Stand: 22.10.2016 20:49 Uhr

Demo gegen Abschiebungen nach Afghanistan

In Hamburg haben am Sonnabend Hunderte Menschen friedlich gegen Abschiebungen afghanischer Flüchtlinge demonstriert, wie NDR 90,3 berichtete. Die Polizei sprach von bis zu 1.000, die Veranstalter von rund 1.500 Teilnehmern. Zu der Demonstration hatte ein Kulturverein aufgerufen. Unterstützt wurde die Aktion in Hamburg unter anderem vom Bündnis "Recht auf Stadt", der Gruppe "Lampedusa in Hamburg" und Vertretern verschiedener Parteien.

Demo-Teilnehmer fürchten Krieg und Gewalt in Afghanistan

Mit Slogans wie "Bomben sind eine schlechte Bleibeperspektive!" auf Bannern und Schildern führte die Demonstranten vom Hachmannplatz über die Mönckebergstraße zum Rathausmarkt. Menschen, die vor Krieg, täglichen Bombenanschlägen und der Verfolgung durch die Taliban sowie Perspektivlosigkeit geflohen seien, drohe nun die Abschiebung, sagte Jawid Dostan vom Hazara Volks- und Kulturverein Hamburg. "Alle, die aus Afghanistan geflohen sind, wissen: Es ist kein sicheres Land. Afghanistan ist ein Kriegsland."

Abkommen erleichtert Abschiebung

Deutschlandweit liefen am Sonnabend Protestaktionen, unter anderem in Berlin, Stuttgart und Düsseldorf. Anlass ist das Anfang Oktober geschlossene Rücknahmeabkommen zwischen der EU und Afghanistan. Es soll die Abschiebung von abgelehnten Asylbewerbern erleichtern.

Hamburg prüft Fälle von 300 Afghanen

Auch Hamburg bereitet sich darauf vor, zum ersten Mal afghanische Flüchtlinge abzuschieben. Das ging aus einer Antwort des Senats auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor. Bisher habe die Stadt demnach keine Afghanen abgeschoben. Seit der Veröffentlichung des Abschiebabkommens gebe es einen gesetzlichen Auftrag, hieß es. Derzeit überprüfe die Ausländerbehörde 300 Fälle - zumeist gehe es um alleinreisende männliche Flüchtlinge. Erst am Freitag hatte die Innenbehörde am Hamburger Flughafen einen sogenannten Ausreisegewahrsam vorgestellt.

Große afghanische Community in Hamburg

Schon Ende September waren in Hamburg etwa 1.500 Menschen gegen die Abschiebungen nach Afghanistan auf die Straße gegangen. "Vielerorts gibt es heftige Kämpfe und Bombenanschläge, Teile des Landes kontrollieren die Taliban und neuerdings auch der IS", hatte ein afghanischer Demonstrant damals erklärt. In Hamburg gebe es die größte afghanische Community in Europa.

Eigenes Flughafenterminal für Rückkehrer in Kabul geplant

Insgesamt halten sich in Europa fast 100.000 Geflüchtete auf, die unter das Rücknahmeabkommen der EU fallen könnten. Für sie ist in Kabul der Bau eines speziellen Terminals am Flughafen vorgesehen.

Demo-Teilnehmer: "Afghanistan ist ein Kriegsland"

Weitere Informationen

Flüchtlinge in Hamburg

Viele Flüchtlinge suchen Schutz in Hamburg. NDR.de sammelt hier Nachrichten, Reportagen und Interviews zum Thema Flüchtlinge in Hamburg. mehr

Ausreisegewahrsam am Hamburger Flughafen fertig

Am Hamburger Flughafen hat die Innenbehörde ein Abschiebezentrum für abgelehnte Asylbewerber vorgestellt. Bis zu 20 Menschen können dort untergebracht werden. (21.10.2016) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 22.10.2016 | 10:00 Uhr

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