Stand: 03.03.2016 19:28 Uhr

Flüchtlinge: Schleswig-Holstein entlastet Hamburg

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Hamburg ist überlastet und sucht bei der Unterbringung von Flüchtlingen Unterstützung bei den Nachbarn.

Schleswig-Holstein entlastet Hamburg bei der Unterbringung von Flüchtlingen. Bis zu 1.500 Schutzsuchende aus der Hansestadt werden vorübergehend für maximal ein halbes Jahr im nördlichen Nachbarland untergebracht. Eine entsprechende Absichtserklärung - ein "Letter of Intent" - wurde am Donnerstag von beiden Seiten unterschrieben.

Unterkunft bei Bad Segeberg geplant

Hamburg bekommt den Plänen zufolge keine Plätze in unterbelegten Einrichtungen, sondern für begrenzte Zeit eine Fläche bei Bad Segeberg. Auf dem Gelände einer ehemaligen Bundeskaserne, dem Levo-Park, soll eine Zentrale Erstaunfahme gebaut werden. Hamburg trägt die Kosten für die Unterbringung und Versorgung der Menschen. Ausgehandelt werden müssen noch zahlreiche weitere Modalitäten. So ist zum Beispiel geplant, auf dem Gelände eine Polizeidienststelle einzurichten. Wer dafür die Kosten tragen muss, ist noch unklar. Wann die ersten Flüchtlinge aus Hamburg dort einziehen können, steht ebenfalls noch nicht fest. Die Anwohner sind bereits über die Pläne informiert worden.

Hamburgs sucht Hilfe bei Nachbarn

Hamburg muss in diesem Jahr Prognosen zufolge rund 40.000 Flüchtlinge unterbringen. Die überlastete Hansestadt sucht deshalb Hilfe bei den Nachbarn. Schon Mitte Februar hatte Innensenator Andy Grote im Gespräch mit NDR 90,3 gesagt, Hamburg wolle rund 2.500 Flüchtlinge in den benachbarten Bundesländern unterbringen. Neben den 1.500 Flüchtlingen in Schleswig-Holstein will Hamburg im niedersächsischen Wendland eine Unterkunft für weitere 1.000 Flüchtlinge errichten.

Grote will weitere Nachbarländer ansprechen

Hamburgs Innensenator Andy Grote freute sich über die Grundsatzvereinbarung, die er mit Schleswig Holstein getroffen hat. 1.500 Plätze seien zwar mit Blick auf die Zahl von 40.000 Flüchtlingen in diesem Jahr nicht viel, aber es sei eine Entlastung für Hamburg. Ein Modell, das für Grote ausbaufähig ist: Man versuche ähnliche Kapazitäten für Niedersachsen, möglicherweise auch in Mecklenburg-Vorpommern  zu erreichen, sagte Grote am Donnerstag.

Beteiligung der Flüchtlinge am Bau ihrer Unterkünfte?

SPD und Grünen wollen zudem eine Beteiligung der Flüchtlinge am Bau ihrer Unterkünfte. "Hilfe zur Selbsthilfe und gemeinschaftliche Aktivitäten können mit beruflicher Qualifizierung verbunden werden und ein Baustein sein, um den Geflüchteten eine Perspektive auf Gemeinschaft, Wohnen und Arbeit zu bieten", hieß es im Antrag von SPD und Grünen. Basis könne dabei das Programm "W.I.R - work and integration for refugees" sein, über das derzeit die Qualifikationen der Schutzsuchenden ermittelt werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 03.03.2016 | 15:00 Uhr

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