Stand: 12.08.2015 14:29 Uhr

"Eigentlich brennt es in Bunkern selten"

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Axel Getzlaff ist Brandschutz-Experte der Hamburger Feuerwehr.

Innerhalb weniger Tage haben in Hamburg zwei Bunker gebrannt, die als Lager dienten - einer für Pyrotechnik, einer für ätherische Öle. Die Stadt hat angekündigt, nun sämtliche ihrer Bunker auf ihre Sicherheit hin prüfen zu wollen. Axel Getzlaff arbeitet bei der Hamburger Feuerwehr in der Abteilung Vorbeugender Brand- und Gefahrenschutz. Er führt Brandverhütungsschauen durch, bei denen die Feuerwehrleute kontrollieren, ob die Gebäude vorschriftsmäßig gesichert sind. Im Gespräch mit NDR.de erklärt er, was für eine Herausforderung ein Bunkerbrand für die Feuerwehr darstellt - und warum er bei den kurz hintereinander erfolgten Bränden eher nicht an Zufall glaubt.

Gibt es einheitliche Brandschutzrichtlinien für Hamburgs Bunker?

Axel Getzlaff: Es gibt keine speziellen Brandschutzbestimmungen für Bunker. Die Anforderungen an den Brandschutz richten sich - wie bei anderen Gebäuden auch - nach der jeweiligen Nutzung und Größe des Bunkers. Die Schutzräume werden ja beispielsweise als Musikbunker, als Lager oder Wohnraum genutzt. Entsprechend gelten unterschiedliche Standards, die in der Hamburgischen Bauordnung genau festgelegt sind.

Wie oft kontrolliert die Feuerwehr den Brandschutz?

Getzlaff: Wir richten uns nach der sogenannten Brandverhütungsschauverordnung. Sie legt fest, wie häufig Gebäude überprüft werden. Auch das hängt von ihrer Nutzung ab. Der Bunker auf dem Heiligengeistfeld beispielsweise gilt als Versammlungsstätte und wird, wie beispielsweise auch Krankenhäuser und Kitas, entsprechend alle drei Jahre kontrolliert. Industrie- und Gewerbeanlagen ab einer Größe von 2.000 Quadratmetern prüfen wir alle fünf Jahre. Der Bunker in Rothenburgsort fällt in diese Kategorie.

Was sind die besonderen Herausforderungen beim Brandschutz im Bunker?

Getzlaff: Bunker haben ja eine spezielle Bauweise, mit ihren dicken Mauern, und anstelle von Fenstern nur sehr kleine Lüftungsöffnungen. Daher ist die Belüftung und Entrauchung sehr schwierig. Außerdem müssen zwei bauliche Rettungswege hergerichtet werden, die unabhängig voneinander nutzbar sind. Eine weitere Herausforderung sind Kranschächte, die in vielen Bunkern zu finden sind und durch das gesamte Gebäude reichen. Wenn diese zu den Etagen nicht abgeschottet sind, verteilt sich der Rauch im Brandfall über diese Schächte im gesamten Gebäude.

Mit welchen Schwierigkeiten kämpfen Feuerwehrleute, wenn es in einem Bunker brennt?

Getzlaff: Da die Lüftungsöffnungen in der Regel mit einem Durchmesser von etwa 10 Zentimetern ziemlich klein sind, kann der Brandrauch kaum entweichen. Die Sicht ist denkbar schlecht. Daher können wir uns nur schwer im Gebäude orientieren und den Brandherd finden. Weil es keine Fenster gibt, fehlt außerdem eine Schwachstelle für den Druckausgleich, wenn es zu einer Rauchgasdurchzündung oder Explosion kommt. Dadurch sind diese im Inneren des Bunkers umso heftiger. Und auch die Hitze staut sich wegen fehlender thermischer Entlastung.

Wie oft kommt es in Bunkern zu Bränden?

Getzlaff: Eigentlich überaus selten. Ich bin seit 21 Jahren bei der Feuerwehr und habe nur ganz wenige Bunkerbrände erlebt. Dass wir nun innerhalb weniger Tage gleich zwei hatten, schockiert mich. Das kann natürlich zufällig sein - aber eigentlich ist das für mich kaum vorstellbar. Die beiden Bunker wurden auf jeden Fall von der Polizei als Tatort beschlagnahmt und werden auf mögliche Brandstiftung untersucht. Auf das Ergebnis bin ich sehr gespannt.

Wird es wegen der Bunkerbrände Änderungen in der Brandschutzverordnung geben?

Getzlaff: Davon gehe ich nicht aus. Die Hamburgische Bauordnung ist ein umfangreiches und bewährtes Regelwerk.

Das Gespräch führte Kristina Festring-Hashem Zadeh, NDR.de

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