Stand: 18.06.2017 07:41 Uhr

G20-Gegner läuten heiße Protestphase ein

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Anwalt Beuth erwartet bei der Demo am 6. Juli einen großen schwarzen Block.

Die Gegner des G20-Gipfels in Hamburg haben die "heiße Phase" ihres Protests eingeläutet. Bei einer Aktionskonferenz im linksalternativen Kulturzentrum "Rote Flora" im Schanzenviertel kamen am Sonnabend mehrere Hundert Aktivisten zusammen, um Demonstrationen gegen das Treffen der Staats- und Regierungschefs am 7. und 8. Juli vorzubereiten. Die bisherigen Proteste hätten etwas von einem Langstreckenlauf gehabt, sagte einer der Aktivisten. "Wir gehen jetzt zum Sprint über."

"Größter schwarzer Block, den es je gegeben hat"

Die Redner der verschiedenen Demonstrationen betonten bei einer improvisierten Pressekonferenz vor der "Roten Flora" am Abend, sie würden keine Auseinandersetzungen mit der Polizei suchen. Anwalt Andreas Beuth sagte aber: "Wenn wir angegriffen werden, (...) dann werden wir uns natürlich auch zur Wehr setzen mit Mitteln, die wir uns selbst suchen." Die Demonstration "G20 - Welcome to hell" am 6. Juli werde angeführt von einem "der größten schwarzen Blöcke, die es je gegeben hat". Zwar betonte Beuth, dass die Demonstration nicht nur ein autonomer Riesenaufmarsch, sondern auch breit und bunt sein werde. Die Behörden rechnen aber mit bis zu 8.000 gewaltbereiten Teilnehmern aus dem In- und Ausland.

"Hamburg wird noch stehen"

Befürchtungen, wonach Teile der Hansestadt nach dem Gipfel verwüstet sein könnten, traten die Aktivisten entgegen. "Hamburg wird noch stehen", sagte "Rote Flora"-Sprecher Andreas Blechschmidt. Man müsse sich nicht in den Rausch reden, dass die Stadt in Schutt und Asche gelegt wird. Aber es werde sicherlich lebhaft werden.

Vielseitige Protestwoche angekündigt

Die Organisatorin der Großdemo "Grenzenlose Solidarität statt G20" am 8. Juli, Emily Laquer, erwartet nicht nur den größten Polizeieinsatz der Hamburger Geschichte, sondern auch eine Protestwoche, die es so an der Elbe noch nicht gegeben habe. "Diese Woche wird eine Woche des gemeinsamen Protests in all unserer Vielseitigkeit", sagte Laquer.

Wildes Zelten, wenn es keine Camps gibt

Um die geplanten Camps für Gipfelgegner im Stadtpark und im Altonaer Volkspark durchzusetzen, wollen die Aktivisten notfalls bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen. Spätestens bis zum 30. Juni erwartet Blechschmidt Rechtssicherheit. Im Falle eines endgültigen Verbots wollen die G20-Gegner wild zelten. "Wenn wir diese Camps tatsächlich nicht kriegen, dann werden wir massenhaft auf allen Grünflächen in Hamburg einfach Plätze besetzen", sagte Beuth.

Demo- Organisatoren wollen um Heiligengeistfeld streiten

Und auch die erlassene Allgemeinverfügung, nach der in einem großen Teil der Stadt nicht demonstriert werden darf, wollen die Aktivisten juristisch anfechten. Denn diese macht eine Abschlusskundgebung der Großdemo am 8. Juli auf dem Heiligengeistfeld unmöglich. "Wir werden am Montag Klage dagegen einreichen und um diesen Ort streiten", kündigte Laquer an.

Polizeipräsident Ralf Martin Meyer hatte am Donnerstag die getroffenen Maßnahmen als "Balance zwischen den Freiheitsrechten von Menschen und dem Recht auf Versammlungsfreiheit" verteidigt.

Stadtteilversammlung im Millerntorstadion

Am Sonntag lud die Initiative "St. Pauli selber machen" zu einer Stadtteilversammlung in den Ballsaal des Millerntorstadions ein. Sie plant Aktionen gegen das Gipfeltreffen vor ihrer Haustür. So sollen etwa die Fahrzeugkolonnen der Regierungschefs ausgebremst werden. Die Politik der G20-Staatengruppe sei dafür verantwortlich, dass es Krieg, Elend und Flüchtlinge gebe, erklärte Initiativensprecher Steffen Jörg. Auf der Versammlung ging es aber auch um praktische Information, etwa darum, was während des G20-Gipfels auf den Stadtteil zukommt und auf welche Einschränkungen Anwohner sich einstellen müssen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 18.06.2017 | 08:00 Uhr

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