Stand: 02.02.2016 14:33 Uhr

Rückkehr in den Irak mit Hindernissen

Bisher sind es nur einige wenige, aber dennoch ist es erstaunlich: Es gibt Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten Irak und Syrien, die wieder ihre Koffer packen und in ihre Heimatländer zurückkehren wollen. Seit November verzeichnen Beratungsstellen auch in Norddeutschland immer mehr solcher Nachfragen. Doch nicht jeder dieser Wünsche kann erfüllt werden, wobei nicht nur die Kosten ein Problem sein können.

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Walids Erwartungen an das Leben in Deutschland haben sich nicht erfüllt.

Kerzengerade und in dicker Jacke sitzt Walid im Flüchtlingszentrum Hamburg. Er ist sichtlich angespannt. Seit drei Monaten ist der 39 Jahre alte Iraker jetzt in Deutschland. Nach dieser Zeit hat er nur einen Wunsch: "Ich möchte gerne nach Hause zurück. Meine Mutter und meine sieben Schwestern brauchen mich. Hier geht es mir schlecht. Ich habe kein Geld und ich wohne in einem Zelt. Deshalb will ich unbedingt in meine Heimat zurück."

Hoffnungen auf schnellen Familiennachzug zerplatzen

Walid kommt aus Bagdad und war dort Taxifahrer. Um die Reise nach Deutschland bezahlen zu können, hat er alles verkauft. 5.000 Dollar kostete ihn die Flucht. "Ich hatte erwartet, dass ich in Deutschland gutes Geld verdienen kann, in einer Wohnung lebe und meine Familie nachholen kann", erzählt der 39-Jährige von seinen Hoffnungen auf ein besseres Leben als in der Heimat, die sich nicht erfüllt haben.

Vollverpflegung, Unterkunft, aber keinen Cent Taschengeld - und das über Monate. Das zermürbe viele Zuwanderer, sagt Anne Helberg vom Flüchtlingszentrum Hamburg. Hinzu kämen die gesetzlichen Verschärfungen: "Eigentlich ist es eher so, dass die meisten Flüchtlinge sagen, dass sie nach Hause möchten, weil sie in Sorge sind um ihre Angehörigen. Sie hatten gehofft, dass es doch eine schnelle Möglichkeit für den Familiennachzug gibt."

Zahl der Rückkehrwilligen steigt

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Die Unterbringung in Behelfsunterkünften zermürbt viele Flüchtlinge, die vergeblich auf den schnellen Nachzug ihrer Familien warten.

Derzeit berät Helberg etwa 30 Rückkehrwillige, 16 sind bereits seit November aus Hamburg in den Irak ausgereist. Auch in Niedersachsen verzeichnen die Beratungsstellen mehr Nachfragen. Im Januar reisten 15 zurück in den Irak.

Auch für den Alleinstehenden Walid wird es bald soweit sein: Im Flüchtlingszentrum Hamburg erfährt er die gute Nachricht, dass seine Rückkehr für den 15. Februar geplant ist. Als Helberg ihm die entsprechende E-Mail vorliest, guckt Walid sie ratlos an, denn er versteht nicht ein Wort Deutsch. Und als Mitarbeiter Hammam Abughanim für ihn übersetzt, fragt der Iraker erst einmal ungläubig nach. Dann fangen seine Augen an zu leuchten: Er lächelt, schlägt sich mit der Hand aufs Herz und bedankt sich.

Rückreise über die Türkei nach Syrien nicht möglich

Für seine Rückkehr bekommt er 500 Euro Starthilfe und 200 Euro, um zum Flughafen nach Frankfurt, Düsseldorf oder Berlin zu reisen. Wie einige Iraker wollen auch Syrer zurückkehren, sogar einige wenige Jesiden, berichtet eine Beratungsstelle in Hannover. Doch ihre Anträge muss die zuständige Internationale Organisation für Migration oft ablehnen, sagt Anne Helberg vom Flüchtlingszentrum: "Das betrifft vor allem die Syrer, die über die Türkei zurückkehren möchten, weil jetzt eine Visumspflicht besteht für die Türkei. Dort wird kein Einreisevisum vergeben." Das heißt: Die syrischen Flüchtlinge müssen entweder in Deutschland bleiben oder sich auf eigene Faust und Kosten zurück auf den Weg nach Syrien machen.

Gehen oder bleiben? Eine schwierige Entscheidung

Walid freut sich indes schon jetzt wieder auf das gute Essen bei seiner Mama. Angst vor Bomben in Bagdad hat er nicht. Ob er Flüchtlingen jetzt raten würde, sich auf den Weg nach Deutschland zu machen? Der irakische Flüchtling ist sich unsicher: "Wer echte Probleme im Irak hat, der sollte gehen. Aber wem es dort einigermaßen gut geht, dem würde ich empfehlen zu bleiben und sich nicht auf den Weg zu machen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 03.02.2016 | 07:08 Uhr