragung der medizinischen Versorgung auf die AOK Bremen/Bremerhaven entlaste die Sozial- und Gesundheitsämter von zahlreichen Verwaltungsvorgängen.

Im Chip ist Asylbewerberstatus gespeichert

Hamburg hatte die Gesundheitskarte für Flüchtlinge am 1. Juli 2012 eingeführt. Seitdem werden Asylbewerber nach der Ersterfassung bei der Krankenkasse angemeldet und bekommen die Karte. Damit haben sie die freie Arztwahl. Im Chip der Karte sei der Asylbewerberstatus gespeichert. "Die Ärzte kennen den Leistungskatalog für Geflüchtete und wissen, dass sie darüber hinaus nichts abrechnen können", betonte die Senatorin. Das neue Verfahren habe den Verwaltungsaufwand erheblich verringert. "Früher gab es aufseiten der Stadt eine enorme Bürokratie: Sozial- und Gesundheitsämter haben die medizinische Notwendigkeit geprüft, die Zentrale Abrechnungsstelle in unserer Behörde hat eine erneute Prüfung vorgenommen und dann die Rechnung beglichen", erklärte Leonhard. Das alles mache nun die Krankenkasse.

Die Flüchtlinge sind bei der AOK aber nicht versichert. Die Kosten der medizinischen Behandlung trägt weiter die Stadt. Sie zahlt der Kasse pro Flüchtling monatlich eine Pauschale von 150 Euro, und einmal im Jahr wird abgerechnet. Für den Verwaltungsaufwand bekommt die AOK zehn Euro extra pro Flüchtling und Monat. Die Karte kostet einmalig acht Euro. "Mit der Kostenpauschale wissen wir, wie sich die Verwaltungskosten entwickeln - angesichts des gegenwärtigen Zuzugs geflüchteter Menschen ist das einer der wenigen Bereiche, in denen wir relativ sicher staatliche Ausgaben prognostizieren können", sagte Leonhard.

Diskriminierungsfreien Zugang zur Gesundheitsversorgung

Genaue Zahlen kann ihre Behörde noch nicht nennen, eine Bilanz für 2015 kündigte ein Sprecher für Mitte dieses Jahres an. Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) hatte im vergangenen Dezember erklärt, Flüchtlinge verursachten weniger Kosten als der Durchschnitt der Patienten. 2014 seien dies in Hamburg durchschnittlich 2.400 Euro je Flüchtling und 2.900 Euro je gesetzlich Versichertem gewesen. Dass Menschen durch die unbürokratische Gesundheitsversorgung nach Deutschland gelockt werden, glaubt Leonhard nicht. "Für die Geflüchteten bedeutet die Karte einen diskriminierungsfreien Zugang zur Gesundheitsversorgung." Fälle von Missbrauch der Karte seien ihr nicht bekannt.

Weitere Informationen

Bessere medizinische Hilfe für Flüchtlinge

In allen Hamburger Erstaufnahmen gibt es jetzt Ärzte, die Flüchtlingen schnell helfen können. Dadurch werden laut Gesundheitsbehörde auch die Notaufnahmen der Krankenhäuser entlastet. (08.12.2015) mehr

Wie wir mit Flüchtlingen zusammenleben

NDR Reporter begleiten mehrere Monate lang Flüchtlinge und Norddeutsche, die mit ihnen zu tun haben. Welche Hoffnungen und Ängste haben sie? Und wie entwickelt sich das Zusammenleben? mehr

Flüchtlinge in Hamburg

Viele Flüchtlinge suchen Schutz in Hamburg. NDR.de sammelt hier Nachrichten, Reportagen und Interviews zum Thema Flüchtlinge in Hamburg. mehr