Stand: 24.09.2017 19:39 Uhr

Bundestagswahl: Angst ist ein schlechter Ratgeber

von Sabine Rossbach
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Sabine Rossbach, Direktorin des NDR Landesfunkhauses Hamburg, kommentiert die Ergebnisse der Bundestagswahl.

Angst ist ein schlechter Ratgeber – das wussten schon Großvater und Großmutter. So sehr das stimmt, so sehr stimmt auch, dass man Angst ernst nehmen muss und vor allem auch die Menschen, die Angst haben.

Angst vor den Flüchtlingen, Angst vor Altersarmut, Angst davor, von unseren Politikerinnen und Politikern nicht mehr wahrgenommen und vertreten zu werden. Ja - und auch Angst vor dem "Weiter so" der Großen Koalition.

Große Parteien finden keine Antworten

Im Wahlkampf der vergangenen Wochen haben die Parteien auf diese Ängste eher keine Antworten gefunden. Jedenfalls keine Antworten, die die enttäuschten Wählerinnen und Wähler hätten überzeugen können. Im Angebot waren vage Versprechungen zum Thema soziale Gerechtigkeit, zum Thema innere Sicherheit, zur Wirtschafts- und Europapolitik.

In diesem Wahlkampf gab es aber eigentlich nur ein Thema: Flüchtlinge. Ein Thema, das die großen Parteien nur am Rande streiften. Die AfD hingegen war aggressiv, sie hat die Ängste vieler Wählerinnen und Wähler aufgenommen, ja sogar verstärkt. Und das Wahlvolk hat sich nicht abhalten lassen, die AfD zu wählen, weder von ihren radikalen Reden, noch von nationalistischen und rassistischen Äußerungen. Die Wut saß zu tief, der Protest war zu groß und die Angst vor der Zukunft war übermächtig.

Große Herausforderung wartet

Im Bundestag sitzt bald eine Partei, die ihre Thesen nun noch lauter, schriller und aggressiver kundtun wird. Das gehört zu den großen Herausforderungen des nächsten Bundestages.

Wie geht es weiter? Für ein Bündnis aus CDU, FDP und Grünen reichen Prozente, bei den Positionen wird man sehen. Die SPD hat sich sehr früh entschieden, in die Opposition zu gehen. Ein folgerichtiger Schritt für die Neuordnung der SPD. Dafür braucht die Partei eine Führung, die eine Kurs vorgeben und auch halten kann. Ob Wahlverlierer Martin Schulz der richtige Parteichef ist, muss sich zeigen. Wie man hört, trauen es viele Sozialdemokraten eher Olaf Scholz zu, diese Partei wieder in ruhiges Fahrwasser zu bewegen. Ob der Erste Bürgermeister dafür bereitsteht, werden die kommenden Wochen zeigen.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 24.09.2017 | 21:00 Uhr

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