Stand: 26.11.2015 21:05 Uhr

Baby schwer misshandelt: Lange Haft für Vater

Bild vergrößern
Der Angeklagte nahm die Urteilsverkündung reglos entgegen.

Ein 27-jähriger Vater aus Hamburg-Finkenwerder muss wegen der Misshandlung seines drei Monate alten Sohns siebeneinhalb Jahre hinter Gitter. Laut dem Urteil des Hamburger Landgerichts vom Donnerstag hat er sich der schweren Misshandlung Schutzbefohlener und der schweren Körperverletzung schuldig gemacht.

Viel Alkohol getrunken

Nach Überzeugung der Strafkammer soll der Mann seinen weinenden Sohn in der Nacht zum 29. April im Alkoholrausch aus dem Bett genommen haben. Er soll das Kind erst geschlagen, dann mehrere Minuten lang hin- und hergeschüttelt haben. Eine Gutachterin gab an, der Kopf des Säuglings müsse dabei peitschenartig vor- und zurückgeschnellt sein.

Als er das Baby am nächsten Morgen aus dem Bett hob, sei es zusammengesackt und habe nicht mehr geatmet, hatte der Vater während des Prozesses erzählt. Anschließend habe er zusammen mit der Mutter den Rettungsdienst gerufen.

"Schwer, das Geschehe in Worte zu fassen"

Dem Vorsitzenden Richter Ulrich Weißmann fiel es nach eigenen Angaben "schwer, das Geschehene in Worte zu fassen." Die Strafkammer habe schon viele Grausamkeiten gehört, aber dieser Fall überschreite alles, sagte er. Die Beweggründe des Vaters für seine Tat blieben im Prozess unklar. Er konnte sich nach eigenen Angaben nicht mehr an alles erinnern. Die Mutter des Kindes und er hätten vor der Tat viel Alkohol getrunken. Man habe mit dem Kleinen gespielt und ihn dann ins Bett gebracht. Später habe er nach dem Jungen geschaut und ihn hochgehoben. Als dieser anfing zu quengeln, habe ihn das "stinksauer" gemacht und er habe zugeschlagen. Wie oft, wisse er nicht mehr.

Junge mit bleibenden Hirnschäden

Der Junge erlitt durch die Misshandlungen bleibende Hirnschäden. Er ist blind, taub und an Armen und Beinen spastisch gelähmt. Das Kind befindet sich derzeit auf einer Palliativstation. Es wurde nach Auskunft der Ärzte bereits siebenmal operiert. Die Schäden seien aber irreversibel.

Der Vater war zur Tatzeit aufgrund des Alkoholkonsums in Verbindung mit einer Persönlichkeitsstörung laut Gericht "eingeschränkt steuerungsfähig". Die Staatsanwaltschaft hatte acht, die Nebenklage mindestens zehn Jahre Haft gefordert. Der Verteidiger hatte auf fünf Jahre plädiert. Dem Urteil zufolge muss der Angeklagte auch eine Therapie in einer Alkoholentzugsklinik machen. Ferner muss er seinem Kind 100.000 Euro Schmerzensgeld zahlen und weitere Kosten der Behandlung übernehmen. Der Angeklagte nahm das Urteil an.

Polizei schon einen Monat vorher bei der Familie

Gut einen Monat vor der Tat war die Polizei bereits in der Wohnung der Familie gewesen, um einen Streit zwischen den alkoholisierten Eltern zu schlichten. Die Beamten machten anschließend das zuständige Jugendamt auf eine mögliche Kindeswohlgefährdung aufmerksam, wie der Senat in einer Antwort auf eine schriftliche Kleine Anfrage der CDU-Bürgerschaftsfraktion mitteilte. Die Mutter habe einen überforderten Eindruck gemacht und selbst um weitere Unterstützung durch das Jugendamt gebeten. Das Kind sei damals aber ohne Auffälligkeiten schlafend vorgefunden worden.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 26.11.2015 | 19:30 Uhr