Stand: 27.08.2015 14:31 Uhr

Flüssiggas: Wirtschaft fordert Subventionen

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Ein Hafenarbeiter beobachtet einen LNG-Frachter. Kann sich Flüssiggas als Treibstoff in der Schifffahrt durchsetzen?

Der Staat soll nach Ansicht der maritimen Wirtschaft mehr Geld ausgeben, um verflüssigtes Erdgas (Liquified Natural Gas/kurz LNG) als Treibstoff für Schiffe durchzusetzen. Die Bundesregierung solle Flüssiggasantriebe mit 150 Millionen Euro pro Jahr fördern, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme der Maritimen LNG Plattform und der Verbände der Reeder, der Werften, der Hafenbetriebe und der Schiffsmakler. Nur so könne sich das vergleichsweise umweltfreundliche LNG als Treibstoff durchsetzen.

Mit LNG betriebene Schiffe rund ein Viertel teurer

Schiffe, die mit dem verflüssigten Erdgas angetrieben werden, kosten etwa 20 bis 30 Prozent mehr als herkömmliche Schiffe. Unter anderem, weil zusätzliche Tanks eingebaut und Motoren nachgerüstet werden müssen, sagte Ralf Nagel, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Reeder. "Wir sind in der Schifffahrt in einer Marktlage, wo wir das auf der Einnahmeseite nicht finanziert bekommen - und dann können sie es ökonomisch nicht machen." Deshalb soll sich der Bund mit bis zu 15 Millionen Euro pro Schiff an den Kosten für die Flüssggasanlagen beteiligen, fordern Reeder, Schiffbauer und Hafenbetriebe.

Aufbau von LNG-Infrastruktur ins Stocken geraten

Derzeit stockt der Aufbau einer Infrastruktur für Flüssiggas in den deutschen Häfen - in Hamburg etwa liegen die Pläne für ein LNG-Terminal auf Eis. Wenn allerdings genügend Schiffe mit LNG fahren können, würde auch die Nachfrage steigen, so die Rechnung der maritimen Wirtschaft.

LNG als umweltfreundlichere Alternative

Sind mehr Schiffe mit Flüssiggas unterwegs, nutzt das aber auch der Umwelt, so Georg Ehrmann, Geschäftsführer der Maritimen LNG Plattform: "Weil dann die Dieselgeneratoren nicht länger den Strom produzieren müssen, und weil die Schiffahrt dann einen sauberen Kraftstoff einsetzt, der keinen Feinstaub verursacht, der keine Stickoxide in die Luft pustet." LNG ist Erdgas, das auf minus 165 Grad Celsius heruntergekühlt ist und damit flüssig. Im Gegensatz zum bislang verwendeten Schweröl enthält LNG keinen Schwefel und verursacht keine Stickoxide und weniger Kohlendioxid.

Neben den Subventionen fordert die maritime Wirtschaft auch einheitliche rechtliche Standards und eine schnellere Genehmigung von Flüssiggasanlagen. Zudem solle die öffentliche Hand, die rund 700 Schiffe betreibe, verstärkt in LNG-Schiffe investieren, zum Beispiel bei Zollschiffen und der Wasserschutzpolizei.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 27.08.2015 | 16:00 Uhr