Stand: 05.05.2015 14:19 Uhr

City-Hof: Sanierungsplan in Bieter-Endrunde

von Marc-Oliver Rehrmann, NDR.de
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Zurzeit nutzt das Bezirksamt Hamburg-Mitte den City-Hof als Bürohaus - für 2017 ist der Auszug geplant.

Die Stadt Hamburg hat überraschend ihr Schweigen über den City-Hof am Hauptbahnhof gebrochen: Erstmals teilte die Finanzbehörde Details über die eingegangenen Gebote von Investoren für das Grundstück mit, auf dem die vier markanten Hochhäuser stehen. Bis zum Februar 2015 konnten Interessenten ihre Pläne einreichen, nun hat die Stadt drei Vorhaben in die engere Auswahl genommen. Insgesamt waren 16 Gebote eingegangen, zwei Bewerber wurden "aufgrund nicht ausreichender Unterlagen vom weiteren Verfahren ausgeschlossen".

Neubau oder Sanierung?

Von den verbliebenen 14 Entwürfen sahen acht einen Neubau vor und sechs eine denkmalgerechte Sanierung vor. Die Stadt hat nun die drei bestplatzierten Bewerber zu inhaltlichen Aufklärungsgesprächen und Verhandlungen eingeladen. Nicht alle dieser Entwürfe sehen einen Neubau vor. "Unter den verbliebenen Geboten finden sich sowohl die 'denkmalgerechte Sanierung' als auch der 'Abriss und Neubau'", teilte die federführende Finanzbehörde am Montag mit - ohne weitere Einzelheiten zu nennen. Im kommenden Sommer soll das Verfahren abgeschlossen sein.

Ein Rundgang durch die City-Hochhäuser

Abriss-Gegner sind zuversichtlich

Die Abriss-Gegner von der Initiative City-Hof werten die Neuigkeiten aus dem Bieterverfahren als positiv. "Dass fast genau so viele Gebote für einen Erhalt wie für den Abriss eingegangen sind, zeigt doch, dass eine Sanierung des City-Hofs wirtschaftlich machbar ist", sagte Initiativen-Sprecher Marco Alexander Hosemann am Dienstag im Gespräch mit NDR.de. "Sonst hätten die Projektentwickler ja solche Gebote nicht abgegeben." Hosemann ist angesichts der Entwicklung in den vergangenen Wochen zuversichtlich, dass sich die Stadt am Ende für eine Sanierung der Hochhäuser aussprechen wird. "Die Entscheidungsträger merken nun, dass es keine haltbaren Argumente gibt, die einen Abriss legitimieren würden", sagt der Architektur-Student. Die Abriss-Gegner hätten zuletzt immer mehr Rückenwind bekommen.

Allein eine Frage des Geldes?

Fraglich ist, ob die Pläne für einen Erhalt des City-Hofs eine realistische Chance haben, sich gegen die Abriss-Gebote durchzusetzen. Unter Experten gilt es als ausgemacht, dass ein Investor mit Neubau-Plänen der Stadt ein höheres Kaufangebot für das Grundstück machen kann als ein Projektentwickler, der auf eine Sanierung setzt. Zudem hat die Stadt bereits signalisiert, dass der Denkmalschutz-Status kein Hindernis für einen Abriss des City-Hofs sei.

Der City-Hof

Der City-Hof ist einer der markantesten Nachkriegsbauten in Hamburg. Die vier Türme, auch City-Hochhäuser genannt, wurden von 1956 bis 1958 erbaut. Die Pläne stammen von dem Hamburger Architekten Rudolf Klophaus (1885-1957). Der City-Hof galt bei seiner Fertigstellung als moderner Bau: Es waren die ersten Hochhäuser in der Innenstadt nach 1945. Sie stehen seit 2013 unter Denkmalschutz. Der Stadt gehört das Grundstück seit 2006.

Streit in den Behörden: "Wie auf einem Schulhof"

Die beteiligten Akteure in den Behörden sind aber offenbar in zwei Lager gespalten: in Abriss-Gegner und in Neubau-Befürworter. Nach Informationen des "Hamburger Abendblattes" gibt es massive Meinungsverschiedenheiten zwischen Oberbaudirektor Jörn Walter und Denkmalschutzchef Andreas Kellner, die in den Sitzungen zum Teil heftig ausgetragen worden sein sollen. "Manchmal hatte man den Eindruck, man ist auf einem Schulhof", zitiert die Zeitung einen nicht näher genannten Teilnehmer der Sitzungen. Oberbaudirektor Walter ist kein Fürsprecher des City-Hofs. Er findet, die Nachkriegsbauten passten nicht zum Kontorhaus-Viertel mit dem weltberühmten Chile-Haus.

Die Sache mit dem Welterbe-Titel

Mitte April hatte der Internationale Rat für Denkmalpflege (ICOMOS) die Stadt Hamburg aufgefordert, von einem Abbruch des City-Hofs abzusehen. In einem offenen Brief an den Ersten Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) heißt es, ein Abriss des Baudenkmals würde die Chancen auf eine erfolgreiche Bewerbung um den Unesco-Welterbe-Status für das benachbarte Kontorhausviertel erheblich mindern. Bis heute bilde der City-Hof ein Ensemble mit dem Kontorhausviertel.

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Bis 1977 hatten die City-Hochhäuser eine helle, elegante Fassade - heute ist sie hinter grauen Platten versteckt.

Der City-Hof des Architekten Rudolf Klophaus stammt aus den 1950er-Jahren. Ein Abriss der vier heruntergekommenen Hochhäuser ist seit Jahrzehnten im Gespräch. Der Stadt gehört das Grundstück seit 2006.

Videos
03:37

Schlechtes Image: Hamburger Nachkriegsarchitektur

26.10.2014 19:30 Uhr
Hamburg Journal

Als die City-Hochhäuser 1958 eingeweiht wurden, galten sie als Vorboten der Moderne. Heute sehen viele Hamburger das Ensemble als Schandfleck- so wie andere Nachkriegsbauten. Video (03:37 min)

Dieses Thema im Programm:

01.03.2016 | 19:30 Uhr

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