Stand: 21.09.2015 19:41 Uhr

Gespräche über Roma im Michel vertagt

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Die Roma protestieren gegen ihre geplante Abschiebung.

Die Roma-Gruppe, die derzeit im Hamburger Michel Schutz vor ihrer drohenden Abschiebung aus Deutschland sucht, kann bis auf Weiteres dort bleiben. Das teilte ein Sprecher der Gruppe am Montagabend mit. "In weiteren Gesprächen wird dann geklärt, wie es weitergehen soll", sagte Kirchensprecherin Ines Lessing. So lange würde man den rund 40 Menschen, die auf ein Bleiberecht in Deutschland hoffen, einen Schlafplatz zur Verfügung stellen. Den Tag verbringen die Flüchtlinge in der Kirche, abends sind sie im Gemeindehaus untergebracht.

Gespräch am Montag: Keine Bewegung

Ein Gespräch zwischen der Innenbehörde und der Kirche blieb am Montag ergebnislos. Ein Sprecher der Innenbehörde sagte NDR 90,3, da man die Personalien der Roma nicht kenne, könne man auch keine Angaben zu etwaigen Abschiebungen machen. Wie es nun mit den Schutzsuchenden weitergeht, konnten auch Kirchenvertreter nicht sagen.

"Die juristische Sicht scheint wirklich klar zu sein. Da ist auch nicht viel Hoffnung", hatte Hauptpastor Alexander Röder vor dem Gespräch gesagt. "Wir können diesen Menschen hier nur den Ort geben, wo sie ein bisschen zur Ruhe kommen zu können. Und wir können von kirchlicher Seite mit den staatlichen Stellen Kontakt aufnehmen und gucken, was machbar ist."

Bleiberecht gefordert

Bereits am Donnerstag hatte die Gruppe aus Frauen, Männern und Kindern vor dem Michel ein Bleiberecht gefordert. In einer Mitteilung der "Vereinigten Roma Hamburg" hieß es, mehr als 20 Familien hätten von der Ausländerbehörde einen Bescheid für ihre Abschiebung nach Serbien, Mazedonien, Bosnien-Herzegowina und in den Kosovo innerhalb dieser Woche erhalten. Diese Staaten seien aber keine sicheren Herkunftsländer. Roma hätten dort unter Rassismus der Bevölkerungsmehrheit und staatlicher Stellen zu leiden. 14 Angehörige der Minderheit wurden einem Sprecher zufolge bereits am vergangenen Mittwoch aus Hamburg abgeschoben.

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Zu der Roma-Gruppe gehören auch zahlreiche Kinder.

In einem Festgottesdienst zum Abschluss des Besuchs von 32 Partnerkirchen der Nordkirche bekamen die Roma am Sonntag im Michel drei Minuten Rederecht. "Ich bitte euch alle im Namen Gottes, uns zu helfen", sagte ein Sprecher der Gruppe. Landesbischof Gerhard Ulrich forderte Behörden, Politiker und die Gesellschaft insgesamt auf, "den Männern, Frauen und den vielen Kindern hier zu helfen".

Balkanstaaten zu sicheren Herkunftsländern erklärt

Mit der Asylrechtsreform im vergangenen Jahr waren Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina zu sicheren Herkunftsstaaten erklärt worden. Abgelehnte Asylbewerber aus den drei Balkanstaaten - das sind vor allem Roma - können damit schneller abgeschoben werden. Angesichts hoher Zahlen an Asylbewerbern aus dem Kosovo, Albanien und Montenegro will die große Koalition in Berlin die Liste um diese Staaten erweitern. Die EU-Kommission will vorschlagen, die westlichen Balkanländer EU-weit zu sicheren Herkunftsstaaten zu erklären.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 21.09.2015 | 19:00 Uhr