Stand: 14.02.2016 14:05 Uhr

Sammlerstück: Letzter Beate-Uhse-Katalog

von Katja Scherer
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1951 gründete Beate Uhse ihr Versandhaus. Der Beate-Uhse-Katalog (Archivbild) war anfangs umstritten, aber erfolgreich - bis das Internet kam.

Der Katalog gehörte zu Beate Uhse wie die nackten Playmates zum "Playboy". Doch die Zeiten ändern sich. Im amerikanischen "Playboy" sind Playmates nur noch leicht verhüllt zu sehen und bei Beate Uhse wird der Katalog abgeschafft - am Valentinstag erschien die letzte Ausgabe. Die Gründe sind wirtschaftlicher Natur. "Weil wir einfach feststellen mussten, dass das klassische Kataloggeschäft weniger wird", sagt Beate-Uhse-Deutschlandchefin Nicola Schumann. Die Konkurrenz aus dem Netz hat das Kataloggeschäft unrentabel gemacht.

Imageproblem belastet das Filialgeschäft

Doch nicht nur das Kataloggeschäft kriselt. Für das vergangene Jahr erwartet das Unternehmen, das seinen Hauptsitz 2015 von Flensburg nach Hamburg verlegte, insgesamt einen Verlust bis zu 15 Millionen Euro. Als Folge werden Filialen geschlossen und weltweit rund 150 Stellen abgebaut. Das Unternehmen hat ein Imageproblem. Bei Beate Uhse denken viele an schummrige Läden in Bahnhofsnähe. Die Hamburger Sexualtherapeutin Bianca Schütte erklärt, warum viele ihrer Patienten die Geschäfte meiden: "Scham und die Angst, gesehen zu werden, spielen eine Rolle. Und auch der Schmuddel-Touch dieser Geschäfte."

Konkurrenz aus dem Internet macht Firma zu schaffen

Dank des Internets müssen Kunden nicht mehr zum Katalog greifen oder in schummrige Läden gehen. Porno-Filme sind heutzutage anonym und teils kostenlos zugänglich, Sexspielzeug kann per Mausklick bestellt werden. Und im Netz wimmelt es vor Konkurrenz, Erotik-Online-Shops wie Amorelie oder Eis.de geben sich größte Mühe, bei ihren Werbekampagnen im Fernsehen und auf der Straße seriös zu wirken. Jünger, frecher, digitaler - das will auch Beate Uhse werden. Das Unternehmen setzt inzwischen auf Frauen und Paare, nicht mehr auf Männer als Zielgruppe.

Neue Online- und Fililalstrategie

Die Einsparungen im Kataloggeschäft will Deutschlandchefin Schumann unter anderem in einen neuen Online-Auftritt stecken: "Wir werden ein Kunden-Loyalty-Programm einsetzen, wir haben eine neue Online-Plattform, die wir ins Leben rufen werden, und setzen natürlich ganz viel auf die Sozialen Medien." Auch neue Läden will das Unternehmen eröffnen: helle, saubere Boutiquen in zentraler Lage - ganz ohne Schmuddel-Image.

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Übrigens ging es der 2001 verstorbenen Firmengründerin und Namensgeberin Beate Uhse anfangs gar nicht um Sex, sondern um Verhütung. In den 40er Jahren druckte die gebürtige Ostpreußin Uhse Handzettel, auf denen sie Frauen darüber aufklärte, wie man durch Tage zählen (die sogenannte Knaus-Ogino-Methode) eine Schwangerschaft verhindern kann. Rückblickend sagte sie: "Man darf nicht vergessen: Damals war die Pille noch nicht erfunden und Kondome gab es nicht. Es gab nicht nur kein Brot und keine Butter, sondern es gab eben auch keine Verhütungsmittel."

Kirche leistete anfangs großen Widerstand

1951 gründete sie das "Versandhaus Beate Uhse" und begann Kondome und Bücher für die sogenannte "Ehehygiene" zu verkaufen. Später kamen immer mehr Sexspielzeuge und Pornos dazu. Der Widerstand der katholischen Kirche war groß, erinnerte sich die Unternehmerin: "Die Leute wurden aufgefordert, in die Kirche zu kommen, wenn sie im Briefkasten eine Werbesendung von Beate Uhse finden. In der Sakristei lägen Anzeigeformulare, die man nur auszufüllen brauche." Mehr als 2.000 Anzeigen gingen bis Anfang der neunziger Jahre ein.

Dem Wachstum der Firma tat das keinen Abbruch. Zeitweise beschäftigte die Unternehmerin bis zu 1.500 Mitarbeiter. Doch dann kam das Internet - und mit ihm die größte Herausforderung.

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