Stand: 04.11.2015 18:50 Uhr

City-Hochhäuser: Entscheidung für Abriss-Investor

von Marc-Oliver Rehrmann, NDR.de
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Die City-Hochhäuser aus den 50er-Jahren sind die ersten Hochhäuser in der Hamburger Innenstadt gewesen.

Für viele Denkmalschützer ist es eine bittere Nachricht. Eine Nachricht, die allerdings nicht überraschend kommt: Die Stadt Hamburg hat sich im City-Hof-Gebotsverfahren für einen Investor entschieden, der die vier denkmalgeschützten Hochhäuser am Hauptbahnhof abreißen will. Wie die Finanzbehörde am Dienstag mitteilte, erhält das Hamburger Immobilien- und Bauunternehmen Aug. Prien den Zuschlag. "Das Konzept des Aug. Prien-Konsortiums hat sich hinsichtlich städtebaulicher, gestalterischer und nutzungskonzeptioneller Qualität als das beste herausgestellt", teilte die Behörde am Dienstag mit. Den Kaufpreis will sie nicht nennen.

"Ein neues Eingangstor zur Innenstadt"

Auch Jan Petersen aus der Chefetage von Aug. Prien hält sich bei der Höhe des Gebots bedeckt, wie NDR 90,3 berichtete. Das Areal am Klosterwall werde zum neuen Eingangstor zur Innenstadt und zwar in sensibler Nähe zum Weltkulturerbe rund um das Kontorhausviertel mit dem Chilehaus, sagte Geschäftsführer Petersen. Das Immobilienunternehmen dementierte am Dienstag einen Medienbericht, wonach mit dem Bauer-Verlag bereits ein Mieter für den Neubau in Sicht sei. Vorgesehen sind offenbar ein Hotel, Wohnungen und Büroflächen.

Ein Rundgang durch die City-Hochhäuser

Bürgerschaft soll entscheiden - aber was?

Eine Hoffnung bleibt noch für die Abriss-Gegner. Denn die Politik soll das letzte Wort haben. Die Finanzbehörde teilte mit: Sie wolle dem Senat vorschlagen, den Verkauf des Klosterwall-Grundstücks "wegen der besonderen gesamtstädtischen Bedeutung" der Hamburgischen Bürgerschaft zur Entscheidung vorzulegen. Die genaue Fragestellung ist laut Behörde noch unklar. "Soll die Bürgerschaft die auserwählte Abriss-Variante abnicken oder erneut eine Grundsatzentscheidung zum Verkauf treffen?", fragt Norbert Hackbusch, kulturpolitischer Sprecher der Linken-Fraktion. Er kritisiert, der Senat wolle den Abriss des City-Hofs unbedingt und schaffe jetzt einfach Fakten. "Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die sich für eine denkmalgerechte Lösung einsetzen", sagte Hackbusch. Er fordert eine öffentliche Diskussion über die Zukunft des City-Hofs.

"Es ist notwendig und richtig, dass das Thema City-Hof in die Bürgerschaft kommt", findet Birgit Stöver, die Sprecherin für Stadtentwicklung in der CDU-Fraktion. Sie rechnet aber nicht mehr mit einem Erhalt des Baudenkmals. "Das ist schade. Aber wenn man sich die Mehrheiten in der Bürgerschaft anschaut, ist da wohl nichts mehr zu machen", sagte Stöver.

Die Bürgerschaftsfraktion der Grünen sieht dringenden Klärungsbedarf über den Abriss. Sie fordert, die Entscheidung der Stadt zu überdenken und die Bürgerschaft beschließen zu lassen. Vor allem will sie alle Investoren-Angebote öffentlich machen, wie NDR 90,3 am Mittwoch berichtete.

Der City-Hof

Der City-Hof ist einer der markantesten Nachkriegsbauten in Hamburg. Die vier Türme, auch City-Hochhäuser genannt, wurden von 1956 bis 1958 erbaut. Die Pläne stammen von dem Hamburger Architekten Rudolf Klophaus (1885-1957). Der City-Hof galt bei seiner Fertigstellung als moderner Bau: Es waren die ersten Hochhäuser in der Innenstadt nach 1945. Sie stehen seit 2013 unter Denkmalschutz. Der Stadt gehört das Grundstück seit 2006.

Letztes Sanierungskonzept im September ausgeschieden

Zuletzt waren noch zwei Bieter im Rennen - beide setzten auf einen Neubau. Anfang September hatte die Stadt mitgeteilt, dass der einzig verbliebene Bieter, der auf eine Sanierung der Hochhäuser setzt, aus dem laufenden Verfahren ausgeschlossen worden sei. Der Projektentwickler sei "wegen erheblicher Abweichungen von den vorgegebenen Vertragsbedingungen nicht weiter bewertet" worden, heißt es in der aktuellen Pressemitteilung vom Dienstag. Einzelheiten will die Behörde nicht nennen. "Dem Projektentwickler ist selbst klar, dass er nicht weiter berücksichtigt werden konnte", sagte Finanzbehörden-Sprecher Daniel Stricker auf Anfrage von NDR.de. Einen formalen, juristischen Widerspruch gebe es nicht. "Das Konsortium hat lediglich durch öffentliche Stimmungsmache versucht, die Entscheidung infrage zu stellen."

Architekt Marg spricht von Skandal

Der Hamburger Architekt Volkwin Marg hatte nach der Entscheidung im September von einem Skandal gesprochen. Sein international renommiertes Büro gmp hat den besagten Sanierungsplan für die City-Hochhäuser ausgearbeitet. "Die Stadt will mit formaljuristischen Tricks geltendes Recht brechen", sagte Marg. Das Denkmalschutz-Gesetz schreibe unmissverständlich vor, dass ein Denkmal nur abgerissen werden dürfe, wenn eine Sanierung wirtschaftlich unzumutbar sei. Der Projektentwickler hat nach eigenen Angaben ein finales Gebot für das Grundstück in Höhe von 31,8 Millionen Euro eingereicht. Der Sanierungsplan sieht vor, die bestehenden Büros in Wohnungen umzuwandeln: 310 Wohnungen mit ein bis zweieinhalb Zimmern könnten entstehen.

Ursprünglich hatte es 16 Gebote gegeben, zwei von ihnen waren ungültig. Sechs Gebote sahen eine Sanierung vor, acht einen Abriss. Die Stadt hatte in ihrer Ausschreibung ein Mindestgebot von 20 Millionen Euro gefordert.

Initiative City-Hof steckt nicht auf

Die Initiative City-Hof kritisiert die Abriss-Pläne. "Es ist unglaubwürdig, sich mit dem Kontorhausviertel für den Titel UNESCO-Weltkulturerbe zu bewerben und ein Denkmal in direkter Nachbarschaft dem Abriss freizugeben", sagte Initiativen-Sprecher Marco Alexander Hosemann am Dienstag auf Anfrage von NDR.de. Zudem verspiele die Stadt die Chance auf Wohnraum mit erschwinglichen Mieten in der Innenstadt. Die Initiative will weiter für einen Erhalt der vier Hochhäuser kämpfen - "wenn nötig, bis zum Tag des Abrisses".

"Erheblicher Ansehensverlust für Hamburg"

Vor knapp einer Woche hatte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) in einem offenen Brief aufgefordert, den City-Hof zu erhalten. Ein Abriss würde "ohne Frage einen erheblichen Ansehensverlust für Hamburg bedeuten" und wäre "ein höchst zweifelhaftes Zeugnis kulturellen Unverständnisses". Mitte April hatte bereits der Internationale Rat für Denkmalpflege (ICOMOS) die Stadt Hamburg aufgefordert, von einem Abbruch des City-Hofs abzusehen. Hamburgs Oberbaudirektor Jörn Walter hingegen ist kein Fürsprecher des City-Hofs. Er findet, die Nachkriegsbauten passten nicht zum Kontorhaus-Viertel, das seit dem Sommer zu den UNESCO-Welterbestätten zählt.

Abriss frühestens 2017

Das Bezirksamt Hamburg-Mitte ist derzeit der Hauptmieter in den Hochhäusern. Der Auszug ist für 2017 geplant. Dann könnte der Abriss erfolgen. Das Unternehmen Aug. Prien rechnet mit einer Bauzeit von rund drei Jahren. Was auf dem Gelände des City-Hofs gebaut werden soll, könnte - im Fall einer endgültigen Abriss-Entscheidung - Mitte kommenden Jahres durch einen städtebaulichen Wettbewerb geklärt werden.

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Hamburg Journal

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