Stand: 17.02.2016 14:24 Uhr

Datenschützer will Fan-Daten löschen lassen

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"Nicht akzeptabel": Hamburgs Datenschutzbeauftragter Johannes Caspar will die Datei "Gruppen- und Szenegewalt" löschen lassen.

Die seit mehr als neun Jahren von der Hamburger Polizei geführte Datei über gewaltbereite Fußball-Fans ist aus Sicht des Hamburger Datenschutzbeauftragten rechtswidrig und muss zu großen Teilen umgehend gelöscht werden. "Das Ausmaß der Speicherung von Betroffenen, gerade aber auch von Kontakt- und Begleitpersonen unter Vernachlässigung grundlegender datenschutzrechtlicher Anforderungen ist nicht akzeptabel", erklärte der Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar am Mittwoch.

2.170 Datensätze aus dem Bereich Fußball

Mitte Januar war durch eine Kleine Anfrage der Linken ans Licht gekommen, dass die Polizei 2.170 Menschen aus dem Bereich Fußball registriert hat, darunter 1.070 Fans des Bundesligisten Hamburger SV und 426 Anhänger des Zweitligisten FC St. Pauli. In rund 900 Fällen seien die Daten aber inzwischen wieder gelöscht worden. Gespeichert werden neben Namen und Adressen der Beschuldigten und Verdächtigen auch Fotos sowie Informationen zu Kontakt- und Begleitpersonen.

Caspar begrüßte, dass inzwischen rund 900 Personen wieder gelöscht wurden. Gleichwohl habe die Prüfung zahlreiche so schwere datenschutzrechtliche Mängel offenbart, dass nun eine formelle Beanstandung ausgesprochen worden sei. So wurden Daten eines 13-jährigen Kindes gespeichert, was aufgrund des Alters nicht zulässig sei. Außerdem fanden sich zahlreiche Kontakt- und Begleitpersonen in der Datei, obwohl die gesetzlich festgelegte Speicherdauer überschritten war.

Grote reagiert mit eigenem Beauftragten

Der zuständige Innensenator Andy Grote (SPD) versprach Besserung: "Es handelt sich bei den beschriebenen Missständen im Umgang mit der betreffenden Crime-Datei um einen schwerwiegenden Vorgang." Er habe die Polizei bereits aufgefordert, Defizite umgehend zu beseitigen. "Mit dem Polizeipräsidenten wurde zudem vereinbart, dass die Funktion eines eigenen Datenschutzbeauftragten der Polizei eingerichtet wird." Die Polizei teilte ebenfalls am Mittwoch mit, dass bei ersten Prüfungen Fehler in der Datei festgestellt worden seien. Polizeipräsident Meyer kündigte an, alle Datenbanken über gewaltbereite Fans überprüfen lassen.

Auch Handball- und Eishockey-Fans in der Datei

Angelegt wurde die Datei am 1. Juni 2006 - wenige Tage vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland. Der damalige Polizeipräsident habe die Einrichtung verfügt, teilte der Senat mit. Der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit sei darüber informiert worden. Auch die Daten von 30 Handball- und Eishockey-Fans sind in der Datei gelistet. Mit anderen Bundesländern oder der Bundespolizei werden die Informationen nach Angaben des Senats nicht ausgetauscht. Wer in der Datei geführt wird, erfährt davon in der Regel nichts. Es bestehe keine Pflicht, Betroffene zu informieren, heißt es in der Senatsantwort.

Weitere Informationen

Hamburger Polizei registriert gewalttätige Fans

Laut Senat führt die Hamburger Polizei seit über neun Jahren eine Datei über fast 2.200 gewaltbereite Fans. Die Polizei bestreitet jetzt, die Datei geheim gehalten zu haben. (17.01.2016) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 17.02.2016 | 13:00 Uhr