Stand: 24.02.2016 18:10 Uhr

Aus für Stuttgarter Weindorf

30 Jahre lang rückten Nord- und Süddeutschland auf dem Stuttgarter Weindorf in Hamburg zusammen, ab diesem Jahr ist Schluss damit: Die Traditionsveranstaltung auf dem Hamburger Rathausmarkt wird überraschend eingestellt. Nach einer deutlichen Erhöhung der Platzmiete rechne sich die Veranstaltung für die Wirte nicht mehr, teilte der Veranstalter Pro Stuttgart am Mittwoch mit.

125.000 statt 46.000 Euro Platzmiete

Tief enttäuscht und verschnupft über den Bezirk Hamburg-Mitte zeigte sich Axel Grau, Geschäftsführer des Stuttgarter Verkehrsvereins. Dass eine 30-jährige gastronomische Städtepartnerschaft so ende, darüber könne er nur den Kopf schütteln. Grund für die Verärgerung ist eine Erhöhung der Platzmiete von 46.000 auf 125.000 Euro. Grau kann sich nicht vorstellen, wie die Wirte diese Summe erwirtschaften sollen. "Eine derartige Kostenexplosion lässt sich nicht mehr auffangen", erklärte Werner Koch, Vorstandsvorsitzender des Weindorf-Veranstalters Pro Stuttgart.

Bezirk Hamburg-Mitte: Keine Starthilfe mehr nötig

Der Bezirk Hamburg-Mitte hatte schon im August des vergangenen Jahres angekündigt, dass er die geltende Regelung aufkündigt. Bisher mussten die Wirte für die ersten elf Tage auf dem Rathausmarkt nichts zahlen. Im Gegenzug gastierte der Hamburger Fischmarkt elf Tage ohne Platzmiete in Stuttgart. Diese Regelung galt jedoch nur, um das Weinfest am Rathaus zu etablieren, sagte Sorina Weiland, Sprecherin des Bezirks Hamburg-Mitte NDR 90,3. Nach 30 Jahren könne man aber davon ausgehen, dass eine Starthilfe nicht mehr nötig sei.

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Das Stuttgarter Weindorf gastiert seit 1986 auf dem Hamburger Rathausmarkt.

Nun müssten die Veranstalter Gebühren für die gesamte Zeit von etwa 16 Tagen zahlen, so wie jeder andere Nutzer auf dieser "Premiumfläche", so Weiland. David Erkalp, tourismuspolitischer Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, kritisierte das Vorgehen des Bezirksamtes. Es sei blamabel und gleiche einer Provinzposse. "So geht man nicht mit langjährigen Partnern um", sagte er.

Was wird aus dem Fischmarkt in Stuttgart?

Die Stadt Stuttgart war nicht an der Entscheidung der Weindorf-Veranstalter beteiligt. Die Schwabenmetropole hatte einen Vermittlungsversuch geplant. "Angedacht war, dass Oberbürgermeister Fritz Kuhn an Olaf Scholz schreibt, um vielleicht doch noch eine tragbare Lösung zu finden", sagte Sprecher Sven Matis. Zur Zukunft des Hamburger Fischmarkts in Stuttgart konnte der Sprecher keine Angaben machen. "Bisher wurde für die Nutzung des Karlsplatzes keine Platzmiete verlangt, weil es sich um eine wechselseitige Vereinbarung handelte."

Das Stuttgarter Weindorf war in diesem Jahr vom 12. bis zum 28. Mai auf dem Rathausmarkt geplant. In den Vorjahren fand es stets im Herbst statt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 24.02.2016 | 13:00 Uhr