Stand: 25.02.2016 20:08 Uhr

Fall Tayler: Neue Kritik an Jugendamt

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Welche Folgen sind aus dem Tod des kleinen Taylors zu ziehen? Der Jugendausschuss tagt.

Der gewaltsame Tod des einjährigen Tayler, der im Dezember wohl an einem Schütteltrauma gestorben war, hat am Donnerstag den Jugendausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft beschäftigt. Die Leiterin der Jugendhilfe-Inspektion, Gisela Schulze, die den Fall untersucht hatte, wiederholte das Ergebnis des am Montag veröffentlichten Berichts: Demnach gab es keinen unmittelbaren, ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Vorgehen des Jugendamtes und dem Tod des Jungen. Dennoch erneuerte sie die Kritik am Jugendamt Altona und dem privaten Träger Rauhes Haus.

Fehlende Sorgfalt bei der Fallbearbeiterin?

Im August 2015 waren bei Tayler blaue Flecken und ein Schlüsselbeinbruch festgestellt worden. Die Mutter habe die Ursache dafür nicht glaubwürdig erklären können, sagte Schulze. Darum war das Kind zwischenzeitlich bei einer Pflegefamilie. Es sei umso schwerer nachvollziehbar gewesen, warum das Kind dann bereits am 5. Oktober 2015 wieder zur Mutter kam. Diese Entscheidung habe die Fallbearbeiterin offenbar ohne ausreichende Überprüfung und Sorgfalt getroffen, sagte Schulze. Vor allem hätte eine weitere sogenannte "kollegiale Beratung" vor der Entscheidung erfolgen müssen.

Regelwerk zu unübersichtlich?

Der CDU-Familienexperten Philipp Heißner bezeichnete es als erschreckend, dass erneut einschlägige Fehler bei der Betreuung eines Kindes geschehen seien. Die Linken-Abgeordnete Sabine Boeddinghaus warf die Frage auf, ob das Regelwerk für die Jugendamtsmitarbeiter zu unübersichtlich sei. Die Altonaer Sozialdezernentin Imogen Buchholz sagte, es gebe viele Vorschriften und Anleitungen. Das sei gut und richtig, "man muss sie aber finden".

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Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) drängt darauf, die vorgeschriebenen Abläufe in der Praxis der Jugendhilfe zu verankern.

Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) verlangte die Einhaltung aller Regeln durch die Jugendhilfe. Darum sei es richtig und notwendig, die vorgeschriebenen Abläufe in der Praxis zu verankern, sagte die SPD-Politikerin. Wie die Parteien den Tod Taylers parlamentarisch aufarbeiten wollen ist noch nicht entschieden. Nur die Linke hat sich festgelegt: Sie verlangt eine Enquetekommission, die das gesamte System der Familien-und Jugendhilfe in Hamburg auf den Prüfstand stellen soll.

Warten auf den Obduktionsbericht

Der zwölf Monate alte Tayler war am 19. Dezember 2015 an einem mutmaßlichen Schütteltrauma gestorben. Der endgültige Obduktionsbericht soll voraussichtlich Ende des Monats vorliegen. Durch ihn hoffen die Ermittler auch herauszufinden, wann genau die Tat geschah. Das ist bisher noch unklar. Tayler war am 12. Dezember ins Krankenhaus gebracht worden und sieben Tage später gestorben. Gegen die 23-jährige Mutter aus Altona-Nord und ihren Freund, der nicht Taylors Vater ist, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen eines Tötungsdelikts. Beide sind derzeit auf freiem Fuß.

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