Stand: 06.01.2016 15:57 Uhr

19-Jährige brutal getötet: Vater vor Gericht

Ein halbes Jahr nach dem grausamen Tod einer 19-Jährigen im Stadtteil Wilhelmsburg hat am Mittwoch vor dem Hamburger Landgericht ein Mordprozess gegen den Vater des Opfers begonnen. Der Staatsanwalt warf dem 45-Jährigen vor, die Tochter heimtückisch und aus niederen Beweggründen getötet zu haben. Er habe sie für die Scheidungspläne seiner Frau verantwortlich gemacht.

Tochter den Schädel eingeschlagen

Trotz eines gerichtlichen Verbots wegen früherer Gewalttaten sei der Angeklagte in der Nacht zum 10. Juli vergangenen Jahres in die Wohnung der Familie eingedrungen, erklärte der Staatsanwalt. Er habe der schlafenden Tochter mit einer 41 Zentimeter langen metallenen Gewindestange den Schädel eingeschlagen. Dann habe er ihr mit einem Küchenmesser mit 17 Zentimeter langer Klinge noch mehrere Stiche in Hals, Brust und Unterbauch versetzt. Die Tochter starb noch am Tatort. Anschließend habe der 45-Jährige auch seine in einem anderen Zimmer schlafende Ehefrau angegriffen. Der Anklage zufolge schüttete er ihr eine unbekannte Flüssigkeit in den Mund, wovon sie erwachte. Als sie zu flüchten versuchte, habe er sie festgehalten und ihr Reizgas ins Gesicht gesprüht. Schließlich konnte die Frau aus dem Fenster der Erdgeschosswohnung springen, verletzte sich dabei aber das Knie. Die Anklage lautet auf Mord und gefährliche Körperverletzung.

Angeklagter aus der Entzugsklinik entlassen

Erst zwei Wochen vor der Tat war der Angeklagte aus einer Alkohol-Entzugsklinik entlassen worden, wie er vor dem Haftrichter nach seiner Festnahme am 10. Juli erklärt hatte. Das Protokoll der Vernehmung verlas die Vorsitzende Richterin am Mittwoch. Demnach hatte er noch in der Klinik von den Scheidungsplänen seiner Frau erfahren. Nach der Entlassung habe er bei einem Bekannten in Wilhelmsburg gewohnt. Eine Arbeit hatte der 45-Jährige nicht. Er war kurz nach der Tat noch in der Wohnung festgenommen worden. Bei ihm war der damals fünf Jahre alte Sohn des Paares gewesen.

Angeklagter will Erklärung abgeben

In dem Prozess treten die Ehefrau und eine weitere Tochter als Nebenklägerinnen auf. Die Anwältin des Angeklagten kündigte für den nächsten Verhandlungstermin am 14. Januar die Verlesung einer Erklärung ihres Mandanten an.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 06.01.2016 | 18:00 Uhr