Stand: 21.04.2016 14:37 Uhr

Ehefrau mit Öl verbrannt: Zehn Jahre Haft

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Das Hamburger Landgericht wertete den Angriff des 49-Jährigen als Mordversuch.

Wegen eines Angriffs auf seine Ehefrau mit heißem Öl hat das Hamburger Landgericht einen 49-jährigen Mann aus Afghanistan zu zehn Jahren Haft verurteilt. Der Angeklagte habe sich eines Mordversuchs und gefährlicher Körperverletzung schuldig gemacht, sagte der Vorsitzende Richter am Donnerstag. "Der Fall hat viel mit der afghanischen Kultur zu tun", erklärte er. "Es geht um Integration und was daraus wird, wenn die auch nach 20 Jahren in Deutschland abgelehnt wird."

Frau wochenlang in Lebensgefahr

Bei der Tat am 8. September des vergangenen Jahres hatte der Angeklagte die Frau mit drei Liter heißem Speiseöl überschüttet, als sie gerade unter der Dusche stand. Die 48-Jährige erlitt Verbrennungen auf 44 Prozent ihrer Haut und schwebte wochenlang in Lebensgefahr.

Tat gestanden

Die Hamburger Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer elf Jahre Haft für einen 49-Jährigen gefordert. Der Verteidiger bat das Gericht um eine milde Strafe wegen gefährlicher Körperverletzung. Sein Mandant sei patriarchalischen Gesellschaftsstrukturen stark verhaftet, erklärte der Anwalt. Der Angeklagte gestand die Tat vor Gericht. Er erklärte jedoch, er habe die Frau nicht töten, sondern nur verletzen wollen. Einem Gutachter sagte der 49-Jährige, er sei eifersüchtig gewesen, weil seine Frau andere Kleidung tragen und abnehmen wollte.

Angeklagter wollte "sich nicht demütigen lassen"

Die Familie wohnte in Wilhelmsburg. Nach den Worten des Richters führte sie dort aber ein Leben wie in einem afghanischen Dorf. Die Ehefrau durfte ohne ihren Mann kaum das Haus verlassen. "Er hat sie behandelt wie eine Sache", so der Richter. An jenem Septembermorgen unterstellte er seiner Frau plötzlich, sie habe eine Affäre mit einem anderen Mann. Als sie nichtsahnend unter der Dusche stand, erhitzte er in der Küche einen Topf voller Öl. Er ging ins Bad, lockte seine Frau mit den Worten "Guck mal her!" hinter dem Duschvorhang hervor und goss das Öl über sie. "Ich wollte ihr zeigen, dass ich mich von ihr nicht demütigen lasse", begründete er selbst seine Tat. Nach der Tat ging der Mann zur Polizei. Auf der Wache sagte er dem diensthabenden Beamten: "Frau totgemacht!", woraufhin er festgenommen wurde.

"Ein Leben als Familientyrann"

Schon früher habe der Angeklagte die Frau misshandelt, sagte der Richter. 1995 sei er mit seiner Frau und drei Kindern nach Deutschland geflüchtet. Nur anfangs habe er zwei Stunden täglich in einer Pizzeria gearbeitet. Er habe sich nicht um Integration bemüht und sei "in archaischen Überzeugungen verwurzelt" geblieben.

Zum Angeklagten gewandt sagte der Richter: "Sie haben durch die Tat Ihre Frau verloren, die einzige, die zu Ihnen hielt und Sie bisher noch liebte. Nun sind Sie ganz allein." Der 49-Jährige nahm das Urteil mit gesenktem Kopf und einer Hand vor den Augen entgegen. .

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 21.04.2016 | 12:00 Uhr