Stand: 25.02.2015 21:12 Uhr

City-Hochhäuser: Neugestaltung statt Abriss?

von Marc-Oliver Rehrmann, NDR.de

Abriss oder Neugestaltung? Seit Monaten tobt in der Hamburger Architektur-Szene und Politik der Streit darüber, ob die grauen City-Hochhäuser am Hauptbahnhof abgerissen werden sollen - oder als wichtiges Beispiel der Nachkriegsarchitektur erhalten werden können. Die Stadt will das Grundstück verkaufen und hat den Investoren bereits einen Abriss angeboten. Dabei steht das Gebäude-Ensemble aus den 50er-Jahren unter Denkmalschutz. Dass eine Neugestaltung der Bürotürme viele Chancen bietet, zeigt nun der Architektur-Wettbewerb der Rudolf Lodders Stiftung. Die besten Entwürfe hat die Stiftung am Montagabend prämiert - mit Preisgeldern in Höhe von insgesamt 15.000 Euro.

 

Der City-Hof

Der City-Hof ist einer der markantesten Nachkriegsbauten in Hamburg. Die vier Türme, auch City-Hochhäuser genannt, wurden von 1956 bis 1958 erbaut. Die Pläne stammen von dem Hamburger Architekten Rudolf Klophaus (1885-1957). Der City-Hof galt bei seiner Fertigstellung als moderner Bau: Es waren die ersten Hochhäuser in der Innenstadt nach 1945. Sie stehen seit 2013 unter Denkmalschutz. Der Stadt gehört das Grundstück seit 2006.

Ladenpassage hat offenbar keine Zukunft

Architektur-Studenten aus ganz Deutschland hatten mehr als 70 Pläne eingereicht. "Die Entwürfe zeigen, dass wir die City-Hochhäuser erhalten können", sagte Anna Katharin Zülch von der Rudolf Lodders Stiftung bei der Preisverleihung. Ziel sei, die öffentliche Diskussion über das Ensemble zu befeuern. Gewünscht war für den Wettbewerb weniger eine "originalgetreue Rekonstruktion des ursprünglichen Zustands" als vielmehr "ein phantasievoller Umgang mit dem Erbe der Vergangenheit". In der Tat sind in den prämierten Entwürfen die bestehenden vier Hochhäuser mitunter kaum wiederzuerkennen. Die meisten Architektur-Studenten haben die trostlose Ladenpassage im Erdgeschoss aufgegeben.

Finanzbehörde: Schweigen über Investoren-Gebote

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So haben die City-Hochhäuser ausgesehen - bevor die helle Fassade in den 70er-Jahren verkleidet wurde.

Bislang nutzt das Bezirksamt Mitte die vier Hochhäuser. Doch das Bezirksamt will Mitte 2017 ausziehen - in einen Teil des Springer-Verlagsgebäudes an der Caffamacherreihe. Deshalb sucht die Stadt eine neue Nutzung für das Gelände. Die Ausschreibung für mögliche Investoren ist seit drei Wochen beendet. Nun prüfen die zuständigen Hamburger Behörden und das Bezirksamt Mitte die eingegangenen Gebote. "Erst wenn die Entscheidung für ein Gebot gefallen ist, werden wir die Öffentlichkeit informieren", teilte Finanzbehörden-Sprecher Daniel Stricker auf Anfrage von NDR.de mit. Dies werde voraussichtlich im Juni oder Juli 2015 der Fall sein. Bis dahin gibt sich die Behörde bedeckt: Sie nennt weder die Anzahl der Gebote noch Einzelheiten, ob auch Pläne für einen Erhalt des City-Hofs vorliegen.

Nach Information von NDR.de haben Projektentwickler für die Ausschreibung auch Pläne für den Erhalt der Hochhäuser ausgearbeitet. Insider gehen aber davon aus, dass Investoren mit Abriss-Plänen einen höheren Kaufpreis bieten.

Ausstellung im Kunsthaus

Im Kunsthaus am Klosterwall - direkt gegenüber dem City-Hof - sind alle Entwürfe des Architektur-Wettbewerbs bis zum 15. März zu sehen. Die Ausstellung ist dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

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