Stand: 27.07.2015 19:20 Uhr

Ärger am "KoZe": Polizeischutz für Bauarbeiten

Im Hamburger Münzviertel in der Nähe des Hauptbahnhofes haben am Montagmorgen Bauarbeiten an der ehemaligen Gehörlosenschule begonnen. Damit wird der Abriss erster Gebäude auf dem Gelände vorbereitet. Teile des leer stehenden Gebäudekomplexes werden unter dem Namen "Kollektives Zentrum" (KoZe) von zahlreichen linken Gruppen genutzt.

Massives Polizeiaufgebot

Wie NDR 90,3 berichtete, rückte am frühen Morgen eine Baufirma im Auftrag der für das Gelände zuständigen Finanzbehörde an. Bauarbeiter flexten gegen 7 Uhr unter massivem Polizeischutz eine Gittertür zum Innenhof auf. Auf der Straße standen Wasserwerfer und Räumfahrzeuge bereit. Bei den Arbeiten ging es jedoch nicht um die Räumung der besetzten früheren Kita, sondern um das Aufstellen eines Bauzaunes um das Schulgebäude im hinteren Teil des Hofes. Dieses soll bald abgerissen werden. Auf dem Holzzaun wurden Schilder mit Warnungen vor dem giftigen Baustoff Asbest angebracht. Für diese Arbeiten hat die Polizei ein Baumhaus im Innenhof abgerissen und einige Kunstobjekte beiseite geräumt.

Protest: Vier Festnahmen

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Die Polizei war mit zwei Hundertschaften im Einsatz, um der Baufirma Zutritt zu dem Gelände zu verschaffen.

Die Nutzer des Gebäudes fürchteten offenbar die Räumung des Geländes. Sie sprachen von einer Provokation. Es kam zu Protesten. "Einige Personen haben Widerstand geleistet, zum Beispiel durch eine Sitzblockade", sagte ein Polizeisprecher. Dabei seien vier Menschen vorläufig festgenommen worden. Bei zwei weiteren wurden die Personalien aufgenommen. Laut Augenzeugen soll die Polizei auch Pfefferspray eingesetzt haben.

100 Aktivisten bei Demonstration in der City

Gut 100 Aktivisten versammelten sich am Montagabend nach Polizeiangaben in der Innenstadt. Nach etwa zwei Stunden sei die Aktion in der Mönckebergstraße vorbei gewesen. "Es war alles friedlich", sagte ein Polizeisprecher. Die Aktivisten hatten in sozialen Netzwerken zu der Demonstration aufgerufen. Die Polizei war mit mehreren Wasserwerfern und einer Hundertschaft vor Ort.

Fläche für Flüchtlingsunterkunft?

Ein Sprecher der Finanzbehörde sagte NDR 90,3, ein Räumung des "Kollektiven Zentrums" im vorderen Gebäudeteil sei zunächst nicht vorgesehen. Zunächst gehe es um eine Schadstoffsanierung in dem mit Asbest belasteten Schulgebäude. Dies dauere etwa vier Wochen. Danach würde dieses Gebäude abgerissen. Im Herbst stünde dann auf dem Gelände eine Freifläche zur Verfügung. "Wir prüfen gemeinsam mit der Sozialbehörde, dort Flüchtlinge in Containern unterzubringen", sagte der Sprecher.

Wann die besetze Kita geräumt und schließlich ebenfalls abgerissen werde, hänge von den weiteren Baufortschritten ab. Eine Räumung sei erst notwendig, wenn die Wohnungsbauarbeiten beginnen. Einen Nutzungvertrag mit dem "Kollektiven Zentrum" schließt die Finanzbehörde aus. Der Senat lasse sich nicht von dem Ziel abbringen, auf dem Gelände Wohnungen zu bauen.

Investor will Wohnungen bauen

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Die ehemalige Gehörlosenschule wird zurzeit als linksalternatives Zentrum genutzt.

Der Investor Hanseatische Bau Konzept (HBK) will in der zentralen Innenstadtlage rund 400 Wohnungen bauen. Anfang Juli hatte der Bezirk Hamburg-Mitte dem Investor eine Abrissgenehmigung erteilt. Dagegen wenden sich jedoch die Mitglieder des "Kollektiven Zentrums". Sie nutzen seit Monaten die Räume und haben unter anderem eine Schneiderei und eine Fahrradwerkstatt eingerichtet. Sie waren zunächst von einem Kulturverein geduldet worden, der einen Nutzungsvertrag mit dem Bezirk über einen Teil der Räume hat. Politiker der CDU aber auch Experten der Polizei befürchten, dass sich an dieser Stelle eine "zweite Rote Flora" etablieren könnte.

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"Kollektives Zentrum": Nutzer zahlen keine Miete

Hamburg hat linken Gruppen eine leer stehende Kita im Münzviertel mietfrei zur Zwischennutzung überlassen. Das geht aus der Antwort des Senats auf eine CDU-Anfrage hervor. (18.06.2015 mehr

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 27.07.2015 | 18:00 Uhr