Stand: 14.09.2015 17:36 Uhr

City-Hof: Abriss-Gegner lassen nicht locker

von Marc-Oliver Rehrmann, NDR.de
Bild vergrößern
Mit einem Abbruchbagger macht die Initiative City-Hof schon mal vor, wie ein Abriss der Hochhäuser aussehen könnte.

Die Abriss-Gegner denken nicht daran, ihren Protest zu beenden: Sie wollen weiter für den Erhalt der denkmalgeschützten City-Hochhäuser am Hamburger Hauptbahnhof kämpfen. Am Sonntagabend - am Tag des offenen Denkmals - begannen sie in einer ironischen Aktion mit dem symbolischen Abriss der heruntergekommenen 50er-Jahre-Bauten. Mit einen tonnenschweren Abbruch-Bagger, Brecheisen und Handsäge taten die Unterstützer der "Initiative City-Hof" so, als ob sie den Abriss-Plänen zuvorkommen wollten. Aber letztlich ging es darum, ein Signal an die Stadt zu senden: Wir geben so schnell nicht auf!

City-Hof: So sieht der Sanierungsplan aus

"Die Stadt bricht mit Tricks geltendes Gesetz"

Anfang des Monats hatte die Stadt überraschend mitgeteilt, dass der einzig verbliebene Bieter, der auf eine Sanierung der Hochhäuser setzt, aus dem laufenden Verfahren ausgeschlossen worden sei. Der Projektentwickler habe sich an gewisse Angebotsbedingungen nicht gehalten, heißt es knapp in der entsprechenden Pressemitteilung. Der Hamburger Architekt Volkwin Marg spricht von einem Skandal. Sein international renommiertes Büro gmp hatte den Sanierungsplan für die City-Hochhäuser ausgearbeitet. "Die Stadt will mit formaljuristischen Tricks geltendes Recht brechen", sagte Marg am Montag im Gespräch mit NDR.de. Das Denkmalschutz-Gesetz schreibe unmissverständlich vor, dass ein Denkmal nur abgerissen werden dürfe, wenn dies wirtschaftlich unzumutbar sei.

Der City-Hof

Der City-Hof ist einer der markantesten Nachkriegsbauten in Hamburg. Die vier Türme, auch City-Hochhäuser genannt, wurden von 1956 bis 1958 erbaut. Die Pläne stammen von dem Hamburger Architekten Rudolf Klophaus (1885-1957). Der City-Hof galt bei seiner Fertigstellung als moderner Bau: Es waren die ersten Hochhäuser in der Innenstadt nach 1945. Sie stehen seit 2013 unter Denkmalschutz. Der Stadt gehört das Grundstück seit 2006.

Bietergemeinschaft wehrt sich gegen die Stadt

Das Gebot der Bietergemeinschaft, für die gmp Architekten den Entwurf erarbeitete, zeige aber, dass sich eine Sanierung sehr wohl rechne, sagte Marg. "Die Stadt hat in ihrer Ausschreibung ein Mindestgebot von 20 Millionen Euro gefordert, da liegen wir mit unserem finalen Gebot von 31,8 Millionen Euro deutlich drüber." Zudem habe das Denkmalschutzamt nichts an dem Entwurf auszusetzen gehabt. Den Ausschluss aus dem Verfahren wolle die Bietergemeinschaft nicht einfach hinnehmen: Sie habe bereits Widerspruch gegen die Entscheidung der Stadt eingelegt, erklärte Marg.

Download

Der Sanierungsplan von gmp Architekten

Hier finden Sie den kompletten Sanierungsplan des Hamburger Architektur-Büros gmp für den City-Hof - als PDF-Datei. Download (2 MB)

Noch zwei Bieter im Rennen

Die zuständige Finanzbehörde teilte auf Anfrage von NDR.de mit, der ausgeschlossene Bieter habe sein finales Gebot nur unter dem Vorbehalt gewisser Änderungen abgegeben. "Und durch diese Vorbehalte ist die Vergleichbarkeit mit den beiden anderen Bietern nicht mehr gewährleistet gewesen", sagte eine Sprecherin der Behörde am Montag. Nähere Einzelheiten wollte sie - mit Verweis auf das laufende Verfahren - nicht nennen. Der Gewinner solle im Herbst bekannt gegeben werden. Zwei Bieter sind noch im Rennen - beide setzen auf einen Abriss. 16 Gebote waren anfangs eingegangen, von denen sieben eine Sanierung vorsahen. Drei Gebote schafften es im Mai in die engere Auswahl.

Initiative: Jetzt werden wir richtig laut

Bild vergrößern
Marco Alexander Hosemann hält einen Abriss der denkmalgeschützten City-Hochhäuser für einen großen Fehler.

Die Initiative City-Hof ihrerseits fordert nun eine komplett neue Ausschreibung - in der nur noch Gebote für einen Erhalt der City-Hochhäuser eingereicht werden dürften. "Das laufende Verfahren hat gezeigt, dass eine Lösung im Sinne des Denkmalschutz-Gesetzes durchaus möglich ist", sagte Initiativen-Sprecher Marco Alexander Hosemann. "Jetzt werden wir erst richtig laut. Solange die City-Hochhäuser stehen, werden wir auch kämpfen." Den Abriss-Befürwortern gingen langsam die Argumente aus.

Zu teuer? Zu marode? Lieber Wohnungen?

In der Tat ist immer wieder von Politikern der Allgemeinsatz zu hören: Eine Sanierung der City-Hochhäuser sei wirtschaftlich nicht machbar. Zu ihnen zählt der Leiter des Bezirksamts Hamburg-Mitte, Andy Grote (SPD). Er belegt zurzeit mit seiner Behörde die allermeisten Büros in den City-Hochhäusern. Der Auszug ist für 2017 geplant. Andere Abriss-Befürworter führen an, dass die Bausubstanz zu marode sei. Aber auch diese Behauptung lässt sich offenbar nicht halten. Denn die Bietergemeinschaft, die eine Sanierung vorschlägt, hat die Bausubstanz untersuchen lassen - und sich dadurch nicht von einem Gebot abschrecken lassen.

Manche Politiker forderten darüber hinaus, dass die bestehenden Büro-Hochhäuser abgerissen werden sollten, um dort Wohnungen zu bauen. Aber der Sanierungsplan von gmp Architekten sieht gerade vor, die Büros in Wohnungen umzuwandeln: So sollen 310 Wohnungen mit ein bis zweieinhalb Zimmern entstehen - darunter auch viele sozial geförderte Wohneinheiten.

City-Hochhäuser stehen neben Welterbe-Bauten

Zusätzliche Brisanz erhält die Diskussion über die Zukunft der City-Hochhäuser durch den jüngst verliehenen UNESCO-Welterbe-Titel für das angrenzende Kontorhausviertel mit dem Chilehaus. Die City-Hochhäuser liegen in der sogenannten Pufferzone der Welterbe-Bauten. Zudem hatte City-Hof-Architekt Rudolf Klophaus vor dem Zweiten Weltkrieg bereits vier Gebäude im Kontorhaus-Viertel entworfen - in ganz anderen Baustilen. Mitte April hatte der Internationale Rat für Denkmalpflege (ICOMOS) die Stadt Hamburg aufgefordert, von einem Abbruch des City-Hofs abzusehen. Hamburgs Oberbaudirektor Walter hingegen ist kein Fürsprecher des City-Hofs. Er findet, die Nachkriegsbauten passten nicht zum Kontorhaus-Viertel mit seinen markanten roten Klinker.

City-Hochhäuser sollen abgerissen werden

Herber Rückschlag für die Abriss-Gegner: Beim Verfahren über die Zukunft der denkmalgeschützten City-Hochhäuser am Klosterwall hat die Stadt Hamburg das letzte Sanierungskonzept verworfen. (02.09.2015) mehr

City-Hochhäuser: Neugestaltung statt Abriss?

Architektur-Studenten haben überlegt, wie die denkmalgeschützten City-Hochhäuser in Hamburg vor dem Abriss gerettet werden könnten. Die besten Entwürfe sind nun ausgezeichnet. (25.02.2015) mehr

03:37 min

Schlechtes Image: Hamburger Nachkriegsarchitektur

26.10.2014 19:30 Uhr
Hamburg Journal

Als die City-Hochhäuser 1958 eingeweiht wurden, galten sie als Vorboten der Moderne. Heute sehen viele Hamburger das Ensemble als Schandfleck- so wie andere Nachkriegsbauten. Video (03:37 min)