Stand: 16.05.2017 14:45 Uhr

Container-Riese in Hamburg - und weitere folgen

Sie ist das größte Frachtschiff, das der Hamburger Hafen je gesehen hat: Am Montagabend hat die "MOL Triumph" am Burchardkai festgemacht. Mit einer Länge von 400 Metern ist das Containerschiff eines der größten weltweit. Der Frachter aus der Flotte der japanischen Reederei Mitsui O.S.K. Lines ist erst vor zwei Monaten vom Stapel gelaufen und besucht die Hansestadt nun auf seiner Jungfernfahrt. "Dieser Erstanlauf unterstreicht die erfolgreiche Beziehung zu unserem langjährigen Kunden MOL", sagte HHLA-Vorstand Jens Hansen am Dienstag.

Das Mega-Containerschiff "MOL Triumph" läuft in den Hamburger Hafen ein.

Mega-Containerschiff macht in Hamburg fest

Hamburg Journal -

Mit der "MOL Triumph" hat einer der weltgrößten Frachter in Hamburg festgemacht. Der Gigant verdeutlicht aber auch die Probleme des Hafens mit dem Trend zu immer größeren Schiffen.

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Und der Hafen bereitet sich in den kommenden Monaten auf weitere Containerschiffe dieser Größe vor. Die Reederei MOL lässt derzeit fünf Schwesterschiffe der "MOL Triumph" bauen. "Sie werden im Rahmen der neuen Reedereiallianz 'The Alliance' zwischen Asien und Europa eingesetzt", erklärte Jan Holst, Nordeuropa-Direktor von MOL. "Das ist nun natürlich ein Volumenquantensprung für uns, der die gesamte Organisation gefordert hat. In Europa haben wir in jedem Hafen neue Mitarbeiter eingestellt, 13 allein in Hamburg." Trotz Verzögerungen bei der Elbvertiefung, trotz Klagen gegen die Westerweiterung: Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) freut sich darüber. "Wir sind hier auf diese Schiffe vorbereitet - und wir werden uns noch ganz entscheidend verbessern", sagte Horch NDR 90,3.

Container-Riesen stellen ein Problem für Hamburg dar

Die "MOL Triumph" hat eine Kapazität von 20.170 Standardcontainern (TEU). Der aktuelle Rekordhalter unter den Containerriesen ist "Madrid Maersk" mit 20.568 TEU Tragfähigkeit. Doch dieses Schiff wird nicht lange an der Spitze stehen. In wenigen Wochen geht die "OOCL Hong Kong" in Dienst, mit 21.100 TEU. Der Hamburger Hafen allerdings ist für Schiffe dieser Größe nicht ausgelegt, denn die Elbe ist dafür zu flach. Daher war die "MOL Triumph" nur zur Hälfte beladen, als sie Hamburg erreichte. Nach einer Elbvertiefung könnte das Schiff rund 1.800 Container mehr mitnehmen, sagte Holst. "Wir lassen momentan in Hamburg Möglichkeiten liegen, die wir gerne wahrnehmen würden."

Flüssiggas statt Landstrom

Eine Versorgung von Frachtschiffen mit Landstrom - wie sie Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) in seinem gerade vorgelegten Luftreinhalteplan anstrebt - ist für die "MOL Triumph" kein Thema. Stattdessen setzt die Reederei auf alternative Energieversorgung mit Flüssiggas. Holst: "Wir testen das gerade, damit wir das auf See und an Land nutzen können." Durch die deutlich höhere Ladekapazität in Verbindung mit modernster Umwelttechnologie weise die "MOL Triumph" pro Container einen etwa 25 bis 30 Prozent niedrigeren Kraftstoffverbrauch und geringere CO2-Emissionen im Vergleich zu einem 14.000-TEU-Containerschiff auf.

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Zu hoch für die Köhlbrandbrücke

Die "MOL Triumph" ist mit 400 Metern zu lang, um außerhalb des Hamburger Hafens wenden zu können. Daher galten auf der Fahrt dorthin Begegnungsverbote mit anderen großen Schiffen. Ab Windstärke sechs gilt für Schiffe dieser Größe ein Fahrtverbot im Elbfahrwasser, da ihr Rumpf wie ein gewaltiges Segel wirkt. Die gigantischen Ausmaße des Frachters haben einen weiteren Haken: Er passt nicht unter der Köhlbrandbrücke im Hamburger Hafen hindurch. Deswegen konnte er nicht am hochmodernen Terminal in Altenwerder abgefertigt werden, sondern legte am Burchardkai an. Das dortige Containerterminal arbeitet zwar noch nicht weitgehend automatisiert, wie das Terminal in Altenwerder, ist aber dennoch bestens ausgestattet, um Frachter dieser Größenordnung abzufertigen. Es verfügt über 13 Brücken, die für Containerschiffe mit bis zu 24 Containerreihen ausgelegt sind. 6.000 Container werden dort gelöscht und 3.200 neu geladen.

Mit der neuen Fracht soll es für die "MOL Triumph" am Donnerstag über Rotterdam wieder zurück nach Asien gehen. Sie wird zukünftig im Liniendienst zwischen China und Europa unterwegs und alle sieben bis acht Wochen im Hamburger Hafen zu Gast sein. Mitte Juli wird dann das erste Schwesterschiff in Hamburg erwartet.

Containerschiffe werden immer größer

Die Größe der Frachter auf den Weltmeeren ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Über die Auswirkungen der immer größer werdenden Schiffe auf den Hamburger Hafen wird insbesondere vor dem Hintergrund der umstrittenen Elbvertiefung viel diskutiert. Umweltschützer kritisierten im Vorwege die Einfahrt so großer Schiffe in die Elbe. Andere Verbände bezeichneten die geplante Elbvertiefung angesichts der "MOL Triumph" als überflüssig, wenn selbst eines der größten Containerschiffe der Welt den Hamburger Hafen ohne zusätzliche Baggerarbeiten anlaufen könne.

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Hinweis der Redaktion: In einer vorherigen Version dieses Artikels hieß es: "Die 'Madrid Maersk' wird gerade fertiggestellt." Richtig ist, dass das Schiff bereits fertiggestellt wurde und auf See unterwegs ist. Wir danken den aufmerksamen Lesern für den Hinweis.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 16.05.2017 | 17:00 Uhr

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