Stand: 19.02.2014 15:25 Uhr

"Es ist unsere Absicht, die Kirche abzureißen"

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Von innen ist die St. Maximilian-Kolbe-Kirche gut erhalten, doch von außen gibt es Dach- und Betonschäden.

Mit ihrem spiralförmigen Turm gehört die St. Maximilian-Kolbe-Kirche im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg zu den architektonisch interessantesten Gotteshäusern der Hansestadt. Die Tage des 1973 und 1974 errichteten Gebäudes an der Krieterstraße, das unter Denkmalschutz steht, sind allerdings gezählt. "Es ist unsere Absicht, die Kirche abzureißen", sagte Manfred Nielen, Pressesprecher des Erzbistums Hamburg, NDR.de. Einen Termin für die Profanierung - also die Entweihung - gebe es aber noch nicht. "Die Gespräche mit dem Denkmalschutzamt laufen noch. Deshalb gibt es auch noch keinen Termin für den Abriss oder für den letzten Gottesdienst", betonte der Sprecher.

Der Antrag auf Entweihung und Abriss sei von der Kirchengemeinde gestellt worden. Der Priesterrat des Erzbistums Hamburg habe dem Abriss im November zugestimmt.

Die St. Maximilian-Kolbe-Kirche in Hamburg

"Einmaliges Bauwerk und wertvolles Denkmal"

Das Vorhaben der Kirche stößt allerdings auf Kritik. Klaus Lübke, Sprecher für Denkmalschutz der SPD-Fraktion im Bezirk Hamburg-Mitte, ist gegen den Abriss. "Die Kirche ist ein besonderes und einmaliges Bauwerk. Es handelt sich um ein architektonisches Kunstwerk, ein wertvolles Denkmal. Von innen ist es die schönste Nachkriegskirche in Hamburg", sagte Lübke. Der Bezirk könne allerdings den Abriss nicht verhindern. Das Denkmalschutzamt treffe die Entscheidung. Lübke: "Ich halte es immer noch für möglich, dass die Kirche erhalten bleiben kann." Es gehe ihm aber vor allem um das Gebäude. "Wenn die Kirche das nicht mehr nutzen möchte, kann ich mir auch ein Stadtteilzentrum darin vorstellen. "

Das Denkmalschutzamt wollte sich zum Stand der Gespräche nicht äußern. Pressesprecher Enno Isermann bezeichnete die Kirche als charakteristisches Beispiel für den Kirchenbau der 1970er-Jahre - durch ihre "ausdruckstarke Spiralform" und der "gezielten Verwendung von Sichtbeton".

"Ich finde es auch sehr traurig"

"Ich persönlich finde es ja auch sehr traurig, dass die Kirche abgerissen werden muss. Die St. Maximilian-Kolbe-Kirche ist ein schöner geistlicher Ort, an dem ich immer gerne gewesen bin", erklärte Nielen, Sprecher des Erzbistums. "Wenn eine Kirche entweiht wird, ist das immer ein schmerzhafter Prozess."

400.000 Euro für Sanierung nötig

Ein Grund für den Abriss ist, dass die Kirche Dach- und Betonschäden hat - auch, weil der Orkan "Christian" die Kirche im Oktober traf. Schon jetzt ist das Gebäude teilweise mit Bauzäunen abgesperrt. Die Kosten für die Sanierung werden auf 400.000 Euro geschätzt. Geld, das das Erzbistum nach eigenen Angaben nicht hat. Auf kritische Äußerungen von Abrissgegnern, dass die Katholische Kirche doch genug Geld habe, reagiert Nielen verärgert: "Wir sind nur für den Etat vom Erzbistum Hamburg verantwortlich. Damit müssen wir verantwortlich umgehen."

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Direkt neben der Kirche steht ein Seniorenheim, dass erweitert und modernisiert werden soll.

Bei der St. Maximilian-Kolbe-Kirche handele es sich zudem nur um eine Filialkirche. Die Hauptkirche der Gemeinde, die Wilhelmsburger St. Bonifatius-Kirche, sei nur zwei Kilometer entfernt. Außerdem soll im angrenzenden Alten- und Pflegeheim ein Gottesdienst-Raum eingerichtet werden.

Kirche soll Pflegeheim weichen

Nielen betonte, dass die St. Maximilian-Kolbe-Kirche immer auch zusammen mit dem Seniorenheim betrachtet werden müsse. Die Kirchengemeinde ist noch Träger, will es aber verkaufen. "Das Heim muss erweitert und modernisiert werden, damit es wirtschaftlich bleibt", sagte der Sprecher. "Es laufen Gespräche mit einem katholischen Träger." Ein Abriss der Kirche sei auch für die nötige Erweiterung des Heimes unausweichlich.

Namensgeber Kolbe 1982 heilig gesprochen

Namensgeber der Kirche und des Pflegeheimes ist der Heilige Maximilian Maria Kolbe. Er wurde 1894 in Polen geboren und starb 1941 im Konzentrationslager Auschwitz. Schon früh trat Kolbe dem Franziskaner-Minoritenorden bei und gründete zahlreiche Kloster in Polen und im fernen Osten. 1918 wurde er zum Priester geweiht. Nach dem Überfall der Deutschen auf Polen bot er Flüchtlingen Zuflucht. Er wurde deshalb verhaftet und nach Auschwitz gebracht. Dort ging er für einen Familienvater in den Hungerbunker. Papst Johannes Paul II. sprach ihn 1982 heilig. Sein Gedenktag ist der 14. August.

Ein Bild von Maximilien Kolbe in der St. Maximilian-Kolbe-Kirche in Hamburg-Wilhelmsburg. © NDR Fotograf: Heiko Block

Das Lagergefängnis in Auschwitz

Ein Besuch im Lagergefängnis von Auschwitz. Hier starb Maximilian Maria Kolbe, nach dem die Kirche in Wilhelmsburg benannt ist. Guide Joanna Pastuszka erzählt von Menschlichkeit in Zeiten des Horrors.