Stand: 15.01.2016 14:25 Uhr

Acht Tatverdächtige nach Kiez-Übergriffen

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Polizisten patroullieren in Hamburg auf der Straße "Große Freiheit" - das wollen jetzt auch die Türsteher tun.

Nach den sexuellen Übergriffen auf Frauen wollen am kommenden Wochenende Türsteher auf dem Hamburger Kiez Streife laufen. Die Sicherheitskräfte sollen durch Warnwesten oder Armbinden klar erkennbar sein, wie das "Hamburger Abendblatt" am Freitag berichtete. Die privaten Wachleute wollen Kiez-Besucherinnen ein Gefühl der Sicherheit vermitteln, hieß es. "Unsere Leute werden nicht nur die Türen schützen, sondern die ganze Straße", sagte der Chef von "Security Große Freiheit", Benny Dianat, der Bild"-Zeitung. "Frauen, die Angst haben, allein zur S-Bahn zu gehen, können die Zentrale anrufen und bekommen Begleitung."

Dieses Vorgehen war auf einem Treffen von Club- und Barbetreibern vereinbart worden, an dem auch die Polizei teilgenommen hatte. "Es ist gut, dass jeder auf dem Kiez ein Auge auf alles wirft. Doch für Sicherheit sorgt immer noch die Polizei", sagte Polizeisprecherin Karina Sadowsky am Freitag. "Wenn Kiez-Mitarbeiter oder andere Menschen sehen, dass etwas passiert, müssen sie die Polizei rufen."

Acht Tatverdächtige ausgemacht

Einen ersten Ermittlungserfolg nach der Silvesternacht hatten die Beamten am Donnerstagabend gemeldet: Acht Tatverdächtige wurden ermittelt. Alle Verdächtigen hätten einen Migrationshintergrund, sagte der Vize des Landeskriminalamts, Frank-Martin Heise, am Donnerstag im Innenausschuss der Bürgerschaft. Den Flüchtlingen und den zum Teil seit Jahren in Hamburg lebenden Männern konnten konkrete Taten zugeordnet werden. Gegen weitere 18 bis 20 Personen werde ermittelt, die Beweislage ist aber offenbar sehr sehr dünn. Auch zwei Wochen nach den Ereignissen gibt es keine Festnahmen, bestätigte am Freitag ein Polizeisprecher. Weitere Informationen wolle man aus "taktischen Gründen" nicht geben. Auch der Staatsanwaltschaft liegen noch keine Anträge der Polizei vor.

Fast 200 Strafanzeigen

Insgesamt gingen bei der Polizei bisher 195 Strafanzeigen ein. Der Großteil der Taten konzentriert sich auf den Bereich Große Freiheit, hinzu kommen einige Vorfälle am Jungfernstieg. Es gebe bisher 306 geschädigte Frauen. Hamburgs Innensenator Michael Neumann (SPD) begrüßte das geänderte Anzeigeverhalten, das auf einen Bewusstseinswandel hindeute. Er versicherte, dass alles getan werde, um die Taten aufzuklären. Zur Sonder-Ermittlungsgruppe gehören jetzt 26 Beamte.

Videoüberwachung nicht abgeneigt

Die Täter konnten vor allem anhand von Videoaufnahmen und Handyfotos ermittelt werden. Der Innensenator erklärte, er habe generell keine Vorbehalte gegen die Videoüberwachung des öffentlichen Raums. Die Kameras auf der Reeperbahn sind noch installiert und man werde prüfen, ob man sie nicht wieder nutzen könne. Die zwölf Kameras wurden vor fünf Jahren abgeschaltet, nachdem eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts vom Juni 2010 die Überwachung stark einschränkte. Das Gericht hatte das Filmen von Hauseingängen und Fensterbereichen untersagt und da hieß es von der Polizei: Der Aufwand lohne sich nicht, wenn es kaum noch verwertbare Bilder gibt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 15.01.2016 | 12:00 Uhr