Stand: 01.02.2016 06:28 Uhr

Asklepios geht den Ärzten an die Wäsche

Kasack statt Kittel: Ärzte bei Aklepios tragen bald einen komplett weißen Kasack mit Stehkragen und Knopfleiste (l.). Examinierte Pflegekräfte (r.) haben zur Unterscheidung einen grau und grün abgesetzten V-Ausschnitt.

In vielen Hamburger Krankenhäusern sind Ärzte demnächst nicht mehr am weißen Kittel zu erkennen: Der Asklepios-Konzern schafft nach eigenen Angaben als bundesweit erster großer Klinik-Betreiber die Kittel ab - den Anfang macht im April das Krankenhaus in Harburg. Stattdessen sollen die Mediziner und das Pflegepersonal kurzärmlig arbeiten.

Kittelärmel als Keimschleudern?

Damit reagiere man auf die Sorge der Patienten vor einer Ansteckung mit multiresistenten Keimen, erklärte Konzerngeschäftsführer Kai Hankeln. Studien hätten gezeigt, dass die Ärmel der Arztkittel besonders stark mit Keimen belastet seien. "Die Ärzte gehen von Patient zu Patient und untersuchen sie. Der lange Ärmel hat Kontakt zu den Patienten. Die Hände desinfiziert der Arzt, aber er wechselt nicht jedes Mal den Kittel", erklärte Hankeln.

Der Konzern folge damit Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und der Weltgesundheitsorganisation (WHO). In Operationssälen und auf Intensivstationen ist kurzärmlige Kleidung längst Standard. Auf den normalen Stationen sei der langärmlige weiße Arztkittel dagegen bislang ein Erkennungszeichen und Statussymbol gewesen.

Gegner: Placeboeffekt geht nun verloren

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Statussymbol mit Placeboeffekt? Der Ärztekittel muss für die Hygiene weichen.

Für die Abschaffung musste die Konzernleitung viel Überzeugungsarbeit leisten. "Bei älteren Chefärzten ist das schon eine gewisse Hürde, die sie überspringen müssen", sagte Hankeln. Jüngeren Medizinern falle der Abschied vom traditionellen Kittel leichter. Mancher Ordinarius hänge sehr an seinem Modell "Eppendorfer" mit Silberknöpfen. Die Verteidiger des althergebrachten Kittels glaubten sogar an einen Placeboeffekt. Demnach führt allein die Erscheinung des bis zu den Handgelenken in Weiß gewandeten Mediziners dazu, dass sich die Patienten besser fühlen.

Die Hierarchie der Mediziner in den Asklepios-Kliniken wird auch künftig an der Kleidung erkennbar sein. Eine komplett weiße Tracht ist den Ärzten vorbehalten. Sie tragen den sogenannten Kasack mit Stehkragen und einer Knopfleiste. Examinierte Schwestern und Pfleger haben zur Unterscheidung einen grau abgesetzten V-Ausschnitt mit grünem Streifen am Revers. Wer noch in der Ausbildung ist, muss eine graue Hose anziehen. Hilfskräfte werden komplett in Grau gekleidet sein.

Im UKE muss der Kittel an den Haken

Im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) gilt nach Angaben einer Sprecherin bereits seit Jahren die Anordnung, dass alle Mitarbeiter, die direkt am Patienten arbeiten, kurzärmlige Dienstkleidung tragen müssen. Hier wurde der traditionelle langärmlige Arztkittel allerdings nicht abgeschafft: Mediziner müssen ihn aber an den Haken hängen, bevor sie sich den Patienten widmen.

Bei Asklepios bekommen nun mehr als 30.000 Mitarbeiter, darunter über 4.000 Ärzte, neue Kasacks und Hosen. Auch für die 1,7 Millionen Patienten werden nach Konzern-Angaben neue Hemden, Bettwäsche und Handtücher angeschafft. Wobei Asklepios die in Deutschland produzierten Textilien nicht selbst kauft, sondern per Großauftrag bei Konfektionären mietet. Der Konzern spart dadurch sechs Millionen Euro pro Jahr.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 01.02.2016 | 06:00 Uhr