Stand: 27.08.2015 16:40 Uhr

Flüchtlinge sorgen für mehr Schüler

Die aus aller Welt nach Hamburg geflohenen Flüchtlingsfamilien bescheren der Hansestadt einen Schüler-Boom. Die Zahl der Jungen und Mädchen an Hamburgs allgemeinen Schulen steigt mit Beginn des neuen Schuljahrs im Vergleich zum Vorjahr von 168.590 um 3.950 auf 172.540 und damit auf einen neuen Höchststand, wie Schulsenator Ties Rabe (SPD) mitteilte. Insgesamt seien etwa 3.000 von ihnen auf Flüchtlingskinder zurückzuführen, erklärte Rabe. "Der Platz an den Schulen wird noch lange reichen", sagte er zum Schulstart am Donnerstag im Interview mit NDR aktuell. Jetzt sei es die Schwierigkeit, "die leistungsstarken Schüler sowie die vielen Flüchtlingskinder zu einem Bildungserfolg zu bringen." Dafür sollten die ausländischen Kinder so früh wie möglich unterrichtet werden - möglichst bereits in den Erstaufnahmestellen, sagte Rabe.

Üblicherweise erhalten die Flüchtlingskinder in den zentralen Erstaufnahmeeinrichtungen bereits kurz nach ihrer Ankunft Deutsch-Unterricht. Wenn sie diese dann in der Regel nach bis zu drei Monaten wieder verlassen, wechseln sie in eine der sogenannten internationalen Vorbereitungsklassen an allgemeinbildenden Schulen, um dort für zunächst ein Jahr Deutsch zu lernen. Erst danach würden die Flüchtlingskinder in die Regelklassen der Grund- und Stadtteilschulen oder Gymnasien integriert, erklärte Rabe bereits am Dienstag. Sechs und sieben Jahre alten Flüchtlingskinder kämen jedoch ohne Umweg zusammen mit allen anderen Hamburger Kindern direkt in die ersten und zweiten Klassen, da sie in diesem Alter besonders schnell lernen.

Zuwachs im Langzeittrend

Die aktuellen Zahlen zum Schuljahresbeginn 2015/2016 entsprechen laut Rabe dem Langzeittrend: In den vergangenen fünf Jahren nahm die Schülerzahl allein an den staatlichen allgemeinbildenden Schulen in Hamburg um rund 12.000 zu (plus sieben Prozent), während in anderen Bundesländern im gleichen Zeitraum die Schülerzahl zum Teil deutlich gesunken sei.

Klassen sollen nicht größer werden

Damit die Klassen nicht vergrößert werden müssen, gibt es rund 220 neue Stellen für Lehrer, Sozialpädagogen und Erzieher, wie NDR 90,3 berichtete. Im Schuljahr 2015/16 beträgt die durchschnittliche Klassenfrequenz in ersten Klassen der Grundschulen 21,0 Schüler (Vorjahr 21,1), in den fünften Klassen der Stadtteilschulen 21,9 (2014: 21,9) und in den Gymnasien 27,8 (Vorjahr 27,2).

Mehr Mathe und bessere Rechtschreibung geplant

Mit einer Reihe von Maßnahmen will der Schulsenator den Unterricht verbessern. Mehr Mathematik-Unterricht an den Gymnasien und Stadtteilschulen soll es geben - ab Klasse 7 auch nur von Fachlehrern. In den Klassen 1 bis 10 wird nach der massiven Kritik an den mangelnden Rechtschreibfähigkeiten der Hamburger Kinder außerdem mehr auf richtiges Schreiben geachtet. Künftig soll es in nahezu allen Klassenstufen Tests geben, damit die Lehrer sehen wo es hakt.

Große Nachfrage nach Ganztagsangeboten

Als Vertrauensbeweis wertet der Schulsenator die hohen Anmeldezahlen bei der Ganztagsbetreuung. An allen 200 Grundschulen gibt es jetzt verlässliche Angebote bis 16 Uhr. 78 Prozent der Eltern nutzen sie - auch das ist ein neuer Rekord in Hamburg.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 25.08.2015 | 16:00 Uhr