Stand: 07.07.2017 06:59 Uhr

Hamburg feiert das "Global Citizen Festival"

von Dhala Rosado

Coldplay, Ellie Goulding, Pharrell Williams, Andreas Bourani, Herbert Grönemeyer: Am Abend vor dem G20-Gipfel haben viele Megastars beim "Global Citizen Festival" in Hamburg auf der Bühne gestanden. Aber auch Politiker waren dabei, denn hinter Musik und Staraufgebot steckte mehr als "nur" Entertainment. Dieses Konzert hat ein Zeichen gesetzt: gegen Armut und für ein Miteinander.

Hamburg feiert "Global Citizen Festival"

"Wir alle sind Bürger einer Welt. Wir tragen gemeinsam Verantwortung für ein menschenwürdiges Leben weltweit." Mit diesen Worten hatte sich Kanzlerin Angela Merkel per Videobotschaft an die "Global Citizen"-Bewegung gewandt. Während es in der Innenstadt bei der Anti-G20-Demo "Welcome to Hell" zu massiven Auseinandersetzungen zwischen gewaltbereiten Demonstranten und Polizei kam, feierten in der Arena im Volkspark rund 12.000 Menschen friedlich ein Musikfestival im Zeichen der Gemeinschaft - auf und vor der Bühne. Ihr Protest gegen die Politik der G20: direkte Worte, große Gesten, konkrete Versprechen. Ihr Ziel: Mit der Kraft des Kollektivs einen Wandel anstoßen, gemeinsam die Welt verbessern. Ihre Sprache: Musik statt Gewalt.

Zum Auftakt: Konfetti und Feminismus

Im Konfettiregen und Lichtermeer eröffneten Coldplay den Abend. "That was when I ruled the world" schmetterte Chris Martin. Seine sanfte Stimme schwebte durch die riesige Halle und egal, ob "Fix You" oder "Something Just Like This" - Hamburg ist textsicher. Spätestens als Shakira dazustieß, kochte die Stimmung über. Kolumbianischer Pop-Rock traf auf den typischen Coldplay-Sound. Gemeinsam performten die beiden spanische Shakira-Songs und lieferten ein Gänsehaut-Version von "A Sky Full Of Stars".

Als erster Politiker stand Kanadas Premierminister Justin Trudeau auf der Bühne und sprach über sein Herzensthema: Frauenrechte. Frauen und Mädchen seien weltweit am meisten von Armut betroffen. "Bei gleichen Voraussetzungen können Frauen und Mädchen die Welt verändern", sagte er.

Bild vergrößern
Frauen und Mädchen seien am meisten vor Armut betroffen, sagte der kanadische Premierminister Justin Trudeau.

Sie bräuchten die Unterstützung der G20 und der Weltbevölkerung. Damit griff er eines der 17 UN-Ziele heraus, die bis 2030 zu einer nachhaltig verbesserten Welt führen sollen. Weitere Themen des Katalogs: Gesundheit, Bildung, Hunger, Wasser, Umweltschutz. Diesen widmet sich auch die Bürger-Organisation "Global Citizen". Gegründet vom Australier Hugh Evans hat die Bewegung es sich zur Aufgabe gemacht, die Not der Welt zu mindern und bis 2030 extreme Armut zu beenden. Ob das realistisch ist, konnte dieser Abend zwar nicht beantworten, aber Coldplay-Frontmann Chris Martin scheint an das Ziel zu glauben. Er hat sich den "Global Citizen" für 15 Jahre verpflichtet und als Schirmherr auch das Hamburger Konzert mit auf die Beine gestellt.

"Ein Hoch auf uns" und ein Außenminister ohne Krawatte

Auch Popstar Andreas Bourani hatte eine politische Botschaft im Gepäck: "Es ist wichtig, dass das keine einmalige Aktion bleibt", rief er den Konzertbesuchern zu. Mit "Auf uns" lieferte er den Soundtrack zur Message. Direkt vom Treffen mit Angela Merkel und Donald Trump kam Außenminister Sigmar Gabriel auf die Bühne, zwischendurch hatte er allerdings noch schnell das Outfit gewechselt: Er kam ohne Krawatte. Leger gab er sich auch in seinen Statements zur Weltpolitik und persönlichen Wünschen. Eigentlich gehöre der G20-Gipfel für ihn unter das Dach der Vereinten Nationen, sagte er, denn noch immer würden wohlhabende Länder die Themen setzen. Tosender Applaus belohnte seine Aussage. Die indische Aktivistin und Wissenschaftlerin Vandana Shiva richtete das Wort an die G20 und Donald Trump: "Sie können sich nicht vor ihrer Verantwortung drücken", sagte sie.

"Lasst uns extreme Armut ausmerzen und helfen"

Alle Künstler dieses Konzertabends mischten Musik und Kritik auf dieselbe eindringliche Weise. Pharrell Williams forderte sein Publikum auf, Liebe, Wut und guten Willen zu bündeln und so gemeinsam extremer Armut ein Ende zu bereiten. Den perplexen Sicherheitskräften zum Trotz holte er spontan Konzertbesucher auf die Bühne, um singend und tanzend den Frieden zu zelebrieren. Ob Pharrell, die kolumbianische Pop-Rock-Sängerin Shakira, Singer-Songwriterin Ellie Goulding oder Eurovision Song Contest-Gewinnerin Lena Meyer-Landrut - alle nutzten ihre Popularität, um auf unterschiedliche Weise für eine gerechtere Welt zu werben.

Politisches Engagement für Konzertkarten

Mit derartigen Appellen trafen die Künstler des "Global Citizen Festivals" das Herz vieler Konzertbesucher. Politisches Engagement war Grundvoraussetzung für diesen Abend. Karten für das Event gab es bei keiner Vorverkaufsstelle. Wer dabei sein wollte, musste etwas für den guten Zweck tun. Gründer Hugh Evans zeigte sich sichtlich berührt, als er auf der Hamburger Bühne zusammenfasste, was seine Bewegung inzwischen erreicht hat: Über 600 Millionen Euro hätten die "Global Citizen" bereits mit diversen Projekten eingesammelt und damit 130 Millionen Menschen auf der Welt helfen können.

Großes Finale mit großem Duett

Den krönenden Abschluss des Abends bildete der Auftritt von Herbert Grönemeyer. Auf der "Global Citizen"-Bühne zu stehen, hieß auch für ihn, gemeinsam gegen Armut vorzugehen und soziale Gerechtigkeit in eine greifbare Zukunft zu rücken. In einer sehr emotionalen Abschlussrede sagte er, dass die Welt für ihn eine große Familie sei, die immer weiter zusammenrücke. Die G20 forderte er auf, diesem sozialen Kurs zu folgen und Hungersnöten sowie humanitären Krisen auch mit finanzieller Unterstützung ein Ende zu bereiten. "Füllen Sie die Box mit Geld - vorher geht hier niemand nach Hause", rief er. Musikalisch verlieh er seinen Worten mit Songs wie "Ein Stück vom Himmel" Ausdruck. Als Highlight des Abends sang er gemeinsam mit Chris Martin den Song "Mensch".

Die Songs des "Global Citizen Festivals" im Video

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | 06.07.2017 | 19:00 Uhr

G20-Gipfel in Hamburg

Der G20-Gipfel 2017 fand am 7. und 8. Juli in Hamburg statt. Im Dossier finden Sie News, Videos, Bilderstrecken und Reaktionen auf das zu Ende gegangene Gipfeltreffen. mehr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

02:36

Hamburg pusht Start-up-Unternehmen

15.12.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal
03:02

Flüchtlinge am Wohnungsmarkt oft diskriminiert

15.12.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal
02:19

Elektrotransporter aus China

15.12.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal