Stand: 04.08.2015 06:00 Uhr

Caterer profitieren von Flüchtlingswelle

von Kathrin Erdmann, NDR Info

Während die einen über den anhaltenden Flüchtlingsstrom nach Deutschland jammern, freuen sich andere über die gute Auftragslage. Caterer etwa liefern täglich Essen für Menschen aus aller Welt - und erleben dabei so manche Überraschung.

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"Sieht gleich aus, ist aber mit und ohne Fleisch", sagt Betriebsleiter Reinhard Panter.

Mit weißer Hygienehaube auf dem Kopf steht Reinhard Panter bei Alsterfood in Hamburg. Schon morgens um 7 Uhr muss der Betrieb in der Großküche reibungslos laufen. "Wir bekommen hier morgens die Ware angeliefert und am selben Tag wird die Ware kommissioniert, gepackt, vorbereitet und auch zubereitet", sagt Panter. Der Caterer Alsterfood ist einer von zweien, die Essen an die Erstaufnahmeeinrichtungen liefern. Täglich gehen hier 4.500 Essen raus - alle im sogenannten Cook-and-Chill-Verfahren. Das heißt: Was heute ein Flüchtling auf den Tisch bekommt, wurde schon gestern gekocht und quasi schock-gekühlt. "Wir müssen die Ware innerhalb von 90 Minuten von einer Temperatur von oberhalb von 65 Grad auf mindestens 10 Grad runterkühlen, und dann haben wir nochmal 20 Minuten Zeit, um auf 3 Grad runterzukühlen", so Panter.

Lieber Kartoffeln als Couscous

Wenige Meter entfernt blubbert es in einem Kochtopf-Essen für heute und morgen, überwacht von Küchenleiter Gunnar Bestmann: "Einerseits haben wir jetzt etwa 650 Liter Tomatensauce für unsere Außenstellen zu kochen und parallel dazu bereiten wir schon circa 500 Kilo Nudeln vor, die wir morgen zu Nudelsalat verarbeiten."

Nudelsalat, Tomatensauce - nach kultureller Vielfalt klingt das nicht gerade. Doch ein Blick auf den Speiseplan zeigt das Gegenteil - Putengyros und Fetakäse gibt es ebenso wie Yassa, eine Art afrikanischer Schmortopf. Das Essen sei ein Lernprozess für alle Seiten, sagt Amedeus Hajek. So sollte es eigentlich mehr Couscous statt Kartoffeln geben - das stand im Vertrag, doch: "Jetzt ist es so, dass Kartoffeln geliebt werden und Couscous mag man nicht, denn das war eben zu kurz gedacht. Denn Couscous gibt es im Maghreb, aber von dort sind die wenigstens der Bewohner, die wir versorgen."

Um den Menschen ein Gefühl von Heimat zu geben, hat sich Ogur Sahin für die typischen Landesgewürze eingesetzt. Er ist Schichtleiter in der Hamburger Flüchtlingsunterkunft Schnackenburgallee: "Was die gerne mögen sind Gurken, Tomaten, Joghurt - das sind Sachen, die werden eingeatmtet, also das wird nicht gegessen, sondern eingeatmet."

Versorgung für rund neun Euro am Tag

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Ogur Sahin ist Schichtleiter in der Flüchtlingsunterbringung Schnackenburgallee.

Afghanen, Serben, Albaner, Syrer, Eritreer - es allen immer recht zu machen ist nicht leicht. Ein junger Afghane wünschte, es gäbe morgens und abends nicht immer das gleiche Fladenbrot mit Wurst, sondern mehr Salat und Gurke. Projektleiter Hajek, der vorher als Unternehmenssanierer gearbeitet hat, hat ein begrenztes Budget. Er sage deshalb immer zu seinen Mitarbeitern: "Denkt daran, wie eure Mutter am Ende des Monats mit knappem Haushaltsgeld entsprechend ausgekommen ist." Insgesamt muss ein Flüchtling für rund neun Euro am Tag versorgt werden. Je mehr Flüchtlinge es werden, umso günstiger werde es, sagt Hajek. Und er freut sich, dass seine Küche jetzt endlich besser ausgelastet ist.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 04.08.2015 | 08:08 Uhr