Stand: 06.01.2016 19:41 Uhr

Bericht zu Taylers Tod erst in einigen Wochen

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Sozialsenatorin Leonhard will keine Einschätzung abgeben, bis der Bericht der Jugendhilfeinspektion vorliegt.

Der Bericht der Jugendhilfeinspektion zum Tod des kleinen Tayler wird nach Angaben von Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) wohl erst in einigen Wochen vorliegen. Es gebe keine Zeitvorgaben, denn es handle sich um ein unabhängiges Gremium, sagte die Senatorin am Mittwochabend im Kinder- und Jugendausschuss der Bürgerschaft. Zu Beginn der Sitzung legte der Ausschuss eine Schweigeminute ein.

Fehler der Behörden?

Bevor der Bericht der Jugendhilfeinspektion vorliege, werde sie keine inhaltlichen Einschätzung abgeben, erklärte Leonhard. Das Aufsichtsgremium soll untersuchen, ob es von Seiten der Behörden Fehler gegeben hat. Der Junge wurde vom Jugendamt des Bezirks Altona betreut. Tayler war nach einer Schulterverletzung für einige Zeit bei einer Pflegefamilie untergebracht - mit dem Einverständnis der Mutter. Auf Drängen der Mutter erhielt sie das Kind im Oktober aber wieder zurück.

Tayler erlag Hirnverletzungen

Tayler war am 12. Dezember ins Krankenhaus gebracht worden und sieben Tage später an seinen schweren Hirnverletzungen gestorben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass ein Schütteltrauma die Ursache war. Der endgültige Obduktionsbericht liegt noch nicht vor. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die 23 Jahre alte Mutter und ihren 26 Jahre alten Lebensgefährten, der nicht der Vater des Jungen ist. Beide sind auf freiem Fuß. Der 26-Jährige war kurz nach Taylers Tod zu einer Urlaubsreise nach Spanien aufgebrochen. Es sei unklar, ob er wie angekündigt am 4. Januar zurückgekehrt sei, hieß es im Ausschuss. Einzelheiten zum Fall wurden aus datenschutzrechtlichen Gründen in einem nicht öffentlichen Teil der Ausschusssitzung besprochen.

Die Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz bleibe ein zentrales Anliegen der Familienpolitik des Hamburger Senats, betonte Leonhard. "Einer erneuten Bundesratsinitiative stehen wir offen gegenüber." Der CDU-Abgeordnete Dennis Gladiator verwies darauf, dass wieder in Hamburg ein Kind umgekommen sei und dass es auffällige Parallelen zum Fall des getöteten Mädchens Yagmur gebe. Das könne er nicht als Zufall oder als unerklärlich hinnehmen. Sabine Boeddinghaus von der Linken forderte im Gespräch mit dem Hamburg Journal des NDR Fernsehens, das ganze Jugendhilfesystem in Hamburg gehöre auf den Prüfstand.

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Hamburg Journal | 06.01.2016 | 19:30 Uhr