Stand: 11.09.2015 09:18 Uhr

Das Jugendamt Hamburg-Harburg in "Nahaufnahme"

Schlecht erreichbar, dauernd krank, völlig intransparent, fehlende Kontrollen: Das Bild, das Jugendämter in der Öffentlichkeit haben, ist negativ. Den Mitarbeitern eilt ein schlechter Ruf voraus. Bestehen diese Vorurteile zu Recht? NDR Info hat Mitarbeiter des Jugendamtes Hamburg-Harburg bei ihrer Arbeit begleitet und beobachtet. Die einzelnen Beiträge der daraus entstandenen Serie finden Sie auf dieser Seite.

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Auch bei der Arbeit am Schreibtisch steht für die Jugendamtsmitarbeiter immer das Kindeswohl im Mittelpunkt.

Grausame Vorfälle wie zuletzt der Tod des dreijährigen Mädchens Yagmur in Hamburg, das unter den Augen der Behörden von den Eltern zu Tode geprügelt wurde, haben das Vertrauen in die Behörden nicht gestärkt. Viele Jugendamtsmitarbeiter fühlen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Ihre Arbeit sei in der Realität viel komplexer und anspruchsvoller als viele Menschen wüssten.

Ist das Kindeswohl in Gefahr?

Für NDR Info hat das Jugendamt Hamburg-Harburg nun erstmals für eine Journalistin seine Türen geöffnet. Reporterin Kathrin Erdmann hat über mehrere Monate immer wieder eine junge Mitarbeiterin im sogenannten Eingangsmanagement begleitet. Dort werden alle eingehenden Meldungen geprüft, und geguckt, ob das Wohl eines Kindes in Gefahr ist. In akuten Fällen sollen die Mitarbeiter auch unangekündigte Hausbesuche machen.

Die Beiträge der Serie
02:41 min

Das Jugendamt als Paar-Therapeut

Das Jugendamt wird oft von außen als Kontroletti wahrgenommen. Dabei kommen auch viele Menschen dorthin, weil sie Hilfe brauchen. Kathrin Erdmann berichtet. Audio (02:41 min)

02:57 min

Überforderte Eltern: Der Sozialarbeiter soll es richten

Um die "kleinen" Fälle kümmert sich das Jugendamt nicht selbst. Dafür gibt es die sogenannten freien Träger. Sie sind flexibel und günstig. NDR Info hat die Zusammenarbeit beobachtet. Audio (02:57 min)

02:57 min

Überforderte Eltern: Zu Besuch bei einer Mutter

Das Wohl des Kindes ist ein hohes Gut, und wenn Eltern dies vernachlässigen, muss das Jugendamt einschreiten. Es soll kontrollieren und zugleich Vertrauen aufbauen. Audio (02:57 min)

03:00 min

Alarm im Jugendamt: Säugling in Gefahr

Wenn das Jugendamt davon ausgeht, dass in einem Fall das Kindeswohl akut in Gefahr ist, dann zögern die Mitarbeiter nicht: Sie machen sich auf den Weg zur betreffenden Familie. Audio (03:00 min)

02:37 min

Ein fast normaler Arbeitstag im Jugendamt

Die Mitarbeiter im Bereich Eingangsmanagement des Jugendamtes in Hamburg-Harburg überprüfen bei Meldungen, ob das Kindeswohl in Gefahr ist. NDR Info protokolliert einen Arbeitstag. Audio (02:37 min)

Das Vertrauen zurückgewinnen

Bei den Terminen mit den Mitarbeitern im Jugendamt hat Kathrin Erdmann ganz unterschiedliche Erlebnisse und Beobachtungen gemacht. Die Reporterin hat das Jugendamt zum Beispiel bei einem Besuch bei den Eltern eines Säuglings begleitet, der in völlig desolaten hygienischen Bedingungen aufwächst, und erfahren, wie in solch einem Fall Hilfe geleistet wird.

In einem anderen Fall, in dem das Jugendamt gefordert ist, ist eine Mutter von sechs Kindern im Haushalt ziemlich überfordert. Das Jugendamt setzt dort einen freien Träger ein, um helfen zu können. Der Sozialarbeiter ist nicht nur günstiger, er gewinnt auch eher das Vertrauen zur Mutter - und gibt ihr Selbstbewusstsein zurück.

Jugendamt als "neutrale Zone"

Manchmal ist das Jugendamt auch ein Ort, an dem ein Paar Dinge ansprechen kann, die es sich vielleicht zu Hause nicht zu sagen traut. NDR Info hat solch einen Fall aus der Nähe miterlebt: Da wird die Mitarbeiterin des Jugendamts Zeugin eines handfesten Ehekrachs und muss dann versuchen, die beiden wieder zusammen zu führen - zum Wohl des Kindes.

Ganz profan wirkt daneben eine Situation in einem Büro im Jugendamt, als plötzlich der Computer streikt und so wertvolle Arbeitszeit verloren geht.

Lücken im System

Die "Nahaufnahme" aus dem Jugendamt in Hamburg-Harburg zeigt die Lebenswirklichkeit vieler Menschen um uns herum. Schon kleine Dinge reichen oftmals aus, um daran zu zerbrechen oder mit ihnen überfordert zu sein. Gleichzeitig verdeutlicht der Blick ins Innere der Jugendamts-Welt aber auch, dass es Lücken im System und strukturelle Probleme gibt, die gefüllt beziehungsweise gelöst werden müssen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 11.09.2015 | 07:20 Uhr