Stand: 18.01.2016 19:13 Uhr

Tochter-Mord: Mutter erhebt schwere Vorwürfe

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Der Angeklagte soll seine Familie jahrelang geschlagen, beschimpft und schikaniert haben.

Das Hamburger Landgericht hat den Prozess gegen einen Mann fortgesetzt, der vor einem halben Jahr seine 19-jährige Tochter umgebracht haben soll. Am Montag sagten die Mutter und die Schwester der Getöteten aus. Die Mutter schilderte das Leben der Familie und berichtete von der jahrelangen Tyrannei des Vaters, von täglichen Schlägen, Beschimpfungen und Schikanen. Ihre 19-jährige Tochter habe sich als Einzige dem Vater widersetzt.

"Krankhaft eifersüchtig"

"Mein Mann war krankhaft eifersüchtig", sagte die Mutter, die kaum alleine das Haus verlassen durfte. Schaute ihr auf der Straße jemand hinterher, nahm ihr Mann sie anschließend über Stunden ins Verhör über angebliche Affären. Immer wieder wollte sie sich von ihrem Mann trennen. Doch sie kam immer zu ihm zurück.

Auch ihre Tochter Martina wurde vom Vater drangsaliert. Manchmal rief er sie im Minutentakt an, um sie nach der Mutter auszufragen. Doch das Mädchen ging einfach nicht mehr ans Telefon. In den Tagen vor der Tat reagierte sie gar nicht mehr auf die Anrufe ihres Vaters, sagte ihre Mutter nun aus. Das war möglicherweise ihr Todesurteil. In der Nacht zum 10. Juli 2015 kam der Vater ins Zimmer des Mädchens, schlug und stach auf es ein. Anschließend bedrohte er auch seine Frau. Als die ihre Tochter um Hilfe rief, höhnte der Vater: "Martina wird dir nicht mehr helfen."

"Ich wurde wütend"

Vergangene Woche hatte der 45-jährige Angeklagte die Tat vor Gericht gestanden. Er ließ seine Anwältin eine Erklärung verlesen und versuchte darin zu begründen, warum er in der besagten Nacht überhaupt in der Wohnung der Familien gewesen war. Ein Gericht hatte ihm das Betreten verboten. Er bestritt allerdings, auf seine schlafende Tochter eingeschlagen und eingestochen zu haben. Er habe aus einem Streit heraus gehandelt: "Ich wurde wütend, weil ich spürte, dass sie nicht zu mir steht."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 18.01.2016 | 18:00 Uhr