Stand: 29.03.2016 14:23 Uhr

5.000. Stolperstein erinnert an kleines Mädchen

Nicht einmal 18 Monate alt wurde Bela Feldheim: An ihr kurzes Leben erinnert seit Dienstag der 5000. Stolperstein Hamburgs. Der Künstler Gunter Demnig hat ihn in der Hamburger Neustadt verlegt. Gemeinsam mit Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit (SPD) und der Schauspielerin und Autorin Peggy Parnass wurde im Valentinskamp 46 des 18 Monate alten Mädchens und seiner Familie gedacht. Bela wurde 1942 mit ihrer Mutter Ella und ihrer Schwester Ingeborg nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Demnig setzte am Dienstag auch Stolpersteine für Belas Mutter Ingeborg, für die achtjährige Schwester Ella sowie für den Vater Bernhard Feldheim.

Auch Gedenken in Eimsbüttel

Kurz zuvor war auch der 4.999. Stolperstein verlegt worden: Rund 30 israelische Angehörigen gedachten der ermordeten Jüdin Sonia Wechsler in der Hohe Weide 74 in Eimsbüttel. Wechsler war 1940 mit 135 weiteren Juden aus Hamburg nach Brandenburg an der Havel deportiert und dort mit Gas ermordet worden.

Demnig verlegte vor 15 Jahren den ersten Stolperstein in Hamburg. Inzwischen "stolpern" die Menschen in fast allen Hamburger Stadtteilen über die kleinen goldenen Platten, die an Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Die kurzen Inschriften werden durch 3.000 längere Biografien im Internet ergänzt. 400 davon gibt es auch auf Englisch, 300 auf Russisch.

56.000 Gedenksteine in ganz Europa

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Gunter Demnig erinnert mit seinen Stolpersteinen an die Opfer des Nationalsozialismus.

Außerdem informiert eine App über die Standorte der Steine in der Stadt. In 20 weiteren Ländern Europas gibt es mittlerweile rund 56.000 dieser besonderen Gedenktäfelchen. "Der Stein schafft einen Ort der Erinnerung, denn fast alle Steine setze ich ja für Menschen, die keinen Grabstein haben", zitiert das Hamburger Stolpersteinprojekt Demnig.

Es gab aber auch Kritik an dem Projekt: Der Publizist Daniel Killy kritisierte sie als "politisch korrekt ummantelten Businessplan". Sie seien zu einer moralischen Stolperfalle geworden. Zuvor hatte sich auch Charlotte Knobloch, die ehemalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden, gegen Stolpersteine ausgesprochen: Die Verlegung sei eine Missachtung der Opfer. "Damit wird das Andenken von Menschen, die Verfolgung und Entwürdigung erleben mussten, bevor sie auf schreckliche Weise ermordet wurden, nochmals entwürdigt und sprichwörtlich mit Füßen getreten", sagte Knobloch.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 29.03.2016 | 14:00 Uhr