Stand: 27.01.2016 17:20 Uhr

Bertini-Preis für Schüler mit Zivilcourage

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Ausgezeichnet: Schüler der Gelehrtenschule des Johanneums aus Hamburg nehmen den Bertini-Preis entgegen.

Fünf Schüler-Initiativen, die sich für ein vorurteilsfreies gesellschaftliches Miteinander engagieren, haben am Mittwochnachmittag in Hamburg den Bertini-Preis für Zivilcourage erhalten. Bei einem Festakt im Ernst-Deutsch-Theater ehrte Schulsenator Ties Rabe (SPD) die insgesamt 64 jungen Menschen: "Sie hatten den Mut, sich zu erinnern und richtig zu handeln." Außerdem hätten die Jugendlichen Empathie entwickelt und sich in andere hineinversetzt, lobte Rabe. Die Festrede hielt Patrick Abozen ("Tatort"), Hamburger Schauspieler mit äthiopischem Hintergrund.

Von szenischer Lesung bis zur Sportgruppe

Zu den ausgezeichneten Aktivitäten gehört die CD "Let me speak - Songs zum Thema IS und Pegida" von Schülern der Stadtteilschule Wilhelmsburg. Geehrt wurden auch Abiturienten der Gelehrtenschule des Johanneums, die sich im Projekt "Überleben - eine szenische Lesung wider das Vergessen" mit Schicksalen von Holocaust-Überlebenden befassen.

Jungen und Mädchen des Gymnasiums Bondenwald organisierten ein Sportangebot, um Flüchtlinge willkommen zu heißen. Jugendliche der gemeinsamen Oberstufe von Gymnasium und Stadtteilschule Finkenwerder initiierten einen "Stolperstein" für Hermann Quast, einen Jungen mit Down-Syndrom aus ihrem Ort. Das Kind wurde mit sieben Jahren 1943 von den damaligen Alsterdorfer Anstalten aus in den Tod geschickt.

Schüler vom Ludwig-Meyn-Gymnasium in Uetersen (Kreis Pinneberg) gingen dem Gerücht nach, dass NS-Diktator Adolf Hitler immer noch Ehrenbürger ihrer Stadt ist. Ihre Recherche mündete Ende 2015 in der offiziellen Aberkennung dieses Titels durch die Ratsversammlung.

Das sind die ausgezeichneten Projekte
02:06 min

"Let me speak" - Songs für den Frieden

26.01.2016 19:30 Uhr
Hamburg Journal
01:54 min

Stolperstein für Hermann Quast

26.01.2016 18:00 Uhr
Hamburg Journal 18.00
01:49 min

Hitler, ein Ehrenbürger Uetersens?

26.01.2016 18:00 Uhr
Hamburg Journal 18.00
01:51 min

Lesung gegen das Vergessen

26.01.2016 18:00 Uhr
Hamburg Journal 18.00

Benannt nach einem Roman Giordanos

Der Bertini-Preis wird traditionell am Holocaust-Gedenktag verliehen. Der Name geht auf den Roman "Die Bertinis" des Hamburger Schriftstellers Ralph Giordano zurück. Der im Dezember 2014 verstorbene Giordano arbeitete über 40 Jahre an dem Buch, in dem er das Schicksal seiner Familie in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur schildert, geprägt von Ausgrenzung, Verfolgung und ständiger Angst. Ralph Giordano war Ehrenvorsitzender des Vereins und immer zuversichtlich, dass der Bertini-Preis seine Botschaft "Lasst euch nicht einschüchtern" weitertragen werde.

Die Ausschreibung zum Bertini-Preis richtet sich seit 1998 an alle Hamburger zwischen 14 und 25 Jahren. Sie können sich einzeln, als Gruppe oder Schulklasse mit einem Projekt bewerben - oder von Anderen für ihr mutiges "Eintreten gegen Unrecht, Ausgrenzung oder Gewalt von Menschen gegen Menschen in dieser Stadt" vorgeschlagen werden.

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 27.01.2016 | 17:00 Uhr

mit Video

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