Stand: 02.05.2017 14:49 Uhr

Weniger Druckliegegeschwüre bei alten Menschen

In Hamburg werden alte Menschen heute offenbar besser gepflegt als vor 20 Jahren. Zu diesem Ergebnis kommt der Rechtsmediziner Klaus Püschel vom Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE). Sein Institut untersucht seit 1997 die Hamburger Toten, die eingeäschert werden sollen. Und bei diesen gesetzlich vorgeschriebenen Leichenschauen seien heute nur noch ein Fünftel der Fälle mit Druckliegegeschwüren (Dekubitus) feststellbar wie noch Ende der 1990er-Jahre. Maximal 0,5 Prozent von jährlich mehr als 13.000 untersuchten Toten wiesen Dekubitus auf. "Das ist eine sehr, sehr positive Entwicklung", sagte Püschel am Dienstag bei der Vorstellung einer bilanzierenden Broschüre mit dem Titel "Mit Druck umgehen".

Hinweis auf Mängel in der Pflege

Die Geschwüre bekommen vor allem pflegebedürftige Menschen, die lange Zeit unbeweglich im Bett oder im Rollstuhl verbringen müssen. Sie können ein Hinweis auf Pflegemängel sein. Vor 20 Jahren hatte Püschel Alarm geschlagen, weil er bei der Leichenschau viele schwere Druckliegegeschwüre gesehen hatte. "Das hat mich in gewisser Weise wütend gemacht", erinnerte sich Püschel. "Dies ist eine Form der Gewalteinwirkung, die ich völlig inakzeptabel finde." Er habe das Einschalten von Polizei und Staatsanwaltschaft für nicht erfolgversprechend gehalten, weil die Schuldigen in der Regel kaum zu ermitteln seien.

Stattdessen habe er auf die Zusammenarbeit mit Pflegeeinrichtungen und der Gesundheitsbehörde gesetzt. Nach einer Verbesserung der Pflegequalität habe es zwischen 2007 und 2010 erneut eine Verschlechterung gegeben. Daraufhin habe er wieder Alarm geschlagen. "Wir werden weiter den Finger in die Wunde legen", sagte Püschel am Dienstag. Die Hamburger Krankenhäuser sind nach seiner Einschätzung bei der Dekubitus-Prophylaxe besser als die Pflegeeinrichtungen.

Versorgungsmängel gibt es immer wieder

Franz Pröfener von der Hamburger Pflegegesellschaft räumte ein, dass es immer wieder Versorgungsmängel gebe. Eine gewisse Quote von Dekubitus-Fällen sei aber unvermeidbar. Hochbetagte und schwer kranke Menschen etwa wollten in ihren letzten Lebenstagen nicht dauernd umgebettet werden. Vertreter von Pflegeverbänden, des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen, des Seniorenbeirats und der Gesundheitsbehörde wollen im November wieder an einem runden Tisch über das Thema beraten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 02.05.2017 | 14:00 Uhr

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